Rheinland-Pfalz
Alte Eichen und Buchen im Pfälzerwald besonders gefährdet
So schlecht wie im vergangenen Jahr war es um die Eichen in den rheinland-pfälzischen Wäldern noch nie bestellt. Zumindest nicht seit das Land 1984 begonnen hat, den Zustand des Waldes systematisch zu untersuchen. Nur 3,2 Prozent der untersuchten Bäume waren zuletzt kerngesund, hatten also keinerlei Schadmerkmale. Im Jahr 2023 traf das noch auf 7,7 Prozent der Eichen zu. Das geht aus dem Waldzustandsbericht hervor, den Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) am Montag in Mainz vorgelegt hat. Darin werden Aussagen zum gesamten Bestand und zu den häufigsten Baumarten Buche, Eiche, Fichte und Kiefer getroffen.
Negativrekord in all den Jahren
Über alle Baumarten hinweg zeigten 53 Prozent der Stichproben deutliche Schäden. Der Anteil deutlich geschädigter Eichen lag vergangenes Jahr bei 75,4 Prozent. Auch das ist ein Negativrekord in all den Jahrzehnten. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 55,2 Prozent. Der Anteil stark geschädigter Bäume unterliegt ebenso wie der der gesunden Bäume starken Schwankungen, dennoch ist der Trend zu mehr und deutlichen Schäden über die Jahre klar erkennbar. Das trifft auch auf andere Baumarten zu. Der Eiche haben der Mehltau und der Eichenprachtkäfer am stärksten zugesetzt, sagte Ministerin Eder.
Laut Friedrich Engels, der in der landeseigenen Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt (Kreis Kaiserslautern) für Waldmonitoring und Umweltvorsorge zuständig ist, lassen sich aus den Stichproben keine detaillierten Ergebnisse für einzelne Regionen ablesen. Insgesamt wurden in 151 Wäldern in Rheinland-Pfalz 3624 Bäume untersucht. Dennoch lasse sich für den Pfälzerwald die Aussage treffen, dass Eichen und Buchen dort tendenziell stärker geschädigt seien, weil es in der Pfalz große Altbestände an diesen Baumarten gibt und weil alte Bäume grundsätzlich weniger resilient gegen Klimaschäden und ihre Folgen seien als junge. Die Kiefer dagegen halte sich im Pfälzerwald verhältnismäßig gut, sagte Engels.
Borkenkäfer setzt Fichten zu
Über die Jahre haben sich die Anteile einzelner Baumarten an den Stichproben für die Erhebung verändert. Beispielsweise ist der Anteil an Fichten deutlich zurückgegangen. Bereits vor Jahrzehnten hat sich in Rheinland-Pfalz der Fichtenbestand durch Sturmschäden verringert, außerdem setzt der Borkenkäfer diesen Nadelbäumen nach wie vor kräftig zu. Durch den Umbau des Waldes zu mehr Klimastabilität sind mehr Mischwälder entstanden. Den Mischwaldanteil bezifferte Eder auf 86 Prozent. Bei der Waldverjüngung setzt das Land auf das natürliche Nachwachsen. Nur vier Prozent der vorhandenen jungen Bäume seien gepflanzt worden, 96 Prozent seien von selbst gewachsen.
Die Naturverjüngung bringt nach den Worten von Jens Jacob, Leiter der Forstabteilung im Umweltministerium, die größere genetische Vielfalt im Vergleich zur Pflanzung. Landesforsten arbeite weiter auf gemischte Wälder hin, am Ende würden sich die fittesten durchsetzen. „Es gibt die Hoffnung, dass Kandidaten dabei sind, die dem Klimawandel besser trotzen als die heute 160 Jahre alten Bäume.“ Die Jungbaumbestände seien weniger geschädigt als die alten. Es sei aber damit zu rechnen, dass die künftigen Bäume nicht mehr so hoch würden wie bisher. Dass bereits nach 25 Metern statt nach 30 das Ende des Wachstums erreicht sei.
Wald bindet Kohlendioxid
Der Wald spielt auf dem Weg zur Klimaneutralität von Rheinland-Pfalz eine besondere Rolle als CO2-Senke. Indem er mehr Kohlenstoffdioxid bindet, als er erzeugt, wird Ausstoß an anderer Stelle ausgeglichen. Laut Ministerium hat der Wald in der vergangenen Dekade pro Jahr 1,7 Millionen Tonnen CO2 aufgenommen. Doch die Bäume nehmen nach Angaben von Eva Verena Müller von der Forschungsanstalt in Trippstadt in Zukunft weniger CO2 auf als derzeit. Ein Grund sei der Trockenstress. Zu wenig Wasser bewirke bei den Blättern eine Verminderung der Photosynthese, sagte Müller.
Die Forscherin hat noch eine schlechte Nachricht: Die Grundwasserneubildung geht als eine Folge des Klimawandels zurück. Veränderte Niederschlagsmuster mit häufigeren Trockenperioden und Starkregenereignissen sowie höhere Temperaturen im Jahresmittel wirken sich negativ auf die Grundwasserbildung aus. Verlängerte Vegetationszeiten führen außerdem zu einem höheren Wasserverbrauch. Das betreffe auch den Pfälzerwald, der wegen seiner geologischen Gegebenheiten sogar noch gute Voraussetzungen habe.
Der Waldzustandsbericht des Landes ist hier abrufbar