Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Bistum Speyer: Debatte um Reform und Missbrauchsfälle

Rund 460.000 Katholiken leben in der Pfalz und in der Saarpfalz. Ihre Kirche steht in der Region vor tiefgreifenden Veränderunge
Rund 460.000 Katholiken leben in der Pfalz und in der Saarpfalz. Ihre Kirche steht in der Region vor tiefgreifenden Veränderungen.

Zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsplänen – in diesem Spannungsfeld steht derzeit das Bistum Speyer. Beides beschäftigt die Diözesanversammlung am Wochenende.

Im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus wird es am Samstag um nichts weniger als die Frage gehen, welche Antworten das Bistum Speyer auf drängendste Zukunftsfragen gibt: Wie lässt sich Seelsorge angesichts schwindender Ressourcen organisieren – personell wie finanziell? Welche Strukturen garantieren trotzdem Nähe zu den derzeit rund 460.000 Gläubigen in Pfalz und Saarpfalz? Einen Vorschlag dafür gibt es: den Reformentwurf „Ein Segen sollt ihr sein“. Der sieht unter anderem eine neue Rolle für die bisher in der katholischen Kirche weniger bedeutenden Dekanate vor. Sie sollen Haupt- und Ehrenamtliche von Verwaltungsaufgaben entlasten, ihnen mehr Raum für inhaltliche Arbeit verschaffen.

Möglicher Start: 2027

Die rund 60 Mitglieder der Diözesanversammlung müssen nun ordnen, was an Rückmeldungen aus verschiedensten Kreisen, Gremien und Formaten zu dem maßgeblich von Generalvikar Markus Magin und Thomas Kiefer, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, geprägten Papier vorliegt: Neben intensiven Gesprächen in den Pfarreien konnten die Katholiken der Region auch per E-Mail und Anfang Februar bei einer offenen Videokonferenz Anmerkungen und Wünsche loswerden. Nach Angaben des Bistums wird nun der aktuelle Stand präsentiert und beraten. Unter Leitung der im vergangenen Herbst neu gewählten Doppelspitze, Isabelle Faul und Theo Wieder, soll das Gremium über die künftige Weiterarbeit an dem Entwurf entscheiden.

Isabelle Faul
Isabelle Faul
Theo Wieder
Theo Wieder

Foto 1 von 2

Dann folgt nach Vorstellung der Bistumsleitung eine zweite Beratungsrunde und dann ein abschließendes Votum der Diözesanversammlung, ehe Bischof Karl-Heinz Wiesemann über die finale Fassung entscheidet und die Umsetzung des Ganzen beginnt. Geplanter Start für die Strukturreform: Anfang 2027. Für den Frankenthaler Theo Wieder, den früheren Chef des Bezirksverbands Pfalz, ist die Durchlässigkeit des Verfahrens der entscheidende Punkt. Nur wenn das horizontal und vertikal über sämtliche Ebenen möglichst viele einbinde, habe es die „Chance auf größtmögliche Überzeugungskraft“.

Termin für Zwischenergebnis

Neben diesem synodalen Prozess, der die Zukunft der katholischen Kirche in der Region sichern soll, wird sich die Versammlung allerdings genauso mit den Schatten der Vergangenheit beschäftigen müssen: Auf dem Programm steht laut Ankündigung in Ludwigshafen auch die Aufarbeitung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt im Bistum Speyer. Unter anderem soll eine Arbeitsgruppe entstehen, die sich mit der Schaffung eines angemessenen Gedenkorts für Betroffene beschäftigt.

Tatsächlich richtet sich die Aufmerksamkeit bei diesem Thema allerdings auf einen anderen Termin: Am Freitag hat das Bistum eine Einladung der Universität Mannheim verbreitet. Professorin Sylvia Schraut wird am 8. Mai erste Ergebnisse der von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission beauftragten und vom Bistum finanzierten Studie vorstellen. Das gesamte Projekt ist auf vier Jahre angelegt und startete im Frühjahr 2023.

Zeit ab 1946 im Blick

Die Studie nimmt die Zeit ab 1946 in den Blick und konzentriert sich nach Darstellung der Uni vor allem auf die Frage, wie Missbrauch durch Priester, Diakone, Ordensangehörige und Mitarbeiter des Bistums strukturell möglich war. Aktuell ist von 109 in diesem Zusammenhang beschuldigten Geistlichen und 41 Nichtklerikern die Rede. Bei der Jahrespressekonferenz des Bistums Ende Januar erklärte Generalvikar Magin, dass rund 3,4 Millionen Euro an Betroffene geflossen seien – bezahlt nicht aus Kirchensteuereinnahmen, sondern unter anderem aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls.

x