Im Garten RHEINPFALZ Plus Artikel Schlehe: Die dornige Schwester der Pflaume

Schlehen können im Garten sehr viel Raum einnehmen.
Schlehen können im Garten sehr viel Raum einnehmen.

Die dornigen Schwestern der Pflaumen, die Schlehen, sind manchmal zuhauf an Waldrändern zu finden. Vor allem ihre bläulich-schwarzen Früchte, die wie Minipflaumen aussehen, lassen sich nicht nur zum berühmten Likör verarbeiten. Auch im Garten machen sich die wehrhaften Gewächse nützlich.

Schlehen (Prunus spinosa) werden innerhalb der Steinobstgewächse der Gattung Prunus zugeordnet. Beachtet man den Artnamen spinosa sowie auch die volkstümlichen Bezeichnungen wie Schlehdorn, Schwarzdorn und Dornstrauch, so ergibt sich ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die Triebe dornig sind. Das gilt vor allem für die Wildformen der Schlehe. Insofern ist es auch nicht so weiter verwunderlich, dass Schlehen zur Familie der Rosengewächse gehören.

In der freien Landschaft sind Schlehen häufig als Heckenpflanze anzutreffen. Deshalb und wegen ihres dichten Wuchses und der Bedornung zählen Schlehen zu den wichtigsten Vogelschutzgehölzen. Der Strauch bietet vielen Arten Nahrung und Unterschlupf.

Intensives Wurzelsystem

Weil der Schwarzdorn ein intensives Flachwurzelsystem mit zahlreichen Wurzelschösslingen ausbildet, kann er sich auf offenen Flächen schnell ausbreiten. Aufgrund seiner Genügsamkeit ist der Strauch in der Lage, selbst flachgründige Felsböden sowie Lesesteinhaufen zu besiedeln. Auch wenn das wärmeliebende Wildgehölz recht anspruchslos ist, bevorzugt es sonnige Standorte mit lehmigen und kalkhaltigen Böden. Der Schlehdorn kann aber auch in tiefgründigen, nährstoffreichen und trockenen Böden gedeihen.

Das Wildobstgehölz wächst eher langsam und wird im ausgewachsenen Stadium meist nicht höher als drei Meter. Wem das dennoch zu hoch sein sollte, kann beruhigt die Heckenschere ansetzen, da Schlehen sehr gut schnittverträglich sind. Bei einem Rückschnitt sollte man sich aber immer an die gesetzlichen Vorgaben halten: Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es während der Brut- und Aufzuchtzeit der Wildvögel vom 1. März bis zum 30. September verboten, Hecken zu schneiden oder knapp über dem Boden zu kappen (Fachsprache: auf den Stock setzen).

Überreicher Blütenflor

Aufgrund der Bedornung und des dichten Wuchses eignet sich Prunus spinosa als Heckenpflanze und zur Grundstückseinfriedung. Ihren überreichen Blütenflor bringen Schlehen von März bis April hervor und decken damit Bienen und anderen Insekten schon frühzeitig im Jahr den Tisch. Dabei verströmen die zarten, schneeweißen Blüten einen herrlichen Duft. Sie bilden einen sehr dekorativen Kontrast zu den älteren, schwarzen Zweigen. Denn während die einjährigen Triebe eine rötlich-braune Rinde aufweisen, verfärben sie sich im folgenden Jahr schwarz.

Gute Garanten dafür, dass sich aus den Blüten zahlreiche Früchte entwickeln können, sind eine Bestäubung durch fleißige Insekten sowie das Ausbleiben von Spätfrösten. Zunächst sind die Schalen der Früchte grün und nehmen im Laufe des Sommers ihre schwarzblaue Färbung an. Ähnlich wie bei ihren Verwandten, den Zwetschgen, sind auch Schlehen mit einem Duftfilm überzogen. Die Wildformen bringen Früchte mit einer durchschnittlichen Größe von einem Zentimeter hervor. Bei den Kultursorten werden die Früchte deutlich größer, zum Teil sogar doppelt so groß.

Rohe Früchte ungenießbar

Je nach Jahresklima kann der Erntezeitpunkt etwas variieren. Generell lässt sich sagen, dass die Steinfrüchte etwa ab Ende September, spätestens ab Oktober reif sind. Reife Früchte fallen einem beim Pflücken normalerweise beinahe in die Hand. Bei der Ernte von Schlehen ist es trotzdem ratsam, Handschuhe und robuste Arbeitskleidung zu tragen, um sich vor den Dornen zu schützen.

Im rohen Zustand schmecken Schlehen allerdings nicht gut, sondern hinterlassen wegen ihrer adstringierenden Wirkung ein pelziges Gefühl auf der Zunge. Anders gesagt, das Fruchtfleisch ist roh wegen seines hohen Gerbstoffgehaltes nicht genießbar. Damit die Früchte ihren typischen herb-aromatischen Geschmack entfalten können, benötigen sie Frost. Deshalb sollten sie erst nach den ersten Frostnächten geerntet werden. Wer nicht darauf warten möchte, kann auch schon früher pflücken und die Früchte ein paar Tage in den Tiefkühlschrank oder das Eisfach des Kühlschranks geben. Durch die Kälte erhöht sich die Durchlässigkeit der Zellwände, der Gerbstoffgehalt sinkt, und Stärke wird in Zucker umgewandelt. Dadurch wird der Geschmack milder.

Mythen und Aberglaube

Was rankten sich früher nicht alles für Mythen rund um die Schlehe. Ein Aberglaube besagte, mit einer Schlehdornhecke oder einem Schlehdornzweig an der Haustür könnten Hexen ferngehalten werden. Auch war das Gewirr der schwarzen Schlehenäste ein Symbol für die dunklen Wintermonate. Die wiederum wurden abgelöst von den weißen Blüten der Frühjahrsgöttin.

Aber schon damals kannte man handfestere Verwendungszwecke. Beispielsweise wurden in Irland aus dem besonders harten und festen Holz Knüppel und Gehstöcke gefertigt. An Holzrechen wurden aus dem gleichen Grund die Zinken gerne aus Schlehdornholz gemacht. Und noch heute fließt in Gradierwerken das heilsame Wasser über Schlehdorngestrüpp.

Blütentee gegen Fieber

Auch die Blüten wurden genutzt. In einer alten Volksweisheit ist gar die Rede vom Gesundbrunnen: „Iss die ersten drei Blüten eines Schlehdornzweigs und bleib’ das ganze Jahr vor Fieber gefeit!“ Schlehenblüten verströmen ein zartes Mandelaroma. Sie können frisch oder getrocknet als Schlehen-Tee getrunken werden. Ihren Inhaltsstoffen wird nachgesagt, dass sie frische Kräfte verleihen und vor Fieber schützen sollen. Zum Trocknen breitet man sie bei Zimmertemperatur auf einem sauberen Geschirrtuch aus.

Sehr vielseitig verwendbar sind die Früchte. Unreife Schlehen können beispielsweise wie Oliven eingelegt werden. Zahlreiche Köstlichkeiten werden aus den reifen Schlehen zubereitet. Diese lassen sich zu Saft, Sirup, Gelee, Wein und dem beliebten, aufgesetzten Schlehenlikör verarbeiten. Eine andere Spezialität ist hochprozentiger Schlehenbrand.

Kerne nicht verwenden

Unbedingt beachten: In den Kernen der Schlehen ist das Blausäureglykosid Amygdalin enthalten. Sie dürfen weder aufgebissen noch verzehrt werden. Leider lassen sie sich nicht gut entfernen. Deshalb werden die Früchte für Saft, Sirup und Gelee zunächst ganz in etwas Wasser aufgekocht und durch ein Küchensieb gestrichen. Größere Mengen können auch im Dampfentsafter verarbeitet werden.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und Schlehen im Garten haben will, sollte eine der Kultursorten pflanzen. Sie bringen größere sowie mitunter mildere Früchte hervor und bilden weniger Dornen und teilweise etwas weniger Wurzelausläufer aus. Zu den veredelten Kultursorten, die sogar wie ein kleiner Obstbaum wachsen können, gehört beispielsweise die Sorte „Reto“. Bei ihr sind die Früchte oft früher reif als bei den Wildformen. Die Früchte werden bis zu zwei Zentimeter groß.

Pflaumenbaum als Befruchter

Allerdings ist „Reto“ nur bedingt selbstfruchtbar. Das heißt, wer hohe Erträge erzielen will, muss noch eine weitere Schlehensorte pflanzen. Alternativ kann auch ein Pflaumen- oder Zwetschgenbaum im Umkreis von 50 Metern als Befruchter dienen. Wo Platzmangel herrscht, kann die Sorte „Merzig“ passen. Sie zeichnet sich durch einen aufrechten, dichten Wuchs aus und wird nur circa zwei Meter hoch. „Merzig“ erleichtert die Ernte der knapp zwei Zentimeter großen Früchte dank wenigen Dornen enorm. Vergleichbare Vorteile hat auch die Sorte „Nittel“ zu bieten, deren Früchte etwa zweieinhalb Zentimeter groß sind.

Im Raum Trier wurde vom Kompetenzzentrum Gartenbau Ahrweiler aus Naturbeständen die Sorte „Godenhaus“ selektioniert. Diese Sorte bringt ebenfalls bis zu zwei Zentimeter große Früchte hervor. Der Haken daran ist der Platzbedarf, denn „Godenhaus“ erreicht eine Höhe von drei bis vier Metern. Daher eignet sie sich weniger für kleinere Gärten.

Alternative Haferschlehe

Eine nahe Verwandte ist die Haferschlehe (Prunus domestica insititia). Sie ist eine alte, robuste Obstsorte, die ebenfalls rundliche, dunkelblaue Steinfrüchte hervorbringt. Diese werden bereits im August reif, sie sind geschmacklich deutlich milder und mit ihrer Fruchtgröße von zwei bis drei Zentimetern größer als die Wildformen der Prunus spinosa

Die Vermehrung einer Schlehe ist auf unterschiedliche Art und Weise möglich. Eine generative Vermehrung durch Aussaat erfordert wie bei allen Steinfrüchten etwas Geduld. Leichter dagegen ist die vegetative Vermehrung per Steckholz. Dafür werden am besten während der Saftruhe, also zwischen November und Februar, circa 20 Zentimeter lange Teilstücke aus einjährigen Ruten geschnitten. Beim Schneiden sollte man darauf achten, dass der Steckling am Endstück eine Knospe aufweist.

Die Steckhölzer werden während der Wintermonate in einem kühlen, frostfreien Raum am besten im feuchten Sand gelagert. Im Frühjahr kann man die Steckhölzer in die gewünschte wildkrautfreie Stelle im Garten stecken und regelmäßig gießen. Weitere Möglichkeiten zur Vermehrung sind Absenker und unterirdische Wurzelausläufer.

Schon früher wurden Schlehen sehr gerne für Likör und Schnaps verwendet.
Schon früher wurden Schlehen sehr gerne für Likör und Schnaps verwendet.
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