Im Garten
Kaiserliche Rose ohne Stacheln
Pfingstrosen, wissenschaftlich Paeonia, auch Päonien genannt, fallen vor allem durch die Leuchtkraft ihrer Blüten auf, die bis zu kapitalen 25 Zentimeter im Durchschnitt groß werden können. Mit der Rose hat die Pfingstrose trotz ihres Namens und einer ebensolchen edlen Schönheit nichts zu tun. Den Namen hat die Pflanze bekommen, weil die Blüten vieler Pfingstrosen-Sorten denen der Rosen sehr ähneln. Doch sie blühen, wie der Name schon sagt, meist vor den Rosen um Pfingsten herum.
Päonien gehören mit mehr als 30 Arten zur Familie der Pfingstrosengewächse, der Paeoniaceae. Egal, ob es sich um die Gemeine Pfingstrose (Paeonia officinalis), gerne auch mal als Bauernrose betitelt, handelt oder um die Chinesische Pfingstrosen (Paeonia Lactiflora-Hybride), auch als Edel-Pfingstrose bekannt – sie alle überlassen das Tragen der Stacheln alleine den echten Rosen. Päonien geben sich zart statt bewehrt, aber die allermeisten sind winterhart.
Staude, Strauch und Hybride
Es gibt sie als Staude, als Strauch und durch eine Kreuzung aus beiden auch als sogenannte Itoh-Hybride. Die Zucht hat mittlerweile mehrere Hundert Sorten hervorgebracht, einige basieren auch auf Wildarten.
Bei Staudenpfingstrosen ziehen sich, wie bei Stauden üblich, die oberirdischen Teile der Pflanze im Winter komplett in die Erde zurück. Sie wachsen im Horst aufrecht und werden höchstens kniehoch.
Strauchpfingstrosen, auch als Baumpäonien bezeichnet, bleiben im Winter sichtbar, verlieren aber ihre Blätter. Sie können mehr als zwei Meter hoch und recht breit werden.
Die Itoh-Hybriden vereinen die Vorzüge beider Elterngenerationen und gelten als wesentlich robuster als Strauch- und Staudenpfingstrosen. Ihr Wuchs ähnelt dem des Strauchs, sie ziehen aber im Winter ein, genau wie die Stauden. In milden Wintern, wie sie immer öfter vorkommen, bleibt staudiges Holz stehen. Aus diesem treibt die Pflanze dann genauso aus, wie aus den Bodentrieben. Der Name geht auf den Japaner Toichi Itoh zurück, den ersten erfolgreichen Züchter.
100 Jahre und älter
Schnelles Wachstum ist Pfingstrosen nicht gegeben, sie gehen es über die Jahre hinweg langsam an. Pfingstrosen gelten als langlebigste Stauden der Welt. Zwar öffnen sich die Blüten immer nur für wenige Tage. Die Pflanze selbst kann bei guten Bedingungen aber 100 Jahre und älter werden.
Alt ist auch die Geschichte, die hinter den Pfingstrosen steckt. In China wird mit diesen Pflanzen schon seit mehr als 1000 Jahren gezüchtet. Es waren und sind vor allem die Strauchpfingstrosen, die in ihrem Herkunftsland viele Jahrhunderte den Kaisern vorbehalten waren und durchaus als kaiserliche Blumen bezeichnet wurden. Das müssen Liebhaber der echten Rose, der Königin der Blumen, so hinnehmen.
Wenig kaiserlich erging es den Päonien in China nach der Machtergreifung der Kommunisten durch Mao im Jahr 1949. Sie wurden als Blumen der Aristokratie quasi „politisch verfolgt“ und vielfach entfernt. Das ist lange her. Heute gibt es im Land der Pfingstrosen große Parks mit Päonien, zu denen Menschen in der Blütezeit regelrecht pilgern.
Tipps zur Kultur
Wer der Pflanze mit den großen Blüten und leuchtenden Farben im eigenen Garten ein Zuhause gibt, der muss nicht zu ihr pilgern. Pfingstrosen gedeihen in der Regel gut. Das eine oder andere sollte allerdings beachtet werden:
- Pfingstrosen im Kübel sind auf Dauer keine gute Idee. Sie entwickeln tiefe Wurzeln, was ihnen im Freiland auch bei Trockenheit noch Wasser beschert. Im Kübel wissen sie dagegen nicht, wohin mit den Wurzeln, die Pflanze kümmert.
- Gepflanzt wird sie am besten im Herbst. Staudenpäonien dürfen nicht zu tief gepflanzt werden. Sitzt der Wurzelstock mehr als drei Zentimeter unter der Erdoberfläche, blüht die Pflanze nicht oder erst nach vielen Jahren.
- Strauchpäonien müssen tiefer gepflanzt werden, da es sich hier meist um Pflanzen aus einer Veredlung handelt. Nicht nur die Unterlage der Veredlung, sondern auch ein Stück der erwarteten Pflanze sollte in die Erde gegraben werden. Nur so kann sich die Pflanze mit der Zeit auf eigene Wurzeln stellen.
- Pfingstrosen brauchen es warm und sonnig sowie einen tiefgründigen Boden. Durchgehend pralle Sonne vertragen sie jedoch nicht.
- Ganz wichtig und gültig für alle Arten und Sorten: Pfingstrosen wünschen, in Ruhe gelassen zu werden! Strauchpäonien sollte man einfach wachsen lassen. Bei den Stauden wird das vertrocknete Laub erst im zeitigen Frühjahr entfernt. Päonien wollen zudem nicht von anderen Pflanzen bedrängt werden, das quittieren sie mit fehlender Blüte.
- Sorten mit einfachen bis halb gefüllten Blüten sind nicht so regenanfällig wie gefüllte Sorten.Umpflanzen ist bei Päonien keine gute Idee, aber es kann funktionieren. Allerdings setzt die Blüte dann bis zu drei Jahre aus, wenn sie sich überhaupt vom Verpflanzen erholt. Bei den Stauden empfiehlt es sich, nicht die komplette Pflanze umzusiedeln, sondern den Horst zu teilen.
Ist all das verinnerlicht, fehlt nur noch die passende Pfingstrose. Keine leichte Entscheidung, gibt es sie doch in vielen Farben, Formen, Höhen und Blühzeiten – von April bis Juni – und mitunter sogar mit Duft.