Rheinland-Pfalz
Pfalzcard bereits an mehr als 56.000 Gäste verteilt
Neustadt. Tausende von Urlaubern in der Pfalz wurden bereits mit dem neuen „Willkommensgeschenk“ überrascht und erfreut: In den ersten acht Monaten seit Einführung der Pfalzcard zum 1. April dieses Jahres haben mehr als 56.000 Gäste – die insgesamt über 127.500 Übernachtungen buchten – diese „All-Inclusive-Karte“ erhalten. Und 35.585 Mal wurde es in dieser Zeit zur kostenlosen Nutzung von Freizeitangeboten in der Region eingesetzt. Diese Zahlen legte die Pfalz-Touristik in Neustadt auf Anfrage vor.
Zuwachs bei den Gastgebern gewünscht
Mit der Startbilanz zeigten sich Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld als Vorsitzender der Pfalz-Touristik, deren Geschäftsführer Detlev Janik und Andreas Kühlwein, Geschäftsführer der Pfalzcard-Gesellschaft, im Gespräch mit der RHEINPFALZ „sehr zufrieden“. Allerdings würden sie sich noch weiteren Zuwachs bei den Beteiligten am Projekt wünschen, vor allem aufseiten der Gastgeber. Mit der Pfalzcard soll Urlaub in der Region noch attraktiver gemacht und dadurch zugleich zu längerem Aufenthalt animiert werden. Die umlagebasierte neue Gästekarte ist nicht käuflich zu erwerben – sondern rein als Präsent für Touristen gedacht, das es nur in bei dem System mitwirkenden Beherbergungsbetrieben und bei Buchung mindestens einer Übernachtung gibt. Zur Auswahl stehen dafür derzeit 107 Unterkünfte mit insgesamt rund 3300 Betten.
Gratisfahrschein für Busse und Bahnen
Mit der Pfalzcard ist der Zutritt zu zahlreichen Freizeiteinrichtungen und Sehenswürdigkeiten ebenso kostenlos wie unter anderem beispielsweise die Teilnahme an bestimmten Führungen oder Weinproben. Außerdem gilt die Karte als Gratisfahrschein für Busse und Bahnen im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN). Inzwischen sind 103 Freizeiterlebnisse gegen Vorlage der Card kostenlos – und dies übrigens auch noch am ganzen Abreisetag. „Die Karte wurde gleich vom Start weg gut genutzt“, berichtete Kühlwein beim Rückblick auf die ersten zwei Drittel der noch bis 31. März dauernden „Premiere-Saison“. Anfängliche Probleme mit der Technik, so merkte er an, seien relativ schnell behoben worden. Spitzenreiter beim Pfalzcard-Einsatz war in den ersten acht Monaten die Südpfalz-Therme in Bad Bergzabern mit 4639 sogenannten Akzeptanzen – vor dem „Sealife“ in Speyer (4428) und dem Hambacher Schloss (3735). In der Südwestpfalz zählt das Dynamikum in Pirmasens zu den bisherigen „Top 10“ der beliebtesten Ausflugsziele.
ÖPNV-Nutzung besonders gern beim Wandern genutzt
Nicht einbezogen sind in die von April bis Ende November registrierten 35.585 Gästekarten-Nutzungen Fahrten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). „Leider haben wir keine Erkenntnisse über dessen Nutzung“, bedauerte Ihlenfeld. Denn wie oft jemand die Pfalzcard dazu verwendet, ist nicht feststellbar. Man höre aber von Gastgeberseite, dass sie auch gerne dafür eingesetzt wird, betonte Janik. Vermehrt vernommen hat Kühlwein dies ebenso insbesondere von Gästen, die in der Pfalz gerne wandern gehen – und zur Rückkehr ins Urlaubsdomizil oder aber um zu einem anderen Ausgangpunkt für eine Tour zu gelangen, gern in Zug oder Bus steigen. Wäre der „Faktor ÖPNV“ einbeziehbar, würde die mit den vorliegenden Zahlen zu Card-Einsätzen errechnete Nutzungsquote wahrscheinlich höher ausfallen. So lag sie von April bis Ende November im Schnitt zwischen 0,6 und 0,7 Prozent, wie Kühlwein sagte. Wobei er zu diesem statistischen Wert erklärte: „Ein Prozent hieße, dass jeder Gast die Karte mindestens einmal genutzt hat.“
Karte kam für Urlauber überraschend
Einer der weiteren möglichen Gründe dafür, dass die Nutzungsquote – die bisher mit 0,78 Prozent am stärksten im Oktober war – noch nicht höher ausfiel, könnte sein, dass die Pfalzcard als Neuheit für viele Gäste eine echte Überraschung war. Weshalb die sich dadurch bietenden Vorteile bei einer Programm-Planung vor Reiseantritt noch kein Kriterium sein konnten. Für die Touristen, die schon von der Pfalzcard wissen, kann diese andererseits durchaus nun ein wichtiger Aspekt bei der Wahl ihrer Unterkunft sein. Kühlwein – der als Mitarbeiter der Pfalz-Touristik auch für das dort verwendete Online-Reservierungssystem zuständig ist – verwies dazu auf entsprechende Anfragen. Schon mehrfach sei er von Gästen gebeten worden, die Unterkunft für sie unbedingt in einem Betrieb mit Pfalzcard-Angebot zu buchen.
Bisher nur ein kleiner Teil der Gastgeber an Bord
Dass indes die Auswahl dazu noch nicht riesig ist, dürfte hauptsächlich an dem Obolus liegen, den Unterkunftsanbieter für ihre Teilnahme an dem System pro Gast und Übernachtung berappen müssen. Mit 107 Gastgeberbetrieben – wovon zehn erst nach dem Start der ersten „Pfalzcard-Saison“ hinzukamen – ist bisher „nur ein kleiner Anteil“ der rund 3000 Beherbergungsbetriebe, die es in der Pfalz gibt, mit von der Partie, wie Ihlenfeld bedauernd feststellt. Es bestehe großes Interesse daran, die Anzahl der Beteiligten zu erhöhen. Dadurch würde sich „das Ganze auch finanziell stabilisieren und außerdem dazu beigetragen, die Karte bekannter zu machen“, so der Pfalz-Touristik-Vorsitzende. Die neue Gästekarte bringt seiner Ansicht nach „auch die ,Marke Pfalz’ mehr in den Vordergrund“. Dies sei auch für alle touristischen Teilregionen der Pfalz sehr wichtig, zwischen denen es schließlich „viele Verflechtungen“ gebe. Davon zeugten im Übrigen auch bisherige Nutzungen der Pfalzcard: Auf dazu erstellen Grafiken ist zu sehen, wie weit Gäste teilweise fahren, um mit der Pfalzcard eine Freizeiteinrichtung oder Sehenswürdigkeit zu besuchen. „Für die Leistungspartner ergibt sich der Vorteil, überall in der Pfalz beworben zu werden“, merkt Janik dazu an mit Verweis auf die Broschüre, in der die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Pfalzcard beschrieben werden. Welchen Anklang das neue „Vorteilsticket“ bei Touristen findet, zeigt für Ihlenfeld, dass man damit „ein hochattraktives Angebot“ unterbreite. Er hoffe, dass der gelungene Start damit „Ansporn“ ist für Gastgeber, die noch nicht mit dabei sind, sich ebenfalls zu beteiligen.