Im Garten
Ilex – ein Baum für viele Fälle
Wenn der Herbst durch die Gärten zieht und den Winter im Schlepptau hat, dann kommt die Zeit der immergrünen Stechpalmen (Ilex). Weltweit sind gut 400 Arten der Gattung Ilex bekannt, die meisten davon gedeihen in den Tropen und Subtropen. Bei uns ist nur eine Art heimisch, die Gewöhnliche Stechpalme (Ilex aquifolium), auch unter Winterbeere oder Christdorn bekannt.
Die Stechpalme trumpft in den Gärten und Parks gerade jetzt in der kalten Jahreszeit mit fett grünem, ledrigem Laub und leuchtend roten Beeren so richtig auf. Und nicht nur im Garten. In vorweihnachtlich geschmückten Häusern zieren die fruchtbehangenen Zweige des Ilex Gestecke und Kränze. Dort halten sie in der Regel die Heizungsluft deutlich besser aus als die nadelnden Kollegen, die mit im Gesteck verarbeitet sind.
Achtung: Wehrhafte Stacheln
Dabei weiß sich der Gewöhnliche Ilex bei der Verarbeitung und beim Entfernen herabgefallener Blätter hartnäckig und ziemlich nachhaltig zu wehren. Die ledrigen Blätter sind am Rand mit regelrechten Stacheln versehen, die sowohl nach oben als auch nach unten stechen. Hängt ein Ilex-Blatt erst mal an den Fingern, dann hält es sich gut fest.
Auch die magisch roten Beeren sind nicht ohne. Die Steinfrüchte sind giftig, zumindest für uns Menschen. Sobald die ersten kalten Nächte durch die Gärten gezogen sind, können sich aber die Vögel kaum noch zurückhalten. Ein wahrer Fressrausch kann dann beobachtet werden.
Meist ist Ilex bei uns als strauchartiges Gewächs bekannt. Im Grunde handelt es sich aber um einen Waldbaum, der bis zu acht Meter in die Höhe wachsen kann. Als heimische Baumart wird Ilex vom Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders zu schützenden Arten gezählt. Die Stechpalme hat ihren natürlichen Lebensraum in Nadel- und Laubwäldern und war bisher in der wintermilden Norddeutschen Tiefebene am weitesten verbreitet. In Bayern steht sie auf der Roten Liste.
Die Silvius Wodarz Stiftung hat die Gewöhnliche Stechpalme zum Baum des Jahres 2021 gekürt. Die Schirmherrin, Bundesforstministerin Julia Klöckner, sieht den anspruchslosen Ilex auch als Chance für einen klimaangepassten Mischwald und als einen der Klimagewinner.
Zünsler lässt Ilex in Ruhe
Nicht nur in den Wäldern kann der heimische Ilex durch den Klimawandel einen Auftrieb erfahren. Auch in den Gärten weiß die Stechpalme immer mehr zu überzeugen. So wird sie gärtnerisch bereits als guter Buchsersatz gehandelt, lässt doch der Buchsbaumzünsler die Stechpalme in Ruhe.
Sorten mit kleinen, dichten Blätterreihen eignen sich zudem ausgezeichnet, um die Lücke, die der Buchsbaumzünsler in vielen Gärten der Pfalz mittlerweile hinterlassen hat, aufzufüllen. Die Stechpalme ist auch deshalb ein prima Ersatz, weil sie absolut schnittverträglich ist und die formende Gärtnerhand nicht übel nimmt.
Im Gartenfachhandel gibt es die Gewöhnliche Stechpalme in einer ganzen Reihe an Zuchtformen, so auch Sorten mit gelbem oder weißem Rand wie etwa die Weißbunte Stechpalme Argentea Marginata. Außerdem sind auch andere Ilex-Arten im Angebot, etwa Sorten, die zur Japanischen Stechpalme (Ilex crenata) gehören und sich, wie etwa der kleinblättrige Löffel-Ilex Convexa, besonders gut als kleine Hecken oder Formsträucher eignen. Da es sich um langsam wachsende Sträucher handelt, ist ein wenig Geduld allerdings notwendig. Dafür sind die Blätter der Japanischen Stechpalme ohne Stacheln. Allerdings schmückt sich diese auch Berg-Ilex genannte Pflanze nur mit eher unscheinbarem Fruchtschmuck. Es gibt auch längst Kreuzungen aus unserer heimischen Art und der aus Japan.
Halbschatten ideal
Wer im Garten noch ein Plätzchen frei hat und sich für eine Stechpalme entscheidet, sollte dem Ilex einen eher halbschattigen Standort anbieten. Er wächst auch als Unterpflanzung, wird dann aber geiziger beim Fruchtansatz. Wer Wert auf die schönen Früchte legt, muss ohnehin darauf achten, männliche und weibliche Pflanzen einzukaufen und sie in Nachbarschaft wachsen zu lassen. Alternativ kann man sich gleich für eine selbstfruchtende zwittrige Sorte wie etwa die zur Gewöhnlichen Stechpalme gehörende Fruchtende Stechpalme J. C. von Tol entscheiden.
Zwar sind die meisten für den Garten gezüchteten llex-Sorten weitgehend anspruchslos. Eins darf aber nicht unterschätzt werden: Stechpalmen verbrauchen durch ihr ledriges Laub auch im Winter Feuchtigkeit. Wassergaben sind hier durchaus angesagt, vor allem wenn die Pflanze in einem Kübel wächst.