Tipps vom LKA RHEINPFALZ Plus Artikel Woran sich gefälschte Impfpässe erkennen lassen

 Impfpässe haben keine besonderen Sicherheitsmerkmale, die Imitationen erschweren. Trotzdem gibt es typische Fälschungsspuren, d
Impfpässe haben keine besonderen Sicherheitsmerkmale, die Imitationen erschweren. Trotzdem gibt es typische Fälschungsspuren, die auch bei Einlasskontrollen vor Restaurants oder Geschäften leicht auffallen können.

Das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt zählt mittlerweile hunderte Impfpass-Fälscher-Fälle. Nun erläutern die Ermittler, woran Betrüger-Dokumente zu erkennen sind. Und sie verraten, was Normalbürger gegen diese Form der Corona-Kriminalität tun können.

Wie viele Impfpass-Fälschungen haben die Behörden bislang entdeckt?
Bis Ende Oktober hatte das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA) für eine erste Grob-Übersicht rund 90 Fälle gezählt. Mittlerweile spricht die Ermittlungsbehörde davon, dass sich die Anzahl solcher Verfahren „im mittleren dreistelligen Bereich“ bewegt. Doch die Dunkelziffer dürfte noch viel höher liegen.

Wann fliegen Fälscher oder ihre Kunden auf?
Ermittler kommen Impfpass-Fälschern zum Beispiel auf die Spur, wenn die ihre Pseudo-Dokumente im Internet feilbieten. Dazu kommen Zufallsfunde: Bei einem 25-Jährigen etwa hat die Polizei jetzt 15 gefälschte Impfpässe entdeckt, als sie seine Frankenthaler Wohnung nach Drogen durchsuchte. Doch zumeist sind es Apotheker, die den Betrug auffliegen lassen: wenn ihnen angebliche Impfbelege präsentiert werden, damit sie ein digitales Zertifikat ausstellen.

Woran lassen sich gefälschte Impfpässe erkennen?
Im Gegensatz zu Banknoten haben Impfpässe keine besonderen Sicherheitsmerkmale, die Imitationen erschweren. Trotzdem gibt es typische Fälschungsspuren, die auch bei Einlasskontrollen vor Kinos, Restaurants oder Geschäften leicht auffallen können. Wenn im Büchlein zum Beispiel ausschließlich Corona-Impfungen aufgeführt sind, ist laut LKA Misstrauen angebracht. Verbogene Heftklammern und ausgefranste Löcher wiederum können ein Anzeichen dafür sein, dass jemand seinen Original-Impfpass mit gefälschten Einzelseiten ausstaffiert hat. Und wenn fürs Datum der angeblichen Impfung ein anderer Stift verwendet wurde als für die Arzt-Unterschrift, spricht das ebenfalls für Manipulation.

Andere Fälschungsmerkmale lassen sich nur mit etwas mehr Hintergrundwissen und Nachdenken erkennen: Wenn etwa jemand schon im Februar von einem Hausarzt geimpft worden sein soll, dann dürfte da etwas nicht stimmen. Denn in gewöhnlichen Praxen wird erst seit April gegen Corona immunisiert. Außerdem passt bei Täuscher-Pässen der Rhythmus der angeblichen Impftermine oft nicht zu den Zeitabständen, die für das jeweilige Vakzin vorgegeben sind.

Ist das Fälschen von Impfpässen wirklich verboten?
Zunächst war umstritten, ob Betrügereien mit gefälschten Impfpässen überhaupt strafbar sind. Richter in Osnabrück etwa meinten: Sondervorschriften für medizinische Dokumente führen dazu, dass der allgemeine Urkundenfälscher-Paragraph ausgerechnet für Impfpass-Täuscher nicht anwendbar sei. Der für die Pfalz zuständige Zweibrücker Generalstaatsanwalt Martin Graßhoff und sein Koblenzer Kollege Jürgen Brauer hingegen sagten Anfang November der RHEINPFALZ: Sie seien sich einig, dass sie „die Herstellung und die Vorlage gefälschter Impfzertifikate in Apotheken zur Erlangung eines digitalen Impfzertifikats als strafbar ansehen“. Und mittlerweile sind die Gesetze angepasst: Das Herstellen falscher Impfpässe ist jetzt ebenso eindeutig verboten wie ihre Verwendung, es drohen Geld- und Gefängnisstrafen.

Wie soll man sich verhalten, wenn einem ein falscher Impfpass gezeigt wird?
Wer als Normalbürger einen Kriminellen auf frischer Tat ertappt, darf ihn sogar festnehmen. Allerdings kann man dabei leicht zu weit gehen und sich so selbst strafbar machen. Das LKA verweist zudem auf die „zuletzt häufiger festzustellende Aggressivität von Impfgegnern“ und rät daher: Wer so jemanden enttarnt hat, soll sich mit einem Anruf bei der Polizei begnügen und alles andere den Beamten überlassen. Deren Sache ist es dann auch, den Täuscher-Pass aus dem Verkehr zu ziehen. Hilfreich ist es für sie, wenn ihn der misstrauisch gewordene Hinweisgeber noch schnell kopiert hat. Allerdings, berichtet das LKA, bleiben gefälschte Dokumente ohnehin oft in der Apotheke zurück: weil ihre Benutzer türmen, sobald ihr Betrug auffliegt.

Was können Normalbürger noch gegen Impfpass-Fälscherei tun?
Sie können darauf achten, dass sie den Fälschern keine wertvollen Daten schenken. Zupass kommt den Kriminellen, wenn immunisierte Menschen stolz Detailaufnahmen ihrer Impfpässe ins Internet stellen. Denn auf solchen Bildern lassen sich Chargennummern des verwendeten Vakzins erspähen. Wenn die dann für ein Täuscher-Dokument verwendet werden, ist es selbst für Fachleute mit Zugang zu den offiziellen Datenbeständen schwerer als Fälschung zu erkennnen als eines mit frei erfundenen Kennzahlen.

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