Im Garten
Die Hundsrose nützt Mensch und Tier
Der trockene Sommer hat gerade so richtig die Spreu vom Weizen getrennt: Was in Zukunft im Garten gut wächst und was nicht – da gibt uns die Natur eindeutige Hinweise mit auf den Weg. Rosen als Tiefwurzler trotzen der Trockenheit bisher gut. Auch oder gerade die Hundsrose ist vielerorts gut durch die Dürre 2022 gekommen. Ein Grund, sie ein bisschen genauer zu beleuchten.
Eigentlich kennt sie ja jeder, nur vielleicht nicht unbedingt als Hundsrose (Rosa canina). Die auch als Heckenrose oder einfach nur als Hagebutte bezeichnete einheimische Wildrose ist die in Mitteleuropas Natur am häufigsten wachsende Rosenart. Früher war sie allerdings deutlich öfter an Wald- und Wegesrändern zu sehen. Hier hat sie der Mensch, nicht die Natur, zurückgedrängt. Der Name geht unter anderem auf ihren Hang zurück, sich „hundsgemein“ zu verbreiten. Sie war früher tatsächlich überall zu finden, eben eine „hundsgewöhnliche“ Pflanze.
Nasse Füße sind schlecht fürs Wachstum
Wie alle Rosen liebt die Heckenrose die Wärme und sonnige Standorte, streckt ihre Wurzeln gerne tief in nährstoffreiche