Interview RHEINPFALZ Plus Artikel CDU-General Steiniger: „Unsere Motivation sind keine Dienstwagen“

Sind im Wahlkampf als konsistentes Team aufgetreten: Spitzenkandidat Gordon Schnieder (links) und sein General Johannes Steinige
Sind im Wahlkampf als konsistentes Team aufgetreten: Spitzenkandidat Gordon Schnieder (links) und sein General Johannes Steiniger.

Er hat den Wahlkampf für Gordon Schnieder gestaltet, nimmt an den Gesprächen mit der SPD teil. Wie Johannes Steiniger den Erfolg der CDU erklärt.

Herr Steiniger, wie gefällt Ihnen die Zuschreibung „Königsmacher“?
Wir leben Gott sei Dank in einer Demokratie und nicht in einer Monarchie. Es ist ein großes Privileg, dass wir alle vier beziehungsweise fünf Jahre unsere Parlamente neu wählen können. Der Erfolg der CDU am Sonntag war eine historische Teamleistung.

Ihre Bescheidenheit in allen Ehren. Aber an der Aufgabe, die CDU endlich wieder in Verantwortung in Mainz zu bringen, sind seit 1991 einige Wahlkampfexperten gescheitert. Was haben Sie anders gemacht als Ihre Vorgänger?
Ich habe in meiner ersten Pressekonferenz im August 2024 davon gesprochen, den schlafenden Riesen CDU Rheinland-Pfalz wecken zu wollen. Gemeint war: Wir müssen zuerst selbst wieder daran glauben, dass wir gewinnen können. Das ist uns gelungen: mit einer professionellen, datenbasierten Kampagne, klarer Fokussierung auf die entscheidenden Themen wie Wirtschaft und Bildung und mit einem starken Spitzenkandidaten, der uns alle getragen hat. Am Ende war entscheidend: Wir hatten Klarheit im Kurs, Vertrauen in die eigene Stärke und sind im gesamten Verlauf der Kampagne cool geblieben.

Stichwort „cool bleiben“: Als wir beide am Sonnagnachmittag Kontakt hatten, haben Sie trotz recht eindeutiger Prognosen verhalten reagiert, von der Demut vor den Wählern gesprochen. Wie überrascht waren Sie denn am Ende selbst, wie deutlich der Erfolg ausgefallen ist?
Spätestens seit dem erfolgreichen TV-Duell war das Momentum da. Da haben wir gemerkt, jetzt kippt der erste Dominostein hin zum Wahlsieg. Eine solche Motivation in den letzten zwei Wochen in der Partei habe ich selten erlebt. Insofern waren wir vorsichtig optimistisch am Wahltag. Aber es ist eben immer noch eine Wahl – da gibt es keine Sicherheit. Und mit der Wahl kommt natürlich dann auch die Verantwortung und die Demut vor der Größe der Herausforderungen.

Sie haben von einer historischen Teamleistung gesprochen. Als Sie Generalsekretär wurden, war die CDU im Land noch nicht so geeint. Heute verteilen Kritiker von damals Handzettel mit dem Konterfei des kommenden Ministerpräsidenten. Wie haben Gordon Schnieder und Sie es geschafft, auch die Kritiker hinter sich zu versammeln?
Wir haben von Anfang an alle eingebunden, viele Gespräche geführt und sehr transparent und professionell gearbeitet. Uns war wichtig, intern immer klar zu sagen, warum wir gerade was machen. Wir haben viele konkrete eigene programmatischen Vorschläge erarbeitet. So ist Vertrauen entstanden. Und dann war das natürlich das Verdienst von Gordon Schnieder: bodenständig, hochkompetent, extrem fleißig.

In den Porträts, die vor der Wahl über Gordon Schnieder überall veröffentlicht wurden, war tatsächlich oft die Rede von einem seriösen Kandidaten. Einem, dem das eigene Ego nicht so wichtig ist. War das der entscheidende Unterschied zu vergangenen Wahlen?
Ich würde das nicht als Gegensatz zu früheren Kandidaten formulieren. Aber ja: Gordon Schnieder steht für einen Politikstil, der vielen Menschen wichtig ist – sachlich, bodenständig und ohne Eitelkeit. Die Nachwahlbefragungen haben zudem klar gezeigt, dass viele Menschen sich wegen der Themen für die CDU entschieden haben. Und hier haben Person und Programm 100 Prozent zusammengepasst. Gordon Schnieder stellt die Sache in den Mittelpunkt, nicht sich selbst. Und ich glaube, genau das hat gerade in einer Zeit, in der viele genug von Inszenierung haben, Vertrauen geschaffen.

In der CDU in Rheinland-Pfalz ist die Lust auf Regieren groß. Wie wichtig wird es nun sein, weiterhin viele an Bord zu halten, selbst wenn nicht alle Posten übernehmen können werden?
Unsere Motivation sind keine Dienstwagen, sondern dass wir nach 35 Jahren endlich wieder unser wunderschönes Bundesland gestalten können. Darauf freuen wir uns!

Lassen Sie uns auch nach vorne blicken: Wie sieht der Zeitplan für Koalitionsverhandlungen aus? Und: Wer nimmt auf Seiten der CDU daran teil?
Gordon Schnieder wurde vom Landesvorstand einstimmig damit beauftragt, Gespräche zu führen. Er hat die SPD zu Sondierungsgesprächen eingeladen. Die Einladung zu einem ersten Gespräch am Donnerstagnachmittag ist erfolgt. Die CDU Rheinland-Pfalz geht mit einem starken und erfahrenen Team in diese Gespräche. Angeführt wird das Verhandlungsteam von Gordon Schnieder. Zum Team gehören neben mir auch die Europaabgeordnete Christine Schneider sowie der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Marcus Klein. Das ist ein erfahrenes Team, das alle Ebenen der Politik abdeckt.

Wie geht es anschließend mit dem Königsmacher weiter, dem der Name Königsmacher nicht gefällt? Welche Rolle spielen Sie künftig im Landesverband?
Uns ist sehr wichtig, dass wir in den nächsten Wochen erst über Inhalte sprechen und dann über Personal. In Berlin bin ich Vorsitzender der Landesgruppe der rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten und Mitglied im Vorstand der Bundestagsfraktion. Diese Aufgaben machen mir großen Spaß. Deshalb habe ich schon in der Vergangenheit auf Nachfrage ausgeschlossen, in ein Kabinett in Mainz einzutreten. Und ich pflege dann auch nach einer Wahl zu tun, was ich vorher gesagt habe. Das gibt mir auch eine große Freiheit bei vielen Entscheidungen, die anstehen.

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