Neustadt / SÜW
Erneute Absage des Weinstraßen-Erlebnistags: Es liegt an der Sicherheit
Der Verein Pfalzwein, der für die Pfälzer Weinwerbung zuständig ist und den Erlebnistag bisher immer angestoßen hat, hat am Mittwoch mitgeteilt, dass das bisher alljährlich Ende August angesetzte Großereignis auch dieses Jahr entfällt. Als Hauptgrund nennt der Verein das neue Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) des Landes, das seit Oktober 2020 gilt.
Das Gesetz verlangt, dass bei Großveranstaltungen ein umfangreiches Sicherheitskonzept erstellt wird. Dafür setzt das Gesetz voraus, dass es einen Veranstalter gibt, der dafür verantwortlich ist. Und damit fangen die Probleme an, denn der Weinstraßentag hatte bisher keinen Veranstalter.
Der Pfalzwein-Verein sieht sich lediglich in der Rolle des „Impuls- und Mottogebers“. Entlang der Weinstraße präsentierten jährlich an einem Sonntag Ende August Vereine, Höfe, Gastronomen und Gemeinden ihre Angebote; die Weinstraße wurde für den Autoverkehr über den größten Teil ihrer 85 Kilometer Länge gesperrt. So lockte man in Spitzenzeiten bis zu 300.000 Menschen an einem Tag ins pfälzische Weinbaugebiet.
Bislang gab es keinen übergreifenden Plan für die Sicherheit, weil niemand einen verlangte. Polizei, Feuerwehr und die Veranstalter selbst sprachen sich untereinander ab. Mit dem neuen POG hat sich das geändert, erläutert Pfalzwein-Geschäftsführer Dirk Gerling.
Als Großveranstaltung gilt laut diesem Gesetz nämlich alles, was voraussichtlich mehr als 15.000 Menschen zusammenführt. Die Polizei sei deshalb schon vor einiger Zeit an den Pfalzwein-Verein herangetreten und habe darauf aufmerksam gemacht, dass ein Sicherheitskonzept für den Erlebnistag erstellt werden müsse.
Laut rheinland-pfälzischem Innenministerium hat eine Besprechung zur Zukunft des Erlebnistages, an der das Polizeipräsidium Rheinpfalz beteiligt war, im Oktober 2021 stattgefunden. Das Ministerium begründet die verschärften Regeln damit, dass die Sicherheit bei Großveranstaltungen verbessert werden solle. Als Negativbeispiele nennt es die beiden Ausgaben des Festivals Rock am Ring von 2015 und 2016, die wegen schwerer Unwetter unter- beziehungsweise abgebrochen werden mussten.
Die Pfalzweinwerbung verweist auch auf die Verantwortung und die hohen Kosten, die mit den neuen gesetzlichen Ansprüchen einhergehen würden, und die sie als öffentlich geförderter Verein rein rechtlich nicht verausgaben dürfe. „Wir sind in Gesprächen für das Jahr 2023, wie wir zusammen das Sicherheitskonzept auf den Weg bringen können, damit wir wieder gemeinsam entlang der Deutschen Weinstraße feiern können“, so Pfalzwein-Vorsitzender Boris Kranz. Corona habe die Abstimmungen zwischen den Beteiligten erschwert, sei aber nicht Grund der Absage, teilt der Verein mit.
Wer der künftige hauptverantwortliche Veranstalter sein könnte, ist laut Gerling noch völlig unklar. Abstimmungsgespräche zwischen den politischen Organen, den touristischen Vereinigungen und der Pfälzer Weinwerbung habe es bereits gegeben, teilt Pfalzwein mit. Der Prozess laufe „schon eine ganze Weile“, sagt Gerling. Eine Arbeitsgruppe sei derzeit dabei, alle Fragen, die sich nun aufgetan hätten, abzuarbeiten. Am Ende solle ein Konzept für den Weinstraßentag stehen, auf dessen Grundlage man einen Plan für die Sicherheit erarbeiten wolle.
Die Reaktionen der lokalen Akteure reichten von Verständnis bis Überraschung. So sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Hermann Bohrer, dass er über die Absage nicht informiert gewesen sei; er zeigte sich überrascht von der Argumentation. „Wenn es da ein Problem gibt, hätte man auf uns zukommen können“, betont er. Sein Kollege Torsten Blank, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landau-Land, berichtet von zunehmenden Schwierigkeiten der örtlichen Feuerwehren, die Strecken abzusichern.
Deidesheims Stadtbürgermeister Manfred Dörr wie auch Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel signalisierten bei einem gemeinsamen Termin in Neustadt, im Einklang mit Pfalzwein überlegen zu wollen, wie es denn nun weitergehen soll: „Wir wissen schon länger um das Problem. Vielleicht können wir gemeinsam etwas bewegen“, sagte Dörr. So könne vielleicht aus der Notlage eine Tugend werden, meint Weigel, der voll hinter der Entscheidung des Vereins stehe.
Der erste Weinstraßen-Erlebnistag fand im Jahr 1985 statt. Damals wurde das 50-jährige Bestehen der 1935 eröffneten Deutschen Weinstraße gefeiert. Wiederholt wurde das Ereignis erst zwei Jahre später, danach gab es jedes Jahr einen Erlebnistag – bis einschließlich 2019. Die Ausgaben 2020 und 2021 hingegen entfielen wegen der Corona-Pandemie. Langfristig sieht Pfalzwein-Geschäftsführer Gerling die Veranstaltung nicht gefährdet: Dass 2023 wieder ein Erlebnistag Deutsche Weinstraße stattfinden werde, sei „das von allen gewünschte Ergebnis“.

