Landau / Kaiserslautern
Brummton-Phänomen in der Pfalz: Behörden oft machtlos
Der Brummton, der an verschiedenen Stellen im Kaiserslauterer Stadtteil Hohenecken zu hören war, ist – zumindest vorerst – verstummt. Am 5. August sei das rätselhafte Geräusch plötzlich nicht mehr da gewesen, teilte ein Bewohner des südwestlich der Kernstadt gelegenen Dorfes vor ein paar Tagen mit.
Rund drei Jahre lang hatte der Brummton die Menschen in Hohenecken begleitet und nicht nur die Gewerbeaufsicht der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd), sondern auch den Stadtrat beschäftigt. Da der Ort nahe bei den Einrichtungen der Amerikaner auf der Vogelweh liegt, hatte man zunächst vermutet, dass das Geräusch dort seinen Ursprung habe. Später war eine Fabrik der Firma Freudenberg in den Fokus geraten, gelegen im Stadtteil Einsiedlerhof auf halbem Wege zwischen der Innenstadt und der Air Base Ramstein. Mitten im Versuch, die Geräuschquelle dort zu verorten, war dann plötzlich Ruhe. Damit sieht sich die Firma entlastet – denn an ihren Anlagen und deren Betriebsart habe sich überhaupt nichts geändert, so eine Sprecherin.
Im Landauer Stadtteil Mörlheim und im nahen Bornheim ist nach Angaben von Anwohnern seit November 2017 ein Brummen zu hören. Nachdem es in den beiden vergangenen Jahren ruhiger um diesen Fall geworden ist, bestätigt der Mörlheimer Claus Hund, dass das Geräusch noch immer da ist. Hund, der die Geräuschkulisse in seinem Haus als schwere Belastung schildert, hatte 2019 Behörden und Verwaltung auf das Problem aufmerksam gemacht und sammelt seitdem Informationen über das Phänomen auf seiner Webseite www.brummton-landau-mörlheim.de.
Den Versuch, die Behörden zum Handeln zu bewegen, hat er nach eigenen Angaben allerdings aufgegeben: „Wie komme ich am besten damit klar, obwohl mich das krank macht“, sei derzeit sein Motto. Wegzuziehen sei ihm aus verschiedenen Gründen nicht möglich; um dem Geräusch wenigstens zeitweise zu entkommen, habe er sich Ruhe-Orte abseits seines Hauses gesucht und sich angewöhnt, morgens nach dem Aufstehen gleich das Radio einzuschalten, um eine akustische Ablenkung zu haben, sagt Hund.
Der SGD Süd, die in solchen Fällen meist die Ermittlungen nach der Ursache übernimmt, sind in der Pfalz noch weitere aktuelle Brummton-Phänomene bekannt. Einer Sprecherin zufolge gibt es neben Landau und Kaiserslautern auch Meldungen aus Annweiler und Mutterstadt. In Worms wurde unlängst ein Brummton-Rätsel gelöst – sofern man das so nennen kann, denn dort brummt es weiter, aber zumindest kennt man die Ursache. Das Geräusch sei auf eine Industrieanlage zurückzuführen, so die SGD Süd. Dämmen oder gar abschalten musste der Betrieb aber nicht, denn die Messwerte lagen unter den aktuellen Grenzwerten.
So läuft es zum Leidwesen von Anwohnern wie Claus Hund oft. Die SGD Süd oder das für detailliertere Messungen herangezogene Landesamt für Umwelt (LFU) kann zwar in nicht wenigen Fällen tatsächlich ein akustisches Phänomen feststellen. Allerdings liegt dessen Stärke meist unter den zulässigen Grenzwerten, weshalb die Behörde dann nicht weiter tätig wird. Die Grenzwerte sind im Bundesimmissionsschutzgesetz geregelt und liegen beispielsweise nachts bei 40 Dezibel, abgekürzt dB(A), für Wohngebiete und bei 70 dB(A) für Industriegebiete – Brummtöne sind nahezu immer sehr viel leiser. So ist es zum Beispiel auch bei einem Brummen, das im Örtchen Mehlingen unweit Kaiserslautern auftrat, und dessen Quelle ungeklärt blieb. Aus Claus Hunds Sicht ist das eine Schwäche aktueller Gesetze: „Die Grenzwerte stammen aus den 90-ern“, sagt er. Das entspreche nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Dieser sei mittlerweile viel klarer, auf welche Weise Lärm krank mache.
In Mörlheim hat die SGD Süd eindeutig einen Brummton bestätigt, den Messungen des LFU angezeigt hatten. Die Behörde betrachtet die Angelegenheit dennoch als erledigt, weil der Ton keine Grenzwerte verletze. Auch bei der Suche nach der Ursache geriet man irgendwann in eine Sackgasse: In Betrieben im Industriegebiet Landau-Ost wurden sogar Maschinen abgeschaltet, um das Phänomen eingrenzen zu können – ohne verwertbares Ergebnis. Im Frühjahr 2019 hatte ein Vertreter der Behörde gegenüber der RHEINPFALZ die Vermutung geäußert, dass das Geräusch gar nicht aus einem Betrieb stamme, sondern von Geräten in Häusern in unmittelbarer Umgebung der Beschwerdeführer verursacht würde.
Das würde bedeuten, dass die Brummtöne in Mörlheim und Bornheim unterschiedliche Ursachen haben. Claus Hund allerdings ist der Jagd nach dem Phänomen müde: „Man darf sich nicht zu sehr reinsteigern“, sagt er. „Was ich machen konnte, habe ich ausgereizt.“


