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Wandertipps: Die schönsten Touren in der Pfalz
Busenberger Holzschuhpfad: Über Wurzeln und Pfade
Strecke: 24 km; Dauer: 8 Stunden; Aufstieg: 794 hm; Abstieg: 794 hm.
Wer hier bereits aufhört, diesen Beitrag zu lesen, weil ihm 24 Kilometer zu weit, acht Stunden zu lang und knapp 800 Meter zu schweißtreibend sind, dem sei gesagt: Auch der Autor dieses Stückes hat den Holzschuhpfad noch nie an einem Tag bewältigt. Das macht aber nichts, denn diese Rundwanderung um das Wasgau-Dorf Busenberg kann problemlos in drei Teilstrecken portioniert und häppchenweise bewältigt werden. Und da der Holzschuhpfad mehrere Superlative aufweist, wäre es einfach schade, ihn links liegen zu lassen.
Da ist der Abwechslungsreichtum: Mal geht es durch dichte Wälder, mal durch verträumte Täler und offene Wiesenlandschaften. Und über allem thronen leuchtend rote Felsen aus Buntsandstein, die man erwandern kann, ohne dafür klettern zu müssen. Gleich zehn Panoramapunkte mit einfach grandioser Aussicht weist der Holzschuhpfad auf, von den hohen Pfeilern der Puhlsteine bis zur Ruine der Felsenburg Drachenfels. Ein weiterer Pluspunkt sind die meist schmalen Pfade, auf der die Route verläuft, mal über weichen Waldboden, mal über knorrige Wurzeln. Und gleich zwei Einkehrmöglichkeiten liegen am Wegesrand: der Weißensteiner Hof und die vom Pfälzerwald-Verein bewirtschaftete Drachenfelshütte.
Ein geeigneter Startpunkt ist das Hexenplätzel in Busenberg. Wenn die Beine zu müde werden, kann man die Tour am Weißensteiner Hof abbrechen und direkt zum Start zurückkehren. Oder man wählt die Variante vom Drachenfels ins Scharbachtälchen und zum Sprinzelfelsen. Wie auch immer: Die Orientierung ist einfach. Das fünfeckige weiße Logo mit dem Holzschuh weist zuverlässig den Weg. Rolf Gauweiler
Althornbacher Spürnasenweg: Bloß nicht hetzen
Strecke: 14,4 Kilometer; Dauer: 2,5 Stunden; Aufstieg: 365 hm; Abstieg: 346 hm.
Eins vorweg: Die Dauer der Wanderung wird mit zweieinhalb Stunden angegeben, aber das reicht nicht, es sei denn, man rast im Sauseschritt durch die Landschaft, ohne auch nur ein einziges Päuschen einzulegen. Und das wäre schade, denn der Spürnasenweg bietet tolle Gelegenheiten zum Rasten, Sitzplätze und Fernblicke inklusive. Man sollte deshalb eher vier Stunden ansetzen, manche brauchen auch sechs. Ob flott oder gemächlich, fest steht, dieser Wanderweg macht Spaß. Er kann auch in zwei Etappen angegangen werden, wenn die fast 15 Kilometer auf einmal zu viel sind. Los geht’s an der Linde in Althornbach, von dem man sich während der ganzen Wanderung nicht weit wegbewegt. Durch die raffinierte Streckenführung kommt es einem aber vor, als laufe man durch ständig wechselnde Land- und Ortschaften.
Tatsächlich kommt man nach einem weiten Schlenker am Hornbachtal entlang, hinauf zum Aussichtspunkt Rothecke, vorbei an einem Modellflugzeugplatz und durch den Wald bei Rimschweiler zwischendurch noch mal in Althornbach raus, aber an einer ganz anderen Stelle. Über ein Treppchen im Ort geht’s weiter ins Tal mit Fischweiher und glucksendem Bächlein, dann wieder hinauf auf eine Anhöhe mit sagenhaftem Ausblick bis ins Saarland und nach Frankreich. Auf der nächsten Anhöhe wartet wieder ein toller Ausblick, diesmal auf die alte Klosterstadt Hornbach. Durch Wald, Wiesen und Felder geht’s zurück zur Ausgangslinde. Auf und nieder immer wieder, könnte man die Strecke kurz beschreiben, oder auch Aah und Ooh, wenn sich immer wieder plötzlich die weite Natur oder ein reizendes Fleckchen vor einem auftut. Supersportlich muss man nicht sein, wenn man nicht hetzt und in seinem Tempo läuft. Habe ich selbst ausprobiert. Ach so, eins noch: Den Rucksack mit Essen und Trinken nicht vergessen, und auch nicht die Pinkeltempos!
Auerochsentour bei St. Martin: Für die Kleinsten
Strecke: 4,6 Kilometer; Dauer: 1,5 bis 2 Stunden; Aufstieg: 117 hm; Abstieg: 117 hm
Familien mit kleinen Kindern kennen das Problem: Große Wanderstrecken kilometerweit durch den Wald sind oftmals noch zu anstrengend für den Nachwuchs. Die Auerochsentour bei St. Martin überzeugt deshalb nicht nur mit viel Abwechslung entlang des Weges, sondern kann mit rund vier Kilometer Länge und nur kleinen Steigungen auch schon von den Allerkleinsten bewältigt werden. Gestartet wird vom Parkplatz an der Grillhütte. Von dort aus beginnt der gut markierte Weg rund um das circa 40 Hektar große Beweidungsgebiet der Ochsen.
Die Herde wird hier als Landschaftsgestalter zur extensiven Beweidung in einem lichten Kiefernwald eingesetzt. Aus dem über 100-jährigen Kiefernwald soll so nach und nach eine lichtdurchflutete Landschaft als Rückzugsort für geschützte Tiere und Pflanzen werden. Wer Glück hat, kann auf der Wanderung also nicht nur die Wildrinder aus nächster Nähe am Wegesrand beobachten, sondern entdeckt auch Buntspechte, Laufkäfer oder Libellen, die durch das Projekt besonders gefördert werden sollen. Zurück am Parkplatz lädt zum Abschluss auch noch der angrenzende Erlebnispfad rund um den Sandkistenweiher inklusive Hängebrücke und Sandbad zum Verweilen ein.
Isenachweiher - Rahnenhof: Verwunschene Wege
Strecke: ca. 14 Kilometer; Dauer: 4 Stunden; Aufstieg: 421 Meter; Abstieg: 204 Meter
Verblüffend nah beieinander liegen der Isenachweiher und das Naturfreundehaus Rahnenhof in Hertlingshausen. Legt man die Strecke mit dem Auto zurück, ist man etwa eine halbe Stunde unterwegs. Schöner und entspannender ist sicher eine Wanderung durch den Wald – und auch deutlich einsamer. Die Menschenmassen, die sich an den wenige Kilometer entfernten Hotspots drängen, gibt es hier nicht. Erstaunlich bei dieser wunderschönen Natur und den leicht begehbaren Wegen. Startpunkt sind der Parkplatz oder die Bushaltestelle am Forsthaus zur Isenach, wo eine urige Gastwirtschaft, ein großer Biergarten, ein Spielplatz und die Möglichkeit zum Leihen von Ruderbooten locken – aber erst am Ende, wenn die Tour geschafft ist.
Die erste Etappe führt am Isenachweiher entlang, einem zu jeder Jahreszeit herrlichen Stausee. Ein Abstecher zur Isenachquelle ist nur ein kleiner Umweg. Jene Isenach, die Sonntag für Sonntag Hunderte Menschen in den Bad Dürkheimer Kurpark lockt, ist hier ein hübsches Flüsschen inmitten verlassener Natur. Zwischenziel der Wanderung ist eins von mehr als 700 europäischen Naturfreundehäusern, nämlich der Rahnenhof in Hertlingshausen. Hier kann man ebenfalls gutbürgerlich essen, eine Runde auf dem Spielplatz schaukeln – oder direkt übernachten. Falls man seine Zahnbürste vergessen hat, läuft man auf ähnlich verwunschenen Wegen wieder zurück.
Alte-Welt-Weg ab Heimkirchen: Abgeschieden
Strecke: 10,4 Kilometer; Dauer: 3 Stunden, Aufstieg: 276 hm, Abstieg: 276 hm
Wer es abgeschieden mag, ist auf dem Naturlehrpfad „Alte Welt“ richtig. Wanderer-Massen gibt es hier bei Heimkirchen im nördlichsten Zipfel des Landkreises Kaiserslautern auch am Wochenende nicht. Startpunkt ist am Parkplatz bei der Kirche. Die Tour kann vom sportlichen Wanderer durchgezogen werden über Pfade, Feldwege und auch ein Stückchen Straße, die aber wenig befahren ist. Oder die Familie nimmt sich Zeit, um die Schautafeln über die Kulturlandschaft der „Alten Welt“ zu studieren, Fuchs, Hase und Dachs als überlebensgroße Aufsteller zu begrüßen oder den Bienenschaukasten zu bewundern. Es geht auf und ab, herrliche Ausblicke locken von jeder Anhöhe im Nordpfälzer Bergland mit seiner offenen, agrarisch geprägten Landschaftsstruktur.
Der Weg ist gut ausgeschildert und auch die Abzweigung zur begehbaren Sonnenuhr auf dem Reiserberg ist nicht zu verfehlen. Ein Abstecher von zwei Kilometern, der sich lohnt, dort könnte allerdings ein bisschen mehr los sein. Wer sich für Himmelskörper interessiert oder einfach etwas länger wandern will, kann ab hier noch den Planetenweg gehen, der auf seinen gut sieben Kilometern das Sonnensystem im Maßstab 1:1,4 Milliarden nachstellt. Auf dem Rückweg nach Heimkirchen über den Hohlbornerhof kann der Besucher im Bauernhofmuseum der Familie Pfleger (Mitte Mai bis Oktober, Anmeldung unter 06363 5205) mehr erfahren über die „Alte Welt“, den früher ärmlichen Landstrich in der Westpfalz, der im Gegensatz zur „Neuen Welt“ keine Bahnanbindung hat(te).
Mittagsfels bei Niederalben: Die Kuhschelle blüht
Strecke: 10 km; Dauer: 3 h; Aufstieg: 314 hm; Abstieg: 314 hm.
Ende März ist genau der richtige Zeitpunkt für die kleine Tour aus dem Pfälzer Bergland. Denn jetzt ist die Zeit, zu der am Mittagsfels bei Niederalben (Kreis Kusel) die seltene Kuh- oder Küchenschelle blüht. Die lilafarbene Pflanze ist streng geschützt und in der freien Natur nur noch selten zu finden. Als Start- und Zielpunkt der Wanderung bietet sich der Friedhof von Niederalben an (Parken in der Dorfmitte), von dort geht es auf einem Teilstück des insgesamt 62,2 Kilometer langen Veldenz-Wanderwegs steil bergauf. Festes Schuhwerk und keine Angst vor Zecken vorausgesetzt, aber das kennen Profi-Wanderer ja. Nach (und mit Pausen schon bei) dem fordernden Anstieg belohnt der Ausblick ins Steinalbtal und ins Glantal. Doch bei der Tour sollten Wanderer den Blick nicht nur in die Ferne schweifen lassen, denn im Naturschutzgebiet Mittagsfels gibt’s auch direkt vor der Nase viel zu entdecken, beispielsweise seltene Schmetterlingsarten, gefährdete Vogelarten und für die Gegend ungewohnt schroffe Felsformationen. Wichtig: Auf dem Plateau oben angekommen, lässt sich herrlich rasten. Von hier führen mehrere Wege (je nach Lust, Zeit und Ausdauer) zurück nach Niederalben.
Dimbacher Höhenweg: Kraxeln im Sandstein
Strecke: 9,8 km; Dauer: 3-4 h; Aufstieg: 469 hm; Abstieg: 469 hm.
Herausragend ist das Prädikat, das am besten zum Dimbacher Buntsandstein Höhenweg passt, und das in zweifacher Hinsicht: Zum einen, weil die knapp zehn Kilometer lange Strecke zum großen Teil über die Höhen rund um das südlich von Annweiler gelegene Dimbach verläuft und stets von Neuem grandiose Ausblicke auf den Wasgau ermöglicht. Zum anderen, weil der sehr gut markierte Premium-Wanderweg vieles in sich vereint: gut zu erreichen, in drei bis vier Stunden zu bewältigen, abwechslungsreich und auch für eher lauffaule Angehörige der Generation Netflix etwas bietend. Allerdings ist die Tour nichts für die ganz Kleinen, da sie eine solide Kondition und vor allem Trittsicherheit erfordert.
Los geht’s knackig, vom Wanderparkplatz am Ortseingang von Dimbach führt der Pfad durch den dichten Wald steil bergan zum Felsmassiv des Falkensteins und dann auf den Höhenzug des Dimberges. Im Lauf der Wanderung sind drei heftigere Anstiege zu bewältigen. Belohnt wird der Schweißverlust aber dann oben, spätestens auf dem Rötzenberg mit dem beeindruckenden Rötzenfels, der allerdings einige Monate zum Schutz brütender Wanderfalken gesperrt ist (stets vorher informieren!). Von dort schweift der unverstellte Blick über den Pfälzerwald. Im Süden, nicht weit entfernt, liegt die Burgruine Lindelbrunn. Die ehemalige Reichsfeste ist mit einem kleinen Abstecher zu erreichen. Spätestens beim Tankstopp im Cramerhaus wird der möglicherweise nörgelnde Nachwuchs besänftigt. Und kann Kraft sammeln für den nächsten Aufstieg zum rund 450 Meter hohen Immersberg, wo es wieder an den beeindruckenden Klippen und Formationen des Buntsandsteins entlanggeht. Oder mittendurch. Oder obendrüber. Jedenfalls mit Gelegenheit, selbst hier und da ein wenig zu kraxeln. Über den Häuselstein und den Weimersberg geht es dann zurück ins Dorf Dimbach.