Rheinland-Pfalz Zwei stationäre Blitzer weniger in der Pfalz
«Ludwigshafen/Kaiserslautern.» Vor gut anderthalb Jahren blies das Land zur Kontroll-Offensive, doch nun verschwinden zwei fest installierte Blitzer von ihren Pfälzer Standorten. Der eine sollte Autobahn-Bauarbeiten schützen, die nun beendet sind. Den anderen hingegen hat ein Saboteur zerstört. Die Polizei allerdings argumentiert: Der Täter hat nicht gesiegt, sondern dafür gesorgt, dass sie moderne Überwachungstechnik bekommt.
Vor der quietschbunt besprühten Betonwand lauert seit Monaten manchmal ein Blitzer-Anhänger. Und manchmal steht da: gar nichts. Dabei wachte seit 2014 hinter der Leitplanke ein fest installiertes Messgerät über die Auffahrt, die den Verkehr am Ludwigshafener Dreieck bei Mutterstadt von der A 65 auf die B 9 leitet. Doch im vergangenen Oktober hat ein Unbekannter die Kontroll-Säule angezündet und so zerstört. Danach brütete das Mainzer Innenministerium etwa ein Dreivierteljahr lang über einer „Ersatzbeschaffung“.
Der heftigste Verstoß: Tempo 186 in der Baustelle
Inzwischen ist auch eine Entscheidung gefallen, doch das Land muss schon die nächste Blitzer-Frage klären. Diesmal geht es um einen Apparat, der noch voll funktionsfähig ist, aber umziehen muss. Seit 11. Juli 2012 sollte das Gerät – erst in Fahrtrichtung Mannheim, dann auf der Gegenspur – Autofahrer ertappen, die sich während des Ausbaus der A 6 bei Kaiserslautern nicht an die Tempo-80-Vorgabe halten. Den heftigsten Verstoß maß es laut Polizei gleich im ersten Jahr: Da registriere es einen Raser, der mit 186 Stundenkilometern durch die Baustelle bretterte. Mittlerweile allerdings sind die Arbeiten dort weitgehend abgeschlossen. Also hat der Blitzer nach vier Jahren seinen bisherigen Posten verlassen und harrt eines neuen Standorts. Wo er nun hingestellt wird, ist laut Innenministerium noch offen. Klar scheint nur, dass er nicht den Platz seines zerstörten Kollegen am Ludwigshafener Dreieck einnehmen wird. Denn dort bleibt es nach Polizeiangaben dabei, dass manchmal ein Blitzer-Anhänger hinter der Leitplanke lauert. Und dass manchmal gar nichts vor der quietschbunt besprühten Betonwand steht.
Polizei: Kein Sieg des Blitzer-Saboteurs
Als Sieg des Blitzer-Saboteurs wollen die Beamten die neue Lösung trotzdem nicht verbuchen, im Gegenteil: Ihrer Logik zufolge hat der Täter allenfalls dafür gesorgt, dass ihre Überwachungstechnik modernisiert wird. Denn ein Sprecher des Ludwigshafener Polizeipräsidiums sagt: Als Ausgleich für den zerstörten Apparat wird für die Vorder- und Südpfalz ein weiterer, dritter Blitzer-Anhänger angeschafft. Der soll nun zwar nicht immer an der Verknüpfung von A 65 und B 9 wachen. Aber er wird so oft dort stehen, dass Autofahrer weiterhin beständig mit ihm rechnen. Also erwarten die Beamten, dass der Verkehr auch in Zukunft diszipliniert durch den früheren Unfallschwerpunkt rollt, obwohl das Gerät bisweilen auch an andere Stellen geschleppt wird. Schließlich rühmen Verkehrsüberwacher die recht neuartigen Blitzer auf Rädern gerade dafür, dass sie ganz nach Bedarf an wechselnden Standorten eingesetzt werden können. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen mobilen Apparaten verrichten sie ihren Dienst am Straßenrand, ohne dass währenddessen beständig Personal in ihrer Nähe bleiben muss.
Immer wieder gehen Angreifer auf Blitzer los
Allerdings können die Anhänger so auch leicht von wütenden Verkehrsteilnehmern angegriffen werden. Die Herstellerfirma hat sie deshalb rundum gepanzert: Sogar Schüsse sollen an ihnen abprallen. Doch gänzlich unverwundbar sind sie trotzdem nicht: Im Mai 2017 scheiterte ein Angreifer zwar mit einer Feuer-Attacke auf ein Gerät, das im Kreis Bitburg-Prüm am Rande der A 60 stand. Doch anschließend muss er noch mit einer Art Brecheisen losgelegt haben. So entstanden Schäden in Höhe von etwa 7000 Euro, der Anhänger war für einige Wochen außer Gefecht. In aller Regel allerdings, beteuert das Innenministerium, richten die Angreifer allenfalls Bagatellschäden an. Und der Blitzer ist schon nach kürzester Zeit wieder auf seinem Posten. Außerdem sollen die Kontroll-Anhänger in Zukunft noch besser geschützt sein: Demnächst werde der Hersteller einen Prototyp vorstellen, der mit Kameras ausgerüstet ist und daher nach einem Sabotageversuch bessere Ermittlungsansätze liefern soll. Ganz neu ist diese Idee nicht: Eine Videoüberwachung sollte beispielsweise den Blitzer am Ludwigshafener Dreieck schützen. Trotzdem hat die Polizei bislang nicht herausgefunden, wer im vergangenen Oktober die Kontroll-Säule zerstört hat. Und dabei wird es wohl auch bleiben: Das Ermittlungsverfahren wegen des Brandanschlags auf die Kontrollsäule vor der quietschbunt besprühten Betonwand ist inzwischen eingestellt worden.