Der Weintipp Aufmerksame Perlen
Als wir noch arme Studenten waren und uns, unerfahren in Weinsachen, hin und wieder eine Flasche Rüttgers Club gönnten, war die Welt der Schaumweine noch zweigeteilt. Auf der einen Seite standen Markensekte, die trotz zwei Mark Sektsteuer so gut wie nie die 10-Mark-Schwelle überschritten. Auf der anderen Seite gab es Champagner, unerreichbar für die meisten Menschen, die auf einen Geburtstag, eine Gehaltserhöhung oder das neue Jahr anstoßen wollten.
An dieser Stelle muss dringend das Positive zu Wort kommen: Glücklicherweise ist die Lücke zwischen Billigschäumer und Luxusprickler längst geschlossen. Weingüter und kleine Sekthäuser in aller Welt füllten sie mit oft ganz ausgezeichneten, im sogenannten Champagnerverfahren hergestellten Schaumweinen.
Ein Wein- und ein Sektgut
Neben vielen Weingütern mit eigenem Sekt haben sich auch in der Pfalz einige kleinere Spezialisten etabliert, die sich ganz auf Schäumendes konzentrieren. Einer davon ist das Unternehmen der beiden Winzer Michael Andres und Steffen Mugler. Ihr erster gemeinsamer Sekt war 1989 so schnell ausverkauft, dass sie ein Sektgut gründeten, um mit eigenen Rebflächen den gesamten Prozess unter Kontrolle zu haben. Ihre beiden Weingüter betreiben sie bis heute neben dem Sektgut. Die zentralen Werte ihres Schaffens liegen jedoch in der Biodynamie. Sie sind überzeugt, dass sie zu balancierten Weinbergen mit eigenem, natürlichem Rhythmus führt und zu Weinen, die perfekt für Sekt geeignet sind: physiologisch reif und gleichzeitig leicht. Seit er biodynamisch arbeite, sei er aufmerksamer geworden gegenüber der Natur und anderen Menschen, sagt Steffen Mugler. Biodynamie als Übung für bessere Wahrnehmung.
Der knochentrockene Rosé-Sekt kann dabei fast alles begleiten, was auf den gedeckten Tisch kommt.
Der Wein: 2021 Pinot Rosé brut nature, Sektkellerei Andres & Mugler, Ruppertsberg, www.andresundmugler.de, Telefon: 06326/8667, Preis: 18,50 Euro
Der Autor: Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

Dürfen wir nachschenken?
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