Tiere
Rasseporträt: Großpudel bitten zum Tanz
Dichterliebling, Salonlöwe und Zirkusartist – wegen seiner Lernfähigkeit und Beweglichkeit hat der Großpudel schon viele Rollen übernommen, nachdem er ursprünglich im feudalen Frankreich zur Jagd auf Wasservögel eingesetzt wurde. Heute wird die traditionsreiche Hunderasse als aufmerksamer Begleiter für Individualisten und als sanftmütiger Familienhund wiederentdeckt. Auch ohne merkwürdige Frisur und aufwendige Dressur sorgt er für gute Laune und gibt dem Leben etwas Leichtigkeit zurück.
Wer mit einem jungen Großpudel zur Sozialisierung in die Welpenschule geht, wird sich über die schnelle Auffassungsgabe seines Schützlings freuen. Schon im Alter von vier Monaten sind das Laufen an der lockeren Leine oder die Abrufbarkeit aus dem Spiel eine leichte Übung, während Welpen anderer Rassen daran oft noch zu knabbern haben. Die Augen aufmerksam auf seine Bezugsperson gerichtet, arbeitet der Pudelwelpe in der fremden Umgebung konzentriert mit. Zuhause folgt er zum Ausgleich dann auch gerne mal seinen eigenen Interessen und testet altersgemäß die Haltbarkeit von Sofakissen, Hausschuhen oder Wollteppichen.
Scheren als Gemeinschaftserlebnis
„Ich wollte vor allem einen fröhlichen Hund mit einem langen, gesunden Leben“, begründet eine Ludwigshafener Architektin ihre Entscheidung für einen Großpudel. Der Hund solle sich auch in den Büroalltag souverän einfügen und nicht Kollegen oder Bauherren verschrecken. Was ihre Gesundheit betrifft, sind Großpudel in der Tierarztpraxis tatsächlich eher seltene Gäste, während etwa beim Kauf eines Retrievers inzwischen oft zum Abschluss einer Krankenversicherung geraten wird.
Ein wichtiges Merkmal von Pudeln ist ihre wollig-weiche, gekräuselte Behaarung, die kontinuierlich wächst und nicht ausfällt. Ein zusätzliches Unterfell besitzen sie nicht. Der große Vorteil, einen Hund zu halten, der nicht haart, geht allerdings einher mit der Aufgabe, den Großpudel etwa dreimal im Jahr zu scheren. Um das Tier frühzeitig an diese Pflegemaßnahme zu gewöhnen, legt man sich am besten gleich zu Beginn einen klappbaren Schertisch und eine gute Haarschneidemaschine zu. Dann wird das Scheren mit der Zeit zu einem verbindenden Gemeinschaftserlebnis. Dabei kann sich die Länge des Fells nach der Jahreszeit und den persönlichen Vorlieben richten.
Um die Tasthaare (Vibrissen) nicht zu kappen, verzichten viele Tierfreunde heute vor allem bei jungen Pudeln darauf, Gesicht und Schnauze kurz auszuscheren. Zwar haben die Vibrissen bei Haushunden eine kleinere Bedeutung als bei Katzen und natürlich bei vielen Wildtieren, aber diese Sinnesorgane sollten auch nicht gedankenlos geopfert werden. Wenn man beim vorsichtigen Freischneiden des Gesichts mit einer abgerundeten Schere dann doch mal ein Tasthaar erwischt, wächst es aber auch wieder nach.
Optisches Kontrastprogramm zu anderen Hunden
„Für mich ist der große Pudel ein optisches Kontrastprogramm zu anderen Hunden“, sagt eine Künstlerin aus Burrweiler in der Südpfalz, „Er hat Haare anstatt fusselndes Fell, die man frisieren kann, aber nicht muss.“ Weil sie mit einem Pudel aufgewachsen sei, sei es auch ein Stück Kindheitserinnerung, nun wieder einen zu halten.
Der spontane Eindruck von Leichtfüßigkeit und Eleganz bei der Begegnung mit einem Großpudel liegt in seinem Körperbau begründet. Für seine Größe wiegt er im Vergleich mit anderen Rassen eher wenig. Der relativ kurze Rücken und die langen Beine verleihen ihm einen tänzelnden Gang und ein großes Sprungvermögen. Das Skelett wird deshalb insgesamt weniger belastet, und das Hüftgelenk bleibt gesünder als bei anderen großen Hunden.
Verbunden mit seiner Kontaktfreude und Lebhaftigkeit ergibt sich daraus allerdings auch ein kleines Erziehungsproblem: Dass der Großpudel im Spiel oder zur Begrüßung an seinen Menschen gelegentlich hochspringt, lässt sich kaum abtrainieren. Aber es handelt sich ja auch nicht um einen harten Bodycheck, sondern um eine fröhliche Aufforderung zum Tanz.