Exoten RHEINPFALZ Plus Artikel Dornteufel mit ausgefeiltem Wassermanagement

Dornteufel sehen gefährlich aus, sind aber harmlos.
Dornteufel sehen gefährlich aus, sind aber harmlos.

In Australien leben die giftigsten Tiere der Welt. Die in den Trockengebieten des Kontinents heimische und komplett mit Stacheln bedeckte kleine Echsenart mit dem passenden Namen Dornteufel gehört allerdings nicht dazu. Gift gegen Fressfeinde brauchen Dornteufel nicht – sie setzen auf etwas anderes.

Dornteufel (Moloch Horridus), im englischen Thorny Devil, Thorny Dragon oder Mountain Devil, sind ausschließlich in den sandigen, zum Teil buschigen Trockengebieten Zentral- und Westaustraliens, in Südaustralien und im westlichen Teil von Queensland beheimatet. An die Lebensbedingungen dieser eher unwirtlichen Regionen haben sich die tagaktiven Einzelgänger optimal angepasst. Gift, um ihre Beute zu töten oder Feinde abzuwehren, brauchen die kleinen „Drachen“ nicht.

Um Fressfeinde zu täuschen, können die Tiere wie Chamäleons ihre Farbe ändern und sich perfekt dem Untergrund anpassen, um als Teil ihrer Tarnung mit der Umgebung zu verschmelzen. In den roten Sandgebieten Mittelaustraliens ist auch ihre Farbe rötlich. In helleren Sandgebieten ist sie entsprechend gefärbt, in Buschregionen auch hellbraun-dunkelbraun gefleckt. Diese Fähigkeit hilft dem Reptil auch, die Temperaturen optimal zu nutzen. In den kühlen Morgenstunden ist die Färbung dunkler, um die Wärme besser aufnehmen zu können, in den heißen Nachmittagszeiten ist sie heller.

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„Ersatzkopf“ täuscht Feinde

Die namensgebenden, aus Keratin bestehenden Dornen bedecken den gesamten Körper des Tieres. Zwei Hornplatten am Kopf vervollständigen den Teufels- oder Dracheneindruck. Im Nacken befindet sich ein stacheliger Fetthöcker, der Fressfeinden als Kopfersatz präsentiert werden kann, während sich der richtige Kopf wegduckt.

Die weiblichen Dornteufel sind mit maximal 20 Zentimetern Länge größer als die männlichen Vertreter, die maximal 16 Zentimeter lang werden. Stämmige Beine tragen den Rumpf, der in einen langen, kräftigen Schwanz übergeht. Ihn halten die Echsen beim Laufen gern nach oben gereckt, können ihn aber auch als Stütze nutzen, wenn sie sich aufrichten.

Ihr Aktionsradius ist sehr unterschiedlich und abhängig von ihrer Nahrung. Sie können lange an einem Ort bleiben oder weitere Strecken zurücklegen. Messungen ergaben, dass sich Männchen etwa 66 Meter und Weibchen 32 Meter pro Tag fortbewegen. Dornteufel sind nicht territorial, mehrere Tiere nutzen dieselben Areale.

Ausgefeilte Jagdmethode

Die Nahrung der Reptilien besteht ausschließlich aus kleinen, schwarzen Ameisen, die nur in den begrenzten Regionen Australiens vorkommen. Die Jagdmethode ist ausgefeilt. In strategisch günstiger Position stehen Dornteufel neben einer Ameisenstraße und sammeln ihre Beute mit der langen, klebrigen Zunge ein. Dabei ist es egal, ob die Straße am Boden ist oder an Pflanzenstämmen nach oben führt: Die Echsen stellen sich bei der Ernte auch auf die Hinterbeine.

Um genügend Energie aus der wenig nahrhaften Beute zu bekommen, benötigen Dornteufel etwa 750 bis 1000 Ameisen pro Tag sowie einen großen Magen. Um die harten, chitinhaltigen Beutetiere kauen zu können, haben sich die Zähne angepasst. Die Backenzähne des Unterkiefers passen exakt zwischen die des Oberkiefers und können so die Beute wie eine Schere zerkleinern.

