Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel 400 neue Taser für die Polizei

Der Taser verschießt zwei Pfeile, die an dünnen Drähten hängen. Das Rauchfähnchen stammt vom Treibgas Stickstoff. Laserstrahlen
Der Taser verschießt zwei Pfeile, die an dünnen Drähten hängen. Das Rauchfähnchen stammt vom Treibgas Stickstoff. Laserstrahlen helfen beim Zielen.

Rheinland-Pfalz modernisiert seine Distanzelektroimpulsgeräte. Die grellgelben Kunststoffpistolen wirken mit Hochspannung. Ein Ausbilder erzählt, wie sich ein Treffer anfühlt. Aber oft wirkt schon das laute Knistern abschreckend.

[Korrigiert 13. Dezember: falscher Name]Der herumbrüllende „Randalierer“ ist eine Mischung aus Schwarzbär und alemannischer Fasnachtsfigur: Ein Polizeibeamter im dunklen Klettanzug mit Schutzhaube und Siebfensterchen vor den Augen hat am Donnerstagmorgen einen ausgerasteten Kneipengast gespielt, der auf einen anderen – in diesem Fall die graue Puppe Cuff Man – einprügelt und den seine uniformierten Kollegen mit dem neuen Taser zur Räson bringen mussten. Der fusselige Overall dient dazu, dass stromfreie Übungselektroden besser haften. Wenn mit Hochspannung geübt werden soll, muss der schmerzfreie Cuff Man als Ziel herhalten.

Der neue Taser mit schwarzer, funktionsloser Übungskartusche, mit stromlosen Klettpfeilen (blau) und stromführenden Pfeilen (rot
Der neue Taser mit schwarzer, funktionsloser Übungskartusche, mit stromlosen Klettpfeilen (blau) und stromführenden Pfeilen (rot).

Das Szenario war Teil einer Pressekonferenz, bei der Innenminister Michael Ebling (SPD) am Donnerstag den „Taser 7“ für die rheinland-pfälzische Polizei vorgestellt hat. Das Land lässt sich die rund 400 Geräte 1,8 Millionen Euro kosten. Nach Angaben des Innenministers wirken die Stromschocker, die zwei dünne, 7,60 Meter lange Drähte mit Widerhaken abschießen, oft schon allein durch ihre Anwesenheit: In mehr als der Hälfte aller 2380 Fälle, in denen Polizisten seit 2018 die gelbe Waffe für den Nahbereich zückten, mussten sie den Abzug gar nicht mehr betätigen, weil ihr Gegenüber im Ausnahmezustand sofort aufgegeben hat.

„Kein Kausalzusammenhang bei Todesfällen“

Für Ebling ist das Gerät deshalb gleichermaßen ein Beitrag zur Deeskalation und zum Eigenschutz für die Polizistinnen und Polizisten. Die Entscheidung zur Einführung, das Land war damals bundesweit Vorreiter, sei absolut richtig gewesen. Ebling und der leitende Polizeidirektor Thomas Kossurok, der für das Fachreferat Polizeitechnik im Innenministerium zuständig ist, betonten die Sicherheit des Distanzelektroimpulsgeräts, wie der Taser im Beamtendeutsch heißt: Mehr als Hautabschürfungen und ähnliche kleine Verletzungen habe es nie gegeben. Nach Erkenntnisstand der Medizin gebe es keine signifikanten Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen.

Jene drei Todesfälle, zu denen es nach Tasereinsätzen der Polizei in Pirmasens, Neustadt und Landstuhl gekommen ist, standen „in keinem kausalen Zusammenhang“ mit dem Einsatz der Geräte, betonte Kossurok. Der Tod sei später eingetreten, alle Ermittlungsverfahren seien eingestellt worden. Auch Träger von Herzschrittmachern seien nicht gefährdet, sagt Christian Steitz. Er ist Leiter der Zentralstelle Schießen und Einsatztraining an der Hochschule der Polizei auf dem Flugplatz Hahn – und hat sich selbst schon einmal tasern lassen, um zu wissen, wovon er spricht.

Strom lässt Muskeln zittern

Dass bei den in der Ausbildung verwendeten Taserzielscheiben Kopf, Brust und Genitalien in Gelb als Bereiche markiert sind, auf die nicht geschossen werden soll, sei vor allem eine Frage der Muskulatur. Nur wenn Muskeln getroffen werden, die mindestens 30 Zentimeter auseinander und am besten im Rumpf- und Beinbereich liegen sollten, entfaltet der Taser seine Wirkung. Die basiert nicht auf Schmerzen, weil Menschen die zugedröhnt oder aus sonstigen Gründen im Ausnahmezustand sind, ein stark herabgesetztes Schmerzempfinden haben.

Vielmehr löst der Taser, begleitet von einem lauten und abschreckenden Knistern, das ein wenig an eine Klapperschlange erinnert, 22 Stromimpulse (das Vorgängermodell 19) in der Sekunde aus, und dies bis zu fünf Sekunden lang. Dadurch verkrampfen und lösen sich alle zwischen den Zielpunkten liegenden Muskeln im schnellen Wechsel, weshalb sie nicht mehr willentlich gesteuert werden können. Das gibt dem zweiten Mann oder der zweiten Frau einer Streifenwagenbesatzung ein paar Sekunden Zeit, einen Täter zu fesseln.

Bessere Zieleinrichtungen

Er sei nicht ideal getroffen worden, sagt Steitz, habe daher noch seinen Arm bewegen können, aber sonst nichts mehr. Und mehr als einen leichten Muskelkater habe er unmittelbar danach nicht gespürt. Wenn ein Schuss daneben geht, gibt es eine zweite Kartusche für einen neuerlichen Versuch. Die beiden Drähte mit den Elektroden werden von einer Stickstoffpatrone aus dem Lauf geschleudert.

Die neuen Taser sind etwas handlicher, haben einen schwarz gummierten Griff, der mehr Halt vermittelt. Kimme und Korn sind mit gelben Leuchtpunkten versehen, und die beiden Laserstrahlen, die die Zielpunkte der beiden Elektroden anzeigen, sind nun grün und rot, statt gleichfarbig, was beides das Zielen erleichtert. Jeder Einsatz wird im Gerät gespeichert, die Daten gehen automatisch ans Landesamt für Datensicherheit und sind nicht manipulierbar, so der Innenminister. So könne jeder Einsatz lückenlos ausgewertet werden.

Erstes Ziel bei jedem Einsatz, sei es, das Gegenüber „zu Boden zu reden“, sagt der Ausbilder vom Hahn. Doch sobald unmittelbare Gefahr für die Polizisten im Einsatz besteht, weil beispielsweise ein Messer oder ein gefährliches Schlagwerkzeug im Spiel sei und die Distanz zwischen Aggressor und Beamten zu klein ist, werde zur Pistole gegriffen.

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