Im Garten
Eisheilige oder Schafskälte: Sind die Bauernregeln heute noch treffend?
Wer gärtnert, weiß eine gute Wetterprognose zu schätzen. Das gilt besonders für den Übergang vom Winter ins Frühjahr. Auch im Herbst ist es gut, zu wissen, ob frühe Fröste Garten und Balkon überziehen werden. Dies frühzeitig zu erfahren und reagieren zu können, war bei den Vorfahren noch viel wichtiger. Viele lebten von dem, was ihnen das Stück Land bot, sie kannten aber weder Satelliten, Wetterkarten noch Apps, die sie vor extremem Wetter warnten.
Ihr Hilfsmittel waren Bauernregeln, die ihren Ursprung oft im Mittelalter haben, zum Teil sogar bis in die Antike zurückgehen. Sie fußen auf Beobachtungen und Erfahrungen vieler Generationen, die sich die Bauern und Gärtner zu Herzen nahmen. Sie verstanden, was ihnen die Tierwelt oder die West-, Ost-, Nord- und Südwinde zu sagen hatten. Die Wolken lieferten ihnen plausible, verständliche Wetternachrichten, auch wenn sie keine Begriffe wie Schönwetter-Cumuli und Stratocumuli dafür hatten. Die harmlosen Schäfchenwolken tauchen dagegen auf: „Wenn Schäfchenwolken am Himmel steh’n, kann man ohne Schirm spazierengeh’n.“
Heute: Großwetterlagen
Hinter den heutzutage meist in Reimform bekannten Bauernregeln stecken zum Beispiel die Eisheiligen, der Siebenschläfer-Tag, die Schafskälte und die Hundstage. Den Beobachtungen wurde mitunter ein festes Datum zugeordnet, an dem die Prognosen über das zukünftige Wetter getätigt wurden. Das machen die Meteorologen heute ähnlich: Sie sprechen dann von Großwetterlagen, die zeitlich wiederkehren können. Die Schafskälte etwa datiert der Bauernkalender um den 11. Juni, den Tag des heiligen Barnabas, und hält fest: „Um Barnabas, da kommt die Kälte, die uns oft noch lange quälte.“ Die Schafskälte wird von den Meteorologen mit dem Eindringen kalter Polarluftmassen beschrieben, ein Phänomen, das seit Jahrhunderten beobachtet wird und relativ häufig eintritt. Dabei handelt es sich nicht selten um einen Kälteeinbruch, dem eine warme Frühjahrsperiode vorausging, weshalb Pflanzen und Tiere unter dem Wechsel leiden. Hatten die Schäfer ihre Schafe schon geschoren, kam es auch zu Verlusten.
Entscheidend für die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Bauernregel ist der Entstehungsort. Stammt sie vom Berg- oder vom Küstenbauern, vom Tal oder aus der Rheinebene – all das entscheidet mit über ihre Aussagekraft. Weiter verschob die Kalenderreform vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender im 16. Jahrhundert Fixpunkte der alten Regeln. So spricht der alte Bauernkalender etwa vom Siebenschläfertag und meint den 7. Juli. Nach dem neuen Kalender liegt der Tag auf dem 27. Juni.
Wechselhafter April
Was ist also dran an der Aussage „Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag“? Laut einer Statistik des Deutschen Wetterdienstes stellt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent Ende Juni tatsächlich eine Großwetterlage ohne große Wetterumschwünge ein. Das hat mit dem Jetstream zu tun, einem Windstrom, der sich in einigen Kilometern Höhe über der Erde bildet und im Sommer tage- oder wochenlang gleich bleiben kann.
Und wie stimmig ist der Spruch „April, April, der macht, was er will“? Er liegt oft richtig: Im April treffen häufig große Temperaturunterschiede aufeinander, die zu unbeständigem Wetter führen. Die Berge tragen meist noch Schnee, die Meere sind noch kalt, während sich hierzulande der Landstrich schon gut erwärmt haben kann. Fließt nun kalte Polarluft ein, können sich blauer Himmel und sonniges, warmes Wetter rasant mit kaltem Schauerwetter abwechseln.
Schwalbenflug als Hinweis?
Die ebenfalls sehr bekannte Bauernregel „Wenn Schwalben niedrig fliegen, wird man Regenwetter kriegen“ wird dagegen von den Experten nicht ganz eindeutig beurteilt. Bei warmem Sonnenwetter steigt die sich erwärmende Luft nach oben und mit ihr die kleinen Insekten. Schwalben folgen ihrer Beute und fliegen bei gutem Wetter tatsächlich hoch. Das stimme, sagen Fachleute, grenzen das Phänomen aber auf ein beständiges Wetter mit hohem Luftdruck ein. Das heißt, bei unbeständigem Wetter und tiefem Luftdruck bleiben die Fliegen in Bodennähe, und die Schwalben jagen auch bei Sonnenschein unten.
Die Bauernregeln, so trivial sie mitunter erscheinen, haben eine moderate Aussagekraft. Auch wenn der Klimawandel die Regeln in Teilen immer weiter aufweicht, wussten die Vorfahren ganz ohne die Expertise heutiger Wetterexperten und ohne Hilfsmittel aus dem All allein durch die Beobachtung von Wind, Wetter, Tier und Pflanze recht gut, was da für ein Wetter auf sie zukommen wird.