Rheinland-Pfalz
Abstieg im Bildungsmonitor: Was die CDU besser machen will
Der Abstieg von Rheinland-Pfalz im jüngsten Bildungsmonitor ist für CDU-Fraktionschef Gordon Schnieder Anlass, mit der Bildungspolitik der Ampelkoalition abzurechnen. Aber Bildungsminister Sven Teuber (SPD) nimmt dem Oppositionsführer in der Aktuellen Debatte im Landtag am Donnerstag den Wind aus den Segeln.
Für die Zukunft der Kinder reiche es nicht, wenn Rheinland-Pfalz nur noch unteres Mittelmaß bei der Bildung sei, kritisierte Schnieder das jüngste Abschneiden des Landes im Bildungsmonitor der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Das Land ist von Platz neun auf Platz zwölf abgerutscht. Exemplarisch hebt Schnieder hervor, dass sich die Lesekompetenz der Viertklässler seit 2013 deutlich verschlechtert habe und auch die mathematische Kompetenz zurückgegangen sei. Im Bereich der Integration liege das Land auf Platz 14, bei der Bildungsarmut auf Platz zwölf.
Jeder Satz wird zum Stolperstein
„Ein Kind, das am Ende der vierten Klasse keinen einfachen Text sinnerfassend lesen kann, erlebt die Schule als Hindernislauf. Jeder Satz wird zum Stolperstein“, sagte Schnieder. Die seit Jahren ansteigende Quote der Kinder, die die erste Klasse wiederholten, sei ein Alarmsignal.
Schnieder forderte eine „Grundschulgarantie“. Am Ende der vierten Klasse sollten alle Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen.
Nach dem CDU-Modell soll von Montag bis Freitag von acht bis 14 Uhr Unterricht stattfinden, ein kostenfreies Mittagessen inklusive. In dieser Zeit sollten auch Hausaufgaben erledigt werden, „Damit Förderung nicht am Küchentisch scheitert“, sagte Schnieder.
Verpflichtende Sprachförderung
Zudem forderte er eine verbindliche Sprachstandserhebung im Alter von viereinhalb Jahren und eine verpflichtende Sprachförderung. Bisher wird nur bei Kindern, die keine Kita besuchen, der Sprachstand im Alter von viereinhalb Jahren erhoben.
Ungewöhnlich war, dass Bildungsminister Sven Teuber auf Schnieder zuging, während dieser vom Rednerpult zurück zur Oppositionsbank ging. Er reichte ihm die Hand. Was Teuber sagte, war nicht zu hören, aber die Mimik ließ darauf schließen, dass beide nicht gestritten haben.
Als Teuber nach sechs weiteren Rednern – Frauen beteiligten sich an dieser Debatte nicht – selbst an der Reihe war, versicherte er, einen Plan in der Bildungspolitik zu haben.
Teubers Bekenntnis
Was das Lesen, Schreiben und Rechnen angehe, bekannte er: „Wir sind nicht so gut, wie es die Kinder verdient hätten.“ Er sei angetreten, entschlossen umzusetzen. Das sei vorher zu langsam gegangen. Teuber führt das Bildungsministerium seit Mai. Bei der Umsetzung gehe es zum Beispiel auch um 350 Sprachbeauftragte in den Kindertagesstätten. „Das tragen wir manchen Trägern wie Sauerbier nach“, sagte Teuber. Je später die Sprachförderung beginne, desto schwieriger werde es. Zum Bildungsmonitor merkte Teuber an, dass die Zahlen aus dem Jahr 2022 stammten. Seither sei bereits mehr Zeit für Lesen, Schreiben und Rechnen eingeführt worden. Das CDU-Modell einer Schule bis 14 Uhr könnte laut Teuber nur realisiert werden, wenn Hausaufgaben abgeschafft würden.
Hamburger Modell zum Vorbild
Der FDP-Bildungspolitiker Stefan Thoma schlug vor, sich bei der Sprachförderung im vorschulischen Bereich am Hamburger Modell zu orientieren. Hamburg hat ein diagnosegestütztes Sprachfördermodell und Vorbereitungsklassen für zugewanderte Kinder und Jugendliche. Letzteres hat die Landesregierung bisher abgelehnt. Thoma kritisierte außerdem die Argumentation seines Vorredners Joachim Paul (AfD) als „undifferenziert und fehl am Platz“. Paul hatte der CDU und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schuld an den Bildungsproblemen zugeschoben. Die Einwanderung 2015 habe das System überfordert.