Bildung
CDU will Schultag für Grundschüler verlängern
Das Bildungsniveau sinkt, die Leistungen der Schüler werden bundesweit schlechter. Das belegen Studien seit Jahren immer wieder. Die CDU-Fraktion im Mainzer Landtag will mit einem neuen Plan gegensteuern: Sollte sie nach der Landtagswahl 2026 die Regierungsverantwortung übernehmen, will sie die Grundschulpflicht ausweiten.
„Wir geben eine Grundschulgarantie“, sagt Gordon Schnieder, Chef der CDU im Land und in der Landtagsfraktion. „Wir wollen verbindlich für alle Kinder sechs Stunden Schulzeit.“ Konkret heißt das, dass perspektivisch alle Grundschulkinder montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr an der Schule sein sollen, dort ein kostenloses Mittagessen bekommen und die Hausaufgaben erledigen. Vor allem sollen die Kinder auch mehr Zeit bekommen, um die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen und zu festigen. „Wir bieten den Kindern mehr Lernzeit“, sagt er. Verlassen sie dann um 14 Uhr die Schule und nutzen keine Betreuungsangebote, bleibe noch ausreichend Zeit für Familie und Hobbys.
Keine Ausnahmen
Im Arbeitskreis Bildung der CDU-Fraktion habe es Diskussionen über den Plan gegeben, ergänzt die bildungspolitische Sprecherin Jenny Groß. Die CDU-Fraktion habe diesen Plan aber schließlich geschlossen unterstützt, denn: „Er bietet den Eltern Verlässlichkeit“ – auch in Bezug auf ihre eigenen Arbeitszeiten. Ausnahmen soll es nicht geben, betont Schnieder. „Es gilt die Schulpflicht.“ Sollte die CDU nach der Landtagswahl im März die Regierungsgeschäfte übernehmen, will sie die erweiterte Grundschulpflicht nach und nach einführen, beginnend mit Klassenstufe 1.
Bildungsminister Sven Teuber (SPD) hält nichts vom CDU-Vorstoß. „Der Vorschlag geht an den Bedürfnissen vieler Kinder und vieler Familien vorbei, da er de facto eine Reduzierung der Zeit für Förderung bedeuten würde“, erklärt er auf Anfrage. Es gebe bereits ein vielfältiges Ganztagsangebot, Verlässlichkeit und gezielte Förderung in den Basiskompetenzen. „Wir nehmen den Auftrag ernst, mit der gesamten Bildungsfamilie im Sinne der Kinder das Ganztagsangebot auf hohem Niveau weiter auszubauen und zu entwickeln“, so Teuber. „Gleichwohl nehmen wir auch den Wunsch nach einem flexibleren Angebot wahr und ernst.“ Immer wieder gibt es die Kritik von Eltern, dass die Kinder in der klassischen Ganztagsschule bis 16 Uhr bleiben müssen. Flexibilität: Fehlanzeige. Wegen der Kosten werde derweil schon heute kein Kind in Rheinland-Pfalz vom Mittagessen ausgeschlossen, betont Teubers Sprecher.
Frage nach dem Personal
Die Lehrerverbände hingegen können dem CDU-Vorschlag einiges Positives abgewinnen. „Die Grundschule leitet Kinder zum selbstständigen Lernen an“, sagt Thomas Neu vom Leitungsteam der Fachgruppe Grundschule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „Wir befürworten, dass die Kinder länger in so einem gewohnten Umfeld sind.“ Eine Ausweitung des Ganztags, wie dies die CDU vorschlage, müsse allerdings mit jeder Menge qualifiziertem Personal und Geld unterstützt werden. „Dies wird eine große Aufgabe, in kurzer Zeit ausreichend Pädagogen und andere Experten für multiprofessionelle Teams zu bekommen“, gibt Neu zu bedenken.
Diese Sorge treibt Lars Lamowski nicht um. Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, der selbst eine Grundschule in Kirchen (Landkreis Altenkirchen) leitet, argumentiert mit dem „Kuddelmuddel des derzeitigen Ganztags“. Bislang seien Lehrkräfte an Ganztagsschulen bis 16 Uhr im Einsatz – übernehmen auch Aufgaben wie die Essensausgabe, böten AGs und Freizeitangebote. Würden Lehrkräfte lediglich bis 14 Uhr für Lehr- und Lernzeit eingesetzt und würde der Schulträger für andere Aktivitäten Personal stellen, wären aus seiner Sicht ausreichend Lehrkräfte vorhanden. „Das ist ein Plan, der dort ansetzt, wo es im Ganztag im Land hakt“, sagt Lamowski.
Der CDU-Vorschlag sehe ja nur eine leichte Erhöhung der Grundschulzeit vor. Schon heute seien die Kinder – je nach Klassenstufe – bis 12 oder 13 Uhr in der Schule. „Grundsätzlich ist es gut, dass die CDU mit ihrem Vorschlag darauf aufmerksam macht, dass der Ganztag so nicht läuft“, sagt Lamowski. „Es braucht ein zeitgemäßeres Modell, dass Lehrkräften, Eltern und Schülern gerecht wird.“