Wie alle Tiere benötigen Dornteufel Wasser, wenn auch nicht viel. Das in der Wüste eher rare Gut erfordert eine beachtliche Anpassung der Körperstruktur der Reptilien. Besonders in den Morgenstunden wird die durch die extremen Tag-Nacht-Temperaturunterschiede der Wüstenregion entstandene Feuchtigkeit aus Tau, Nebel oder im Sand aufgefangenen Wassertropfen in den Rinnen zwischen den wabenförmigen Schuppen gesammelt. Der hydrophile, das heißt wasseranziehende Effekt der Schuppenstruktur sorgt dafür, dass der entstandene Wasserfilm dort auch bleibt und über das Kapillarsystem zwischen den Schuppen zum Maul transportiert wird. Pro Tag benötigt ein Dornteufel nur 0,3 Milliliter Wasser.

Schutz unter der Erde

Dornteufel sind als Reptilien temperaturabhängig. In den sehr heißen Monaten Januar und Februar sowie den kältesten Monaten Juni und Juli ziehen sie sich in einen selbst gegrabenen Bau zurück. Die kalten Wüstennächte verbringen sie ebenfalls in einem Bau oder unter Büschen und kommen bei steigenden Temperaturen in die Sonne, wo sie den Tag in langsamer, ungleichmäßiger Fortbewegung auf der Suche nach Ameisen und Wasser verbringen. Oder, um eine von ihnen ausgewählte Stelle aufzusuchen, an der sie ihr Geschäft verrichten.

Wenn die Zeit kommt, einen Partner zur Fortpflanzung zu finden, werden die Dornteufel-Wege auch mal länger. Zwischen August und Dezember legt das Weibchen drei bis zehn Eier in eine etwa 20 Zentimeter tiefe Mulde im Boden, die sie im Anschluss an die Eiablage auffüllt. Danach verwischt sie ihre Spuren.

Die nur 6,5 Zentimeter großen Jungtiere schlüpfen nach etwa drei bis vier Monaten in kompletter Stachelmontur und sind von Anfang an auf sich allein gestellt. Ihre erste Mahlzeit besteht aus den Resten ihres Eies. Dornteufel haben in freier Wildbahn eine durchschnittliche Lebenserwartung von sechs Jahren, vermutlich können sie aber bis zu 20 Jahre alt werden.

Erstarren und Aufpumpen

Gegen Fressfeinde wie Greifvögel, Schlangen, Dingos, Warane oder Füchse setzen Dornteufel hauptsächlich auf ihre Tarnung. Außer der farblichen Tarnung können sie in der Bewegung erstarren und sehen dadurch aus wie ein verdorrtes Blatt. Werden sie dennoch entdeckt, ducken sie den Kopf weg und präsentieren den Nackenhöcker. Wenn sie sich dazu noch aufpumpen, sind die kleinen, stacheligen Tiere für ihre Fressfeinde zudem schwerer zu schlucken.

Der Mensch ist als Feind ausnahmsweise ein geringer Faktor, da das Interesse an Dornteufeln als Haustiere, Trophäen oder medizinisches Wundermittel sehr gering ist. Durch ihre sehr einseitige Ernährung sind sie in Gefangenschaft auch nur schwer zu halten. So verwundert es nicht, dass sie Besuchern nur im Alice Springs Desert Park und Alice Springs Reptile Park gezeigt werden. Problematisch nicht nur für Dornteufel sind die Straßen, die durch das Outback ziehen, auf denen viele Tiere überfahren werden.

Über die Populationsgröße gibt es keine genauen Angaben. Die Echsen sind sehr schwer zu erkennen und zu zählen. In der roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) aus dem Jahr 2017 ist die Art als ungefährdet eingestuft.

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