Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Alarm: Kaiserslauterer Schüler wird bundesweit wahrgenommen

Moderatorin Pinar Atalay interviewt Schüler Moritz Behncke zur Corona-Situation an Schulen.
Moderatorin Pinar Atalay interviewt Schüler Moritz Behncke zur Corona-Situation an Schulen.

Manchmal geht es ganz schnell. Rasend schnell sogar. Jüngstes Beispiel ist der offene Brief, den der Vorstand der Stadt-/Kreisschüler-Vertretung Kaiserslautern veröffentlicht hat. Darin fordern die Schüler die Landesregierung in Mainz auf, den Unterricht auf ein Hybrid-System umzustellen, also auf einen Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht.

Als erstes hat die RHEINPFALZ-Lokalausgabe Kaiserslautern über das Anliegen der Schüler berichtet, dann der überregionale Teil, danach folgten Fernseh- und Radiosender. Denn das Thema, das die Schüler mit starken Worten beschreiben („Wir haben Angst“) ist kein regionales, sondern eines für die Bundesebene. Zwar wird seit Wochen und Monaten darüber berichtet, wie sich die Corona-Pandemie an Schulen auswirkt, eine Sichtweise fand sich bisher aber kaum: die der Schüler.

Das ist nun anders. Ein 18-jähriger Schüler des Kaiserslauterer Albert-Schweitzer-Gymnasiums gibt der Schülerschaft seit dieser Woche eine Stimme: Moritz Behncke ist einer der Verfasser des offenen Briefes und der Sprecher der Kreis-/Stadtschüler-Vertretung Kaiserslautern, die über 30 Schulen repräsentiert.

Fünf Minuten in den Tagesthemen

Seit Mittwochabend, als er in der Tagesthemen-Sendung die Fragen von Moderatorin Pinar Atalay beantwortete, ist der Schüler aus der 13. Jahrgangsstufe bundesweit bekannt. Dass er dadurch zum Sprecher seiner Generation während der Corona-Pandemie werden würde, hatte der Schüler nicht geplant. „So würde ich mich nicht präsentieren, ich freue mich aber, wenn sich viele mit dem identifizieren können, was ich gesagt habe“, erklärt er.

Die Sorgen der „Corona-Generation“

Die Reaktionen auf das Interview waren zahlreich und kamen direkt über die Sozialen Medien. Doch nicht nur Schüler meldeten sich bei ihm, auch Lehrer aus dem ganzen Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz haben den Kontakt zu ihm aufgenommen, wie er berichtet. Auch ein Unternehmer habe sich gemeldet, um zu versichern, dass nach wie vor Azubis gesucht seien. Dies war die Reaktion auf einen Aspekt des Tagesthemen-Interviews, denn immer häufiger macht das Wort der „Corona-Generation“ die Runde. „Wir sind der Jahrgang, der während der Pandemie Abi macht“, sagt Behncke. Es gebe die Sorge, dass dieses Abitur später nicht so viel zähle, weil ihm immer der Beigeschmack anhafte, dass die Schüler dafür weniger gelernt hätten, als die Jahrgänge davor, umschreibt der Schüler.

Natürlich gebe es auch kritische Stimmen, mit denen er sich in der Sache gerne auseinandersetze, berichtet Behncke. So seien vielleicht nicht alle Schüler genau der gleichen Meinung, aber doch sehr viele. Mit Blick auf die Corona-Fallzahlen wachse bei ihnen die Sorge davor, dass in einigen Wochen eine komplette, landes- oder bundesweite Schulschließung wie im März notwendig werde. „Das wollen wir auf gar keinen Fall“, betont Behncke.

Wechselmodell als Alternative

Besser wäre es seiner Meinung nach, wenn die Schulen für die Klassenstufen 8 bis 13 bereits jetzt mit einem täglichen oder wöchentlichen Wechselmodell beginnen würden. Derzeit sei es stellenweise so, dass die Schüler, die in Quarantäne seien, nicht parallel mit allen Materialien versorgt würden. „Zwei Wochen Unterrichtsstoff nachzuholen ist viel“, betont Behncke.

Ein Brief aus Mainz

Am Donnerstagnachmittag haben die Schüler eine Antwort aus Mainz erhalten – einen dreiseitigen Brief, in dem Bildungsministerin Stefanie Hubig erklärt, warum die Landesregierung beschlossen hat, die Schulen geöffnet zu lassen und mit welchen Maßnahmen die Schulen unterstützt werden sollen. „Wir sind dankbar für die Antwort“, sagt Behncke, auch wenn der Hauptforderung der Schüler nicht entsprochen werde. Der Präsenzunterricht sei für die Schüler das Beste, betont Hubig. Derzeit sei es noch zu früh, um zu sehen, wie sich der Teil-Lockdown auf die Fallzahlen auswirke. Sollten die beschlossenen Maßnahmen nicht zu einer Stabilisierung der Fallzahlen führen, sollen weitere Maßnahmen ergriffen werden, so die Ministerin. Eines hat der offene Brief aus Kaiserslautern auf jeden Fall erreicht: Die Schülerschaft hat jetzt eine Stimme. Und die kommt aus Kaiserslautern.

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