Rheinland-Pfalz
BASF-Prozess: Opfer-Anwalt will BASF-Vorkehrungen neu prüfen lassen
Der Jurist hat den Tüv-Gutachter attackiert, der die BASF gegen Mitschuld-Vorwürfe verteidigt hatte. Sein Misstrauen gilt aber auch einer Aufsichtsbehörde.
Für die Kölner Rettungskräfte war es der größte Löscheinsatz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: 40 Meter loderte die Feuersäule empor, die an einem März-Nachmittag im Jahr 2008 von einem Chemiegelände am westlichen Stadtrand aus in den Himmel stieg. Zuvor war dort bei Wartungsarbeiten Ethylen freigesetzt worden, der Stoff hatte sich entzündet – und die Hitze dieser etwa einen Meter hohen Flamme ließ in nur zehn Minuten einen Abschnitt der Leitung komplett bersten. Doch gut elf Jahre später hat ein Tüv-Gutachter in einem Frankenthaler Gerichtssaal sinngemäß behauptet: Dass eine von Flammen umloderte Ethylen-Pipeline wegen ihres hohen Innendrucks binnen kürzester Zeit explodieren kann, sei selbst Fachleuten erst im Oktober 2016 so richtig klar geworden. Da soll ein Monteur auf dem BASF-Werksgelände in Ludwigshafen versehentlich eine Leitung beschädigt und so ein Feuer entfacht haben, das sechs Minuten später die benachbarte Ethylen-Röhre bersten ließ – ein Inferno, durch das fünf Menschen ihr Leben verloren.
Wie viel Mitschuld trägt die BASF?
Seit Februar wird dem mutmaßlichen Unglücksverursacher in Frankenthal daher der Prozess gemacht. Dass dem Angeklagten damals tatsächlich ein fataler Fehler unterlaufen sein muss, kann nach etwa 20 Verhandlungstagen kaum noch bezweifelt werden. Und bis zum vergangenen Wochenende sah es daher auch noch so aus, als ob das Urteil bereits in dieser Woche fallen würde. Gerungen wurde hinter den Kulissen aber trotzdem noch: Es geht um die Frage, wie ausdrücklich die Richter der BASF eine Mitschuld an der Katastrophe zuschreiben werden.