Mainz RHEINPFALZ Plus Artikel Somalische Hass-Influencerin aus Mainz: „Jeder von uns soll sie umbringen“

Soldaten der Armee Somalilands haben bei heftigen Protesten mehrfach auf Demonstranten geschossen – teils aus nächster Nähe. Bei
Soldaten der Armee Somalilands haben bei heftigen Protesten mehrfach auf Demonstranten geschossen – teils aus nächster Nähe. Bei den Protesten starben mindestens 19 Menschen.

Eine somalische Influencerin aus Mainz beteiligt sich in ihrer Heimat an Protesten, bei denen 19 Menschen sterben. In einem neuen Video ruft sie dabei wieder zum Mord auf.

Am 7. Dezember herrscht in den Krankenhäusern von Borama Chaos. Die Stadt im Westen Somalilands, einer von Somalia de facto unabhängigen Republik mit eigenem Militär und eigener Verwaltung, hatte in den Tagen zuvor heftige Proteste erlebt. Seit Monaten köcheln dort regionale Clan-Konflikte um Macht und Einfluss. Anfang Dezember entlädt sich die aufgeheizte Stimmung auf den Straßen der Stadt. Das Militär Somalilands schlägt den Aufstand daraufhin brutal nieder. Die Streitkräfte töten laut Medienberichten, die sich auf Behörden vor Ort stützen, mindestens 19 Menschen – teils durch Gewehrschüsse aus nächster Nähe. Hunderte weitere Menschen werden verletzt. Videos auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken dokumentieren, wie Demonstranten Verletzte in die Notaufnahmen der Stadt schleppen und wie Menschen auf den Gängen behandelt werden.

Immer wieder zeigt sich Naima A. mit prominenten Figuren aus der Politik Somalilands. Zu sehen ist sie hier neben dem Außenminis
Immer wieder zeigt sich Naima A. mit prominenten Figuren aus der Politik Somalilands. Zu sehen ist sie hier neben dem Außenminister Somalilands, Abdirahman Dahir Adam Bakal.

In einer dieser Notaufnahmen befindet sich zu diesem Zeitpunkt auch die Influencerin Naima A. – besser bekannt als „Xidigta Jarmalka“. Die Somalierin lebt seit Jahren mit einem Flüchtlingsstatus in Mainz und bestreitet ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft, wie sie zuletzt noch einmal auf Tiktok betonte. In Deutschland hat sie sich mit ihrem Künstlernamen (Deutsch: „Stern von Deutschland“) eine beachtliche Gemeinde an Fans aufgebaut. Über 240.000 Menschen folgen ihr alleine auf der Videoplattform Tiktok. Aufsehen erregt die Frau dabei immer wieder mit provokanten, hasserfüllten und sogar strafbewehrten Aussagen. 2023 etwa forderte A. ihre Zuschauer auf, sich in einen bewaffneten Konflikt in Somaliland einzumischen, Menschen zu töten und Bilder von deren Leichen zu machen.

Tief in Clan-Konflikte verwickelt

In Somaliland gilt „Xidigta Jarmalka“ als Star mit wachsendem politischen Einfluss, den sie auch zunehmend nutzt. Recherchen der RHEINPFALZ belegen, dass die Frau sich in den vergangenen Monaten lautstark in Machtkämpfe zweier Clans – einem davon gehört sie selbst an – in ihrer Heimat einmischt. Bereits vor den tödlichen Protesten in Borama wurde Naima A. deshalb mindestens einmal vom Militär festgenommen und später wieder freigelassen.

Am 7. Dezember zückt Naima A. auf dem Gang eines Krankenhauses ihr Handy und startet auf Tiktok einen Livestream. Auszüge der Übertragung liegen der RHEINPFALZ als Video vor und werden von der Redaktion als authentisch bewertet. Zu sehen ist die Influencerin mit Tränen in den Augen. Möglicherweise trauert sie um einen verstorbenen Freund oder Angehörigen. Während die Frau filmt, flüstert ihr eine andere Frau zu, dass sie sich verschleiern und ihr Gesicht verstecken solle. Das Militär würde nach ihr suchen. Kurz darauf streift sich A. einen Gesichtsschleier, den sogenannten Niqab, über.

„Jeder von uns soll sie umbringen“

In einer anderen Livestream-Sequenz ist bei „Xidigta Jarmalka“ die Trauer der Wut gewichen. Mit sich überschlagender Stimme spricht sie zu ihren Zuschauern und fordert ihre Unterstützer auf, sich der Sache ihres Clans anzuschließen und gegen den verfeindeten Clan zu kämpfen. Ihre Zuschauerinnen aus Deutschland sollen ihren Goldschmuck verkaufen, um die Kämpfer ihres Clans finanziell zu unterstützen. Männer fordert sie auf, ihr Leben für den Clan zu opfern. Sie ruft in die Kamera: „Wir müssen Sie aus dieser Region säubern. Jeder von uns, der diese Leute findet, soll sie umbringen. Jeder, der in Eurer Umgebung lebt, muss sterben. Ihr werdet dadurch zu Märtyrern. Von unserem Stamm sind noch etliche da und übriggeblieben. Die verstorbenen Angehörigen von uns werden als Märtyrer von Allah gesegnet.“

Nächster Aufruf zum Mord? Am 7.12.2025 sendet "Xidigta Jarmalka" einen Livestream aus einem Krankenhaus in Borama. Dabei ruft si
Nächster Aufruf zum Mord? Am 7.12.2025 sendet »Xidigta Jarmalka« einen Livestream aus einem Krankenhaus in Borama. Dabei ruft sie ihre Zuschauer dabei auf, sich an dem Konflikt ihres Clans zu beteiligen.

Für deutsche Ermittlungsbehörden dürften diese Aufnahmen interessant sein. Die Kriminaldirektion des Polizeipräsidiums Mainz hat die Ermittlungen in dem Fall vom Landeskriminalamt übernommen, wie sie auf Anfrage mitteilt. Involviert sei das Kommissariat 21 für politisch motivierte Kriminalität. Näher wolle man sich zum Fall nicht äußern. Die für politisch motivierte Kriminalität zuständige Abteilung in der Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz möchte Ermittlungen aus grundsätzlicher Erwägung heraus weder bestätigen noch dementieren, schreibt ein Sprecher. Und auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beobachtet mittlerweile genau die Aktivitäten der Frau. Schon seit einiger Zeit prüft die Behörde, ob sie den Flüchtlingsstatus der Influencerin widerruft.

Das alles scheint Naima A. bisher wenig zu beeindrucken. Im Januar kehrte die Frau wieder nach Deutschland zurück und hält sich seitdem wieder in Mainz auf. Aus ihrem Wohnzimmer überträgt sie regelmäßig ihre Livestreams auf Tiktok. Die RHEINPFALZ hat deshalb erneut versucht, Kontakt zu A. aufzunehmen und sie mit den neuerlichen Erkenntnissen zu konfrontieren. Einen Anruf über ihre deutsche Mobilfunknummer nimmt sie entgegen. Die einzige Antwort, die der verantwortliche Redakteur am Telefon jedoch erhält, ist ein „Ich verstehe Sie nicht.“ Dann legt A. auf.

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