Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Schotter und Sand – Feuerwehrleute lernen Fahren im Wald

Ruhig und präzise: Joachim Reis steuert das Fahrzeug der Feuerwehr Deidesheim mit 5000 Litern Löschwasser im Tank über Stock und
Ruhig und präzise: Joachim Reis steuert das Fahrzeug der Feuerwehr Deidesheim mit 5000 Litern Löschwasser im Tank über Stock und Stein.

Schnell Wasser und Personal an den Einsatzort bringen – das ist bei Waldbränden wichtig. Bei Bad Dürkheim können Feuerwehrleute Fahren im unwegsamen Geländen trainieren.

Joachim Reis ist die Ruhe selbst. Der 60-Jährige dirigiert das TLF 5000 der Verbandsgemeindefeuerwehr Deidesheim die zehn Kilometer über Sand und Schotter durch den Pfälzerwald, den Hang hinauf und Abhänge hinunter. Hektik oder Stress? Keine Spur. Diese Sicherheit im Umgang mit Fahrzeug und Bodenbeschaffenheit sollen allerdings nicht nur erfahrene Routiniers wie Reis bekommen, sondern möglichst viele Einsatzkräfte, die im Landkreis Bad Dürkheim ausrücken, wenn sie wegen eines Waldbrands alarmiert werden. Längere Trockenheit als Folge des Klimawandels in Kombination mit Leichtsinn und Unachtsamkeit führen dazu, dass genau das inzwischen häufiger passiert.

Auf dramatische Ereignisse wie im August 2022, als unterhalb des Hambacher Schlosses sieben Hektar Wald lichterloh brennen, besser vorbereitet zu sein – dieser Gedanke steht hinter der Übungsstrecke, die sich hinter Bad Dürkheim von der Bundesstraße 37 aus in einer zehn Kilometer langen Schleife durchs Gelände schlängelt. Gemeinsam haben Verantwortliche aus Brand- und Katastrophenschutz, der Kreisverwaltung und der Landesforsten nach einer geeigneten Trasse gesucht. Seit April dürfen Wehren aus dem Kreis den Weg zweimal pro Woche – mittwoch und samstags – für Trainingsfahrten nutzen. Schilder weisen Wanderer und Mountainbiker auf mögliche Begegnungen mit schwerem Gerät hin.

„Fahrpraxis sammeln“

„Fahrpraxis sammeln“ – auf diese knappe Formel bringt es Sascha Schwenk, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises. Wie verhält sich das schwere Fahrzeug auf unterschiedlichen Untergründen? Worauf ist bei Verschwenkungen oder stärkerem Neigungswinkel zu achten? Welches Tempo ist auf Waldwegen möglich und angemessen? Das einmal ohne den Adrenalischub beim echten Alarm austesten zu können, sei auf der Übungsstrecke möglich, erklärt Schwenk. Die Fahrer bekommen allerdings auch ganz praktische Tipps wie den korrekten Griff am Lenkrad, wenn’s an einer Bodenwelle mal das Steuer verreißt. Oder den, sich eher an der Bergseite zu orientieren und sich vom Abhang fernzuhalten. „Der Berg ist dein Freund“, sagt Joachim Reis.

Digitalisierte Karten unterstützen die Orientierung im Wald. Tragfähige Wege sind farblich markiert.
Digitalisierte Karten unterstützen die Orientierung im Wald. Tragfähige Wege sind farblich markiert.
Schilder weisen auf die Strecke hin, die an zwei Tagen pro Woche für Übungsfahrten genutzt werden darf.
Schilder weisen auf die Strecke hin, die an zwei Tagen pro Woche für Übungsfahrten genutzt werden darf.
Der Konvoi aus Einsatzfahrzeugen schlängelt sich über die zehn Kilometer lange Trasse.
Der Konvoi aus Einsatzfahrzeugen schlängelt sich über die zehn Kilometer lange Trasse.
Geländefähig dank Allradantrieb: Diese Voraussetzung müssen Fahrzeuge fürs Nutzen der Teststrecke erfüllen.
Geländefähig dank Allradantrieb: Diese Voraussetzung müssen Fahrzeuge fürs Nutzen der Teststrecke erfüllen.
Zur Premiere sind einige Tanklöschfahrzeuge von Wehren aus dem Kreis Bad Dürkheim gekommen.
Zur Premiere sind einige Tanklöschfahrzeuge von Wehren aus dem Kreis Bad Dürkheim gekommen.
Treffpunkt Parkplatz Klaustal: Von hier startete am Donnerstag der Konvoi zur Runde durch den Wald.
Treffpunkt Parkplatz Klaustal: Von hier startete am Donnerstag der Konvoi zur Runde durch den Wald.

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Ein Abenteuerspielplatz für mutige Männer in PS-starken Gefährten ist die Strecke aber keinesfalls: „Es geht nicht darum, das Fahrzeug in einer Extremsituation oder ander Grenze zur Einsatzmöglichkeit zu testen“, sagt Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann (CDU). Im Ernstfall Mensch und Material sicher in den Wald und wieder zurückzubringen, sei oberstes Ziel der Übung. Dass ausgerechnet der Kreis Bad Dürkheim mit dem Projekt Pionierarbeit bei der Waldbrandbekämpfung leistet, hat viel mit einer geografischen Besonderheit zu tun. Zwischen B37 und 39 erstreckt sich ein gewaltiges Gebiet ohne öffentliche Straßen – wahrscheinlich das größte Areal dieser Art in Rheinland-Pfalz, erläutert Frank Stipp, Leiter des Forstamts Bad Dürkheim.

Premiere mit TLF 5000

Wer dort Brände bekämpfen will, ist lange und weit unterwegs, sagt Stipp. Außer an die Fähigkeiten der Fahrer stellt das auch Anforderungen ans rollende Material selbst: Es muss möglichst rasch große Wassermengen und Personal zum Einsatzort bringen – im Idealfall beides auf einmal. Bei der Premierenrunde über die Übungsstrecke sind deshalb vor allem Tanklöschfahrzeuge im Konvoi, der etwa eine halbe Stunde für die Strecke braucht. Einige haben eine sogenannte Staffelkabine. Ihr Vorteil: Auf Sitzen in einer zweiten Reihe des Führerhauses ist mehr Platz für Einsatzkräfte. Praktisch für das Waldbrand-Szenario – aber das Land fördert genau diesen Fahrzeugtyp nicht.

Das dreineinhalb Jahre alte TLF 5000, mit dem Joachim Reis unterwegs ist, hat die Verbandsgemeinde Deidesheim deshalb ohne Zuschüsse angeschafft und mit großem Glück ein Vorführfahrzeug deutlich günstiger bekommen. Bestellt war es ursprünglich für den osteuropäischen Markt; jetzt rollt es durch die Pfalz und hat sich dank seiner besonderen Ausstattung mit Hochdruckhaspeln unter anderem beim Feuer am Hambacher Schloss bewährt.

Mulitplikator als Beifahrer

Die Trainingsrunde absolviert übrigens keiner der Fahrer allein. In Zusammenarbeit mit den Landesforsten und dort vor allem dem Technischen Produktionsleiter des Reviers Bad Dürkheim, Andreas Müller, sind Multiplikatoren ausgebildet worden, die Strecke und Beschaffenheit der Wege besonders gut kennen. Fürs Üben in freier Wildbahn gelten zudem klare Regeln: Nutzen dürfen die Strecke ausschließlich bei Tageslicht nur Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht und Allradantrieb. Allerdings macht Sascha Schwenk eine feine Unterscheidung: Geländefähig müssten die Fahrzeuge sein, aber nicht geländegängig. Denn für letztere Kategorie wäre der Parcours bei allem Rütteln und Schütteln wohl eher keine allzu große Herausforderung

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