Gesundheit RHEINPFALZ Plus Artikel Kontaktlinsen: Nicht für jeden geeignet

Hart oder weich: Welche Kontaktlinse die richtige ist, hängt auch von den Ansprüchen des Trägers ab.
Hart oder weich: Welche Kontaktlinse die richtige ist, hängt auch von den Ansprüchen des Trägers ab.

Wer statt einer Brille Kontaktlinsen trägt, läuft eher Gefahr, eine Hornhautentzündung am Auge zu erleiden. Ein Experte erklärt, was bei der Hygiene zu beachten ist und welche Vorteile harte Linsen haben.

Laut einer aktuellen Studie des University College in London haben Kontaktlinsenträger ein dreifach erhöhtes Risiko, an einer sogenannten Acanthamoeba-Keratitis zu erkranken. Das ist eine Amöbeninfektion des Auges, die schlimmstenfalls zur Erblindung führen kann. Leben also die rund 3,5 Millionen Kontaktlinsenträger in Deutschland gefährlich? Wir sprachen mit dem Augenarzt Claus Cursiefen vom Universitätsklinikum Köln unter anderem über diese seltene Infektion der Hornhaut, wie man sich davor schützen kann und was man generell bei der Entscheidung für Kontaktlinsen beachten sollte.

Herr Professor Cursiefen, eine Verdreifachung des Risikos für eine Erkrankung, die zur Erblindung führen kann. Das wäre natürlich schlimm, wenn die Krankheit ohnehin schon häufig vorkäme…
Ja, aber das ist glücklicherweise nicht der Fall. Die Acanthamoeba-Keratitis ist ausgesprochen selten. Sie betrifft nur einen geringen Prozentanteil der Hornhautentzündungen, die im Zusammenhang mit Kontaktlinsen auftreten. Aber die Studie bestätigt schon, was wir hier bei uns am Klinikum auch sehen: Das Tragen von Kontaktlinsen ist einer der größten Risikofaktoren für das Entstehen einer Hornhautentzündung. Etwa jede zweite ist mit dem Tragen von Kontaktlinsen verknüpft.

Im Falle der Acanthamoeba-Keratitis wird die Entzündung ja durch eine Amöbe, also einen Einzeller ausgelöst. Wie wird so etwas überhaupt behandelt? Die üblichen Antibiotika – Amöben sind keine Bakterien – helfen da wohl nicht, oder?
Doch, allerdings eher indirekt. Denn diese Amöben ernähren sich von Bakterien, und die kann man mithilfe von Antibiotika ausschalten. Insgesamt ist die Therapie jedoch komplex, da kommen auch amöbizide Substanzen zum Einsatz, die man stündlich oder sogar halbstündlich in die Augen tropfen muss, und das mehrere Monate lang. Am Ende kann man trotzdem oft eine Hornhauttransplantation oder sogar die Erblindung nicht verhindern. Die Acanthamoeba-Keratitis ist wirklich fies, die will man nicht haben.

Kann man sie denn wenigstens präventiv verhindern?
Ja, und das betonen auch die Autoren der englischen Studie. Die Amöben kommen nämlich überwiegend aus dem Leitungswasser in die Augen. Eine Form der Prävention besteht also darin, dass man nicht mit Kontaktlinsen unter die Dusche oder ins Schwimmbad geht. Außerdem sollten sie mit Kochsalzlösung und nicht mit Leitungswasser gereinigt werden. Oder aber man steigt komplett auf Linsen um, die täglich gewechselt werden.

Aber es gibt ja sicherlich noch andere Probleme, die durch Kontaktlinsen entstehen können. Wie sieht es denn mit Unverträglichkeiten aus?
Ja, die gibt es natürlich. Wobei das ein Oberbegriff für ganz unterschiedliche Probleme ist. Dahinter können allergische Reaktionen stecken oder auch ein schwacher Tränenfilm beim Linsenträger. Ein längerfristiges Tragen der Kontaktlinsen kann aber auch die Hornhautnerven schädigen, was beispielsweise zu schweren Formen des Trockenen Auges führen kann. Das Tragen der Kontaktlinsen kann dadurch sehr unangenehm werden.

Kann man dann überhaupt noch Linsen tragen?
Nein, erst einmal nicht. Meistens muss man bei den Linsen eine Pause einlegen, oft für mehrere Monate, damit sich die Nerven erholen können.

Wie lange dauert es generell, bis man sich an Kontaktlinsen gewöhnt hat?
Viele Patienten sind erstaunt, wie wenig sie spüren, wenn man ihnen zum ersten Mal Kontaktlinsen aufsetzt – besonders, wenn es sich um flexible Linsen handelt. Aber man sollte schon eine gewisse Eingewöhnungszeit einkalkulieren. Ob dazu ein paar Stunden oder ein paar Wochen gebraucht werden, hängt von der Empfindlichkeit des Trägers ab und von der Art und dem Sitz der Linse.

Es ist ja eine ebenso bekannte wie berüchtigte Szene: Alle krabbeln auf dem Boden herum und suchen ihn ab, weil jemand seine Kontaktlinsen verloren hat. Kommt das häufig vor?
Nein. Denn gut angepasste Kontaktlinsen kommen nicht unmittelbar mit der empfindlichen Hornhaut in Berührung, sondern sie schwimmen auf dem Tränenfilm. Und dort werden sie durch Adhäsions-, also Haftkräfte gehalten, sie können also nicht so leicht verloren gehen.

Gibt es Menschen, die von vornherein auf Kontaktlinsen verzichten müssen, weil ihnen das schaden würde?
Ja. Dazu gehören etwa Menschen mit schwachem Tränenfilm oder Blutgefäß-Einsprossungen. Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Bindehaut ist man ebenfalls vorsichtig. Nicht zu vergessen ist schließlich, dass es Menschen gibt, die das Handling mit den Linsen einfach nicht hinbekommen. In manchen Aufbewahrungsbehältern sieht man tatsächlich schon etwas wachsen! Die notwendigen Hygiene-Standards sollte man schon umsetzen können. Und man sollte natürlich auch eine ruhige Hand beim Einsetzen der Linsen haben.

Wie sieht es denn mit stark verkrümmten Hornhäuten aus? Darauf kann man doch kaum eine Linse drapieren, oder?
Doch, kann man. Es gibt mittlerweile Linsen, die gar nicht mehr auf der Hornhaut aufliegen, sondern darüber eine Kuppel bilden, sodass sie nur auf dem weißen Teil der Augen, also auf der Sklera aufliegen. Damit kann man selbst extreme Verkrümmungen ausgleichen, wie sie etwa nach Unfällen auftreten. Beim Keratoconus – das ist eine degenerative Erkrankung der Hornhaut – kann man dadurch den Zeitpunkt der Operation nach hinten schieben oder sie sogar überflüssig machen. Dieses Fachgebiet ist allerdings sehr speziell, man muss da schon nach einem entsprechend qualifizierten Augenarzt oder Optiker suchen.

Es gibt bekanntlich harte und weiche Kontaktlinsen. Welche davon sind für welchen Patienten geeignet?
Die weichen sind eher für die moderaten Fehlsichtigkeiten gedacht, also leichte Kurz- und Weitsichtigkeiten. Sie sind vom Komfort in der Regel angenehmer als die harten.

Was heißt in diesem Falle Komfort?
Man kann sie leichter rein- und rausnehmen, und man spürt sie in der Regel auch nicht, sofern sie richtig sitzen. Das ist bei den harten anders. Da haben viele Patienten das Gefühl, dass auf ihrem Auge irgendetwas draufsitzt, was da nicht hingehört. Man gewöhnt sich zwar in der Regel daran, aber gerade jüngere Patienten lassen sich nur schwer davon überzeugen. Aus augenärztlicher Sicht rät man fast immer zu den harten, weil sie hygienisch sicherer sind.

Warum?
Sie sind aus einem Material, an dem weniger Pilze und Bakterien haften bleiben. Außerdem trocknet das Auge nicht so leicht aus. Man muss allerdings die harten Kontaktlinsen täglich rein- und rausnehmen.

Muss man das idealerweise nicht auch bei weichen Kontaktlinsen tun?
Nicht unbedingt. Da gibt es sogenannte Extended-Versionen, die dafür zugelassen sind, dass man sie über Nacht drin lässt, und das für eine oder mehrere Wochen. Aber dadurch steigt gleichwohl das Risiko, dass sich etwas unter ihnen ablagert oder kleinere Defekte entstehen, die dann potenzielle Eintrittspforten für Bakterien oder eben auch Amöben sind. Täglich gewechselte weiche Linsen sind deutlich sicherer als solche, die länger auf dem Auge bleiben.

Zur Person

Professor Dr. med. Claus Cursiefen ist Augenarzt und forscht unter anderem zu Hornhauttransplantationen und Immunreaktionen des Auges. Seit 2011 ist er Direktor des Zentrums für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln und seit 2020 Generalsekretär der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Claus Cursiefen
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