Haustiere
Katzen aus dem Tierheim: Was Interessenten erwartet
Wer feststellt, dass daheim doch ein Plätzchen für eine Katze frei ist, kann sich an ein Tierheim wenden. Hier warten Persönlichkeiten jeden Alters mit ihren unterschiedlichen Vorgeschichten und Charaktermerkmalen darauf, ein Zuhause auf Dauer zu finden. Wie eine solche Vermittlung funktioniert und was beim Einzug zu beachten ist, weiß Tierärztin Anne Knauber, Vorsitzende des Kaiserslauterer Tierschutzvereins, dem das Tierheim Carl Hildebrand angegliedert ist.
Katzen haben den Ruf Einzelgänger zu sein, und sie gelten gemeinhin als pflegeleicht. Beides trifft aber oft nicht zu. „Mit einer Katze muss ich nicht wie mit einem Hund Gassi gehen, das ist klar. Aber sie braucht auch Zuwendung, Aufmerksamkeit und ihre Spiel- und Streicheleinheiten. Der Zeitfaktor wird oft unterschätzt“, weist Knauber darauf hin, dass Miezen durchaus gerne Gesellschaft haben, ob zwei- oder vierbeinige. Aus diesem Grund vermittelt das Tierheim an Berufstätige keine Einzelwohnungskatze, sondern ein Geschwisterpärchen oder ein Duo, das sich prächtig miteinander versteht. Ausnahmen sind „Einzelprinzen und -prinzessinnen“, die partout keine andere Hoheit neben sich dulden.
„Plan B“ muss da sein
Das Kaiserslauterer Tierheim ist Mitglied im Deutschen Tierschutzbund und erhielt 2014 die Auszeichnung „Tierheim nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes“. Das bedeutet, eine Vermittlung verläuft nach den Vorgaben dieses Dachvereins und der Interessent muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört außer der Volljährigkeit – ansonsten gibt es keine Altersbeschränkung – , dass er die Versorgung des Tieres zu jedem Zeitpunkt sicherstellen kann. „Wir erwarten von jedem, der eine Katze adoptiert, dass er einen Plan B hat“, hält Knauber fest. Die Frage „Was wäre, wenn…?“ muss beantwortet sein, sprich, die Katze muss auch bei Abwesenheit wie einem Krankenhausaufenthalt oder gesundheitlichen Problemen des Besitzers in ihrem gewohnten Umfeld umsorgt sein. Zudem sollte sich der potenzielle Besitzer im Klaren darüber sein, dass außer laufenden Kosten auch höhere Ausgaben wegen Krankheit oder Unfall entstehen können.
Welche Katze infrage kommt, hängt von der Wohnsituation ab. Handelt es sich um ein Zuhause in der Stadt oder nahe bei stark befahrenen Straßen, ist ein Freigänger nicht geeignet. Hier kann sich aber eine Wohnungskatze, eventuell mit einem gesicherten Balkon, wohlfühlen. Wartet ein Zuhause auf dem Land auf den künftigen Mitbewohner, kann es ein Spaziergänger sein, der bestenfalls mittels Katzenklappe selbst entscheidet, ob er gerade das Abenteuer draußen oder lieber ein kuscheliges Schlafplätzchen sucht. „Wichtig ist vor allem“, betont die Tierärztin, „dass die Bedürfnisse der Katze erfüllt werden.“ Entscheidend ist dabei auch, ob sie einer Einzelperson Gesellschaft leisten soll oder in einem turbulenten Familienhaushalt mit Kindern unterkommt. Nur wenn Interessent und Katze zueinander passen, kann das Zusammenleben dauerhaft funktionieren.
Die Tierheimmitarbeiter kennen, bevor sie eine der Fellnasen vermitteln, deren Persönlichkeit und auch ihre Mucken. Auf der Homepage der Kaiserslauterer Einrichtung sind einige der Bewohner mit Foto und einer kurzen Beschreibung aufgeführt. Es kann durchaus sein, dass hier der Zusatz „Katzenerfahrung erforderlich“ zu lesen ist. Eine Handaufzucht oder ein zu frühes Trennen von der Mutter können Gründe dafür sein, dass eine „Kratzbürste“ auf Wohnungssuche ist. „Da muss man die Körpersprache gut lesen können“, sagt Knauber. „Solche Problemfälle sind meistens nicht für einen Haushalt mit Kindern geeignet.“
Bei einem Erstgespräch, das aktuell telefonisch stattfindet, erfragt das Tierheimpersonal die Rahmenbedingungen für ein Katzenleben im neuen Domizil und erhält so schon eine Vorstellung davon, welches der Tiere als künftiger Mitbewohner geeignet sein könnte. Dann kann ein Besuch mit einem ersten Kennenlernen vereinbart werden. „Man sollte sich Zeit mit den Tieren lassen, eher zurückhaltend sein und warten, bis die Katze auf einen zukommt“, gibt Knauber einen Tipp. „Manchmal passt es auf Anhieb. Da gibt es auch mal Liebe auf den ersten Blick.“ In der Regel erfolgt jedoch ein langsames Kennenlernen, bei dem sich Wohnungsgeber und neuer Mitbewohner bei mehreren Besuchen aneinander herantasten.
Hat das alles geklappt, steht einem Vertragsabschluss nichts mehr im Wege. Der neue Besitzer zahlt eine Schutzgebühr, deren Höhe zwischen 50 und 150 Euro liegt. Damit finanziert das Tierheim einen Teil der Kosten für die medizinische Versorgung, die Kastration, das Impfen und Entwurmen. Katzen, die eine oder mehrere Grunderkrankungen mitbringen und regelmäßige Untersuchungen, Spezialfutter oder Medikamente benötigen, können nicht adoptiert, sondern nur an Paten vermittelt werden. Bei ihnen leben sie in einem neuen Zuhause, werden aber weiterhin über den Kaiserslauterer Tierschutzverein medizinisch betreut.
Nicht bedrängen
Daheim angekommen, sollte dem Tier Ruhe und Zeit gegeben werden. Die Vorsitzende rät, erst einmal nur einen Raum mit der erforderlichen Ausstattung zur Verfügung zu stellen und mit Geduld vorzugehen. „Den Korb nur öffnen, nicht die Katze herausholen, und sich selbst zurückziehen und abwarten, bis sie von alleine kommt. Es gilt das Grundprinzip: Nicht bedrängen.“ Hat die Neugier die Scheu besiegt, können Leckerchen und Spielzeug helfen, Kontakt aufzubauen. Ist das Tier sehr unsicher, können bestimmte Duftstoffe oder natürliche Präparate Entspannung bringen. Abhängig vom Charakter der Tiere dürfen nach und nach weitere Räume ausgekundschaftet werden. Doch bevor das Abenteuer draußen lockt, sollten mindestens zwei Wochen vergehen. Erst dann empfiehlt Knauber einen begleiteten Freigang, gerne mit den Lieblingssnacks in der Tasche.
Sollten nach der Vermittlung Probleme auftauchen, steht das Tierheimteam den Katzenfreunden weiterhin beratend zur Seite. „Wir wollen ja, dass die Katze für immer in ihrem neuen Zuhause bleiben kann“, betont Knauber.