Der Weintipp
2021 zu kalt? Von wegen!
Ein Freund, Weingutsbesitzer, behauptet steif und fest: „Es gibt keine schlechten Jahrgänge mehr.“ Nicht ganz falsch. Mit Grausen erinnern sich die Älteren noch an Weinjahre in den 1980er-Jahren, die nicht nur kalt und regnerisch ausfielen, sondern auch unter mangelhafter Weinbau- und Kellertechnik litten. Gewiss: Verregnete Jahrgänge sind seltener geworden. Vor allem aber gut ausgebildete Winzer, verbesserte Technik und zielgerichtete Qualitäts- statt Massenerzeugung haben geholfen, schlechte Weine weitgehend abzuschaffen.
Geblieben ist die Vorstellung, Weine aus warmen Jahren seien die besten. Auch das ist nicht ganz falsch, denn bei den Rotweinen stimmt es oft und die Weißweine aus besonders reifen, gesunden und zuckerhaltigen Trauben schmecken zugänglich und sind schon bald nach der Ernte angenehm zu trinken. Das ist wichtig, denn die meisten Weine bleiben nicht länger als zwei Jahre in der Flasche.
Aber es waren zuletzt die kühleren Jahrgänge in der Pfalz – 2008, 2010, 2013, 2017, 2021 – die auf lange Sicht besonders faszinierende, vielschichtige Weißweine zu bieten hatten. Das könnte an der längeren Vegetationsperiode liegen, die den Trauben mehr Zeit für eine späte Reife geben. Diese Weine brauchen auch in der Flasche etwas länger zum besten Genuss, können aber dann zauberhafte gereifte Aromen entwickeln. Wie der 2021er.
Natürlich wird so ein Jahrgang nicht durchweg gut. Etwas Glück gehört dazu und Winzerkönnen. Dann lohnt es sich, bevor die Weine ausverkauft sind, noch rasch ein paar gute Flaschen 21er Riesling zu besorgen, um ihn in vier, fünf oder sieben Jahren zu genießen. Da kommt uns die feine trockene Spätlese „Hochmess“ der Winzergenossenschaft „Vier Jahreszeiten“ in Bad Dürkheim gerade recht. Stahlig und direkt mit grünfruchtigem Aroma, nicht zu schwer im Mund (12,5 Prozent Alkohol) und mit feiner Säure wird dieser Riesling noch einige Jahre Spaß machen – sogar über den nächsten kühlen Jahrgang hinweg. Fast wäre es schade, ihn jetzt schon zu trinken.
Der Wein
2021 Riesling Hochmess Spätlese trocken, Vier Jahreszeiten eG, Bad Dürkheim, Telefon 06322/94900, Internet: www.vj-wein.de, Preis: 7,15 Euro
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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