Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Vorderpfalz: Wie künftiger Wassermangel vermieden werden soll

Probenentnahme im Werk Frankenthal: Die Trinkwasserqualität wird in Deutschland streng überwacht.
Probenentnahme im Werk Frankenthal: Die Trinkwasserqualität wird in Deutschland streng überwacht.

Kein Wasser, kein Leben – auch nicht in der Pfalz. Kommunen und Versorger in der Region wollen deshalb dafür sorgen, dass es langfristig genug kostbares Nass für alle gibt.

Die ausgiebige Dusche am Morgen, das Befüllen des Planschbeckens für den Nachwuchs, das Gießen des frisch gesäten Rasens – Trinkwasser ist jederzeit und in nahezu beliebiger Menge verfügbar, in der Regel auch nicht unverschämt teuer. Diese sorglose Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen hierzulande H20 verbrauchen, könnte in nicht mehr allzu ferner Zukunft vorbei sein oder zumindest gewisse Einschränkungen erfahren. Der Grund ist aktuell sozusagen live zu besichtigen: längere Phasen mit wenig oder kaum Niederschlag und in der Folge geringere Bildung von neuem Grundwasser – dem natürlichen Nachschub beim Nass.

Diese Erkenntnis hat in der Vorderpfalz einiges in Bewegung gebracht und mündet absehbar in einer engen und umfangreichen Zusammenarbeit von Kommunen und Versorgungsunternehmen in der Region. Am Montag haben Vertreter aller daran beteiligten Akteure in den Räumen der Verbandsgemeindeverwaltung Leiningerland in Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim) eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das darin festgehaltene Ziel: die Versorgung der Bevölkerung mit dem kostbaren Gut Trinkwasser langfristig zu sichern.

Leitungsnetz geplant

Bei abstrakten Bekenntnissen und warmen Worten soll es allerdings nicht bleiben: Mit finanzieller Unterstützung des Landes wollen die Verbandsgemeindewerke Leiningerland, die Zweckverbände Pfälzische Mittelrheingruppe (Schifferstadt) und Friedelsheimer Gruppe (Fußgönheim) sowie die Stadtwerke Frankenthal und die Technischen Werke Ludwigshafen fast 15 Millionen Euro in neue Verbundleitungen investieren. Diese sollen dann die Versorgungsgebiete der genannten Unternehmen vernetzen und beispielsweise bei Versorgungsengpässen das Zuliefern von Wasser ermöglichen. Zwischen Ludwigshafen und Frankenthal etwa gibt es eine solche Leitung, die in beide Richtungen funktioniert, schon seit Jahrzehnten.

Warum aber spielen Grünstadt und die Verbandsgemeinde Leiningerland eine prominente Rolle bei diesem Thema? Weil sich an deren Fall nach Darstellung von Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) das Dilemma veranschaulichen lässt, in das örtliche Wasserwerke ohne Hilfe von außen zunehmend geraten könnten. Die Ausgangslage: Orte der Verbandsgemeinde beziehen Wasser aus Brunnen der Stadtwerke Grünstadt – rund 700.000 Kubikmeter pro Jahr. Auf Dauer sei das zu viel, weil nur jene Menge Grundwasser gefördert werden darf, die sich im selben Zeitraum wieder neu bildet.

Dieses Wissen und die Feststellung, dass der Kern des Problems zwar seit den 1990er-Jahren bekannt, aber lange ignoriert worden sei, hat Rüttger zufolge 2021 erst zu Gesprächen der Verbandsgemeinde mit Grünstadt und Freinsheim und dann zu einer Machbarkeitsstudie geführt. „Es ist eine gewisse Dynamik entstanden“, sagt der CDU-Politiker. Der Umfang des untersuchten Gebiets ist seitdem gewachsen und wird wohl mit Neustadt, Speyer, Bad Dürkheim und Haßloch bald die komplette Vorderpfalz umfassen.

Uferfiltrat und Bohrungen

Erfasst werden detaillierte Daten zu Gewinnung und Verbrauch von Trinkwasser in der Region. Der Status quo: Rund 422.400 Menschen verbrauchen jährlich etwa 28,3 Millionen Kubikmeter Wasser – pro Tag und Kopf rund 184 Liter. Auf diesem Stand sind die vorhandenen Ressourcen nach den aktuellen Erkenntnissen der Studie ausreichend. Die entscheidende Frage: Wie entwickelt sich dieser Verbrauch? Steigt er, wenn die Sommer länger und heißer werden oder auch im Frühjahr wenig Regen fällt? Wie sieht der Bedarf in Landwirtschaft und Weinbau aus? Deswegen geht es neben dem erwähnten Verbundnetz auch darum, neue Quellen zu erschließen: beispielsweise mit Probebohrungen, wie sie verschiedenenorts schon stattfinden, oder mit der Nutzung von Uferfiltrat des Rheins. Geprüft werden soll zudem der Neubau eines „Verbundwasserwerks“.

Für die acht Projekte umfassende Liste für den Ausbau der Verbindungsleitungen sind die Projektbeteiligten zuversichtlich, das Land als Geldgeber anzapfen zu können. Das Mainzer Umweltministerium habe eine Förderung von bis zu 50 Prozent der Vorhaben in Aussicht gestellt, die jeweils zwischen anderthalb und gut 4,5 Millionen Euro kosten. Starke Unterstützung gebe es auch vonseiten der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in ihrer Funktion als Obere Wasserbehörde.

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