Kommentar Pfälzer Rebenzüchtung: Nicht-Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist verantwortungslos
Bei dieser Jubiläumsfeier hätte es mehr als Reden, Schulterklopfen, Fotos und Sekt gebraucht – nämlich Mut und Verantwortung. Am 1926 ins Leben gerufenen Rebenzüchtungsinstitut Geilweilerhof in der Südpfalz aber hat man zur 100-Jahr-Feier Scheuklappen aufgesetzt und den Blick stur auf die Forschung gerichtet. Dabei hätte das Ereignis Anlass sein müssen, zu hinterfragen, welch Geistes Kind die ersten Institutsleiter waren.
Die Mitgliedschaft von Bernhard Husfeld etwa in der NSDAP lässt sich leicht recherchieren. Husfeld, der von 1947 an 23 Jahre lang die Einrichtung in der Pfalz verantwortete, kam nach Einschätzung eines Historikers aus einem Institut nahe Berlin, das in der Nazizeit kriegswichtige Forschung unterhalten und sich damit aktiv am System und an Verbrechen beteiligt hat. Ob und inwieweit Husfeld als Täter einzustufen ist, ist noch unklar. Das Zählen von ehemaligen Nazis in Behörden nach dem Zweiten Weltkrieg, von denen es viele gab, ist nicht allein maßgeblich. Eine braune Vergangenheit unerwähnt zu lassen, ist verantwortungslos.
Dabei hätten erst einmal wenige Zeilen in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen genügt, bevor eine Historikerkommission ihre Arbeit aufnehmen soll. Dass dies nun geschieht, ist gut, aber längst überfällig. Trotz des eingestandenen Fehlers verhalten sich das Institut sowie das zuständige Bundesministerium intransparent. Fragen dazu, ob die Festschrift bewusst weiße Flecken hat, beantwortet man nicht. Das widerspricht dem bekundeten Aufarbeitungswillen.
