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 Der Mops schaut süß, kann aber wegen seiner verkürzten Schnauze oft nicht gut atmen.
Der Mops schaut süß, kann aber wegen seiner verkürzten Schnauze oft nicht gut atmen.

Wer sich ohne Nachdenken ein Haustier zulegt, wird es in vielerlei Hinsicht schwer haben, den Alltag mit Tier zu bewältigen. Wer sich dann noch eine sogenannte Qualzucht ins Haus holt, weil der Hund zum Beispiel so eine süße Stupsnase hat, erlebt weitere Überraschungen. Ein Tierarzt berichtet aus seiner Praxis.

Viele Rassen von Hund bis Kaninchen entwickeln durch verantwortungslose Zucht eine Vielzahl an körperlichen und geistigen Gebrechen, unter denen sie ein Leben lang leiden oder gar sterben. Ein Umstand, den viele potenzielle Tierhalter nicht kennen oder mit dem sie sich gar nicht erst beschäftigen.

Von Qualzucht spricht man, wenn bei der Tierzüchtung, bestimmte Merkmale geduldet oder gefördert werden, die Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen hervorrufen. Die Liste der Rassen ist lang, ähnlich wie die Liste der Merkmale, unter denen die Tiere zu leiden haben.

Hochgradige Atemnot

Häufig verbreitet ist die Kurzköpfigkeit, die Brachyzephalie. Sie ist die Folge einer gezielten Zucht, bei der Schädel mitsamt Unterkiefer und Nase immer weiter verkürzt werden, um die häufig als niedlich empfundene Stupsnase beizubehalten. Betroffene Rassen wie Mops und Pekinese leiden dann oft unter einer Beeinträchtigung der Atemfunktion die zu hochgradiger Atemnot und sogar zum Kollaps führen kann.

Auch genetisch bedingte Erkrankungen lassen Tiere leiden. Bei Hunden, die das sogenannte Merle-Gen tragen, können Mutationen zu Taubheit und Blindheit führen. Rein weiße Katzen wie die Türkische Angorakatze neigen zu Taubheit und Augenerkrankungen.

Der Wilhelmshavener Tierarzt Ralf Michling hat in seiner Praxis immer häufiger mit leidenden Qualzucht-Tieren zu tun. Aufgrund der massiven Werbung mit Qualzuchten, insbesondere mit Französischen Bulldoggen und Möpsen, sei die Anzahl der Halter solcher Rassen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. „In unserer Praxis werden an Qualzuchten zurzeit recht häufig Französische Bulldoggen, Scottish Fold und Perserkatzen vorgestellt“, sagt der Tiermediziner.

Die Beschwerden seiner Hundepatienten sind typisch und reichen bei brachyzephalen Rassen von Atemnot bis zu gastroentestinalen Problemen, die den Magen-Darm-Trakt und die verbundenen Organe betreffen, degenerativen Wirbelsäulenveränderungen, Allergien, Augenerkrankungen, neurologischen und Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Teure Operationen

Bei Scottish-Fold-Katzen sind dauerhafte Schmerzen und Leiden meist sogar derart stark, dass eine abschließende Behandlung in der Regel nicht mehr möglich ist. „Insbesondere bei Scottish Fold kommt es nicht selten vor, dass diese Tiere in den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren eingeschläfert werden müssen, weil die Schmerzen und das damit verbundene Leid trotz Behandlung nicht zu vertreten sind“, so Michling. Bei degenerativen Wirbelsäulen- oder anderen neurologischen Erkrankungen ergebe sich in einigen Fällen auch bei anderen Qualzuchten die Notwendigkeit des Einschläferns.

Die häufigsten Maßnahmen, die er etwa bei brachyzephalen Tieren durchführen muss, sind das Kürzen des Gaumensegels und die Vergrößerung der Nasenlöcher. Bei Shar-Pei–Hunden beispielsweise sind es die Entfernung überschüssiger Haut im Kopfbereich sowie eine Korrektur der Augenlider. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass vielen Tieren damit deutlich mehr Lebensqualität verschafft werden kann“, sagt der Tiermediziner.

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Operationen im Zusammenhang mit dem brachyzephalen Atemwegssyndrom dürfen in der Regel nur von spezialisierten Veterinärchirurgen in entsprechend ausgestatteten Praxen und Kliniken durchgeführt werden, da es sich meist um aufwendige und risikobehaftete Eingriffe handelt. Auch die Kosten sind nicht zu unterschätzen. Etwaige operative Eingriffe im Zusammenhang mit Qualzuchten kosten nicht selten zwischen 900 und 3000 Euro.

Verbot schwer kontrollierbar

„Im Idealfall sollten Qualzuchten generell verboten und auch durch die großen Verbände und Rasseausstellungen nicht mehr gefördert und zugelassen werden“, urteilt Michling. Eine Haltung, die auch der Deutsche Tierschutzbund teilt. Lisa Hoth-Zimak ist Tierärztin und Fachreferentin beim Deutschen Tierschutzbund. Das Thema Qualzucht ist ihr und ihrem Verein ein Herzensthema. Denn obwohl im deutschen Tierschutzgesetz – Paragraph 11b – ein Qualzuchtverbot existiert, scheinen Angebot und Nachfrage nach wie vor groß.

Das Problem macht Hoth-Zimak unter anderem an der Umsetzung des Verbots fest. „Veterinärämter und Juristen haben sich des Themas kaum angenommen“, sagt sie. Sie könnten sich zwar an dem Qualzucht-Gutachten einer Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft orientieren, trotzdem müssten sie von Fall zu Fall Entscheidungen treffen, so die Tierärztin. Eine Lösung sieht die Fachreferentin in der Gesetzgebung und somit im Handeln der Politik. „Um besser gegen Qualzuchten vorgehen zu können, ist aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes eine Konkretisierung des Qualzuchtparagraphen notwendig“, erklärt sie. Zudem brauche das Tierschutzgesetz dringend eine Erweiterung, die klar definiere, was als Qualzucht gilt, sagt Hothz-Zimak.

Gegen das Tierleid versucht der Tierschutzbund, mit verschiedenen Strategien vorzugehen. Aufklärungsarbeit leistet man in sozialen Medien und bei Kongressen. Dort werden laut Hoth-Zimak wichtige Aspekte der Qualzucht thematisiert. Des Weiteren hat der Tierschutzbund bei der Erstellung des Qualzucht-Gutachtens mitgewirkt. Darin werden Tierzuchtmerkmale aufgeführt, die beim Tier zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen, und für bestimmte Merkmale Zuchtverbote empfohlen. In diesem Monat findet erstmals ein Seminar zum Thema für Amtstierärzte statt. Es soll laut Lisa Hoth-Zimak bei der Umsetzung des bestehenden Qualzuchtverbots helfen.

 

Infos

  • www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/Gutachten-Leitlinien/Qualzucht.html
Der sogenannte Retro-Mops hat eine längere Schnauze.
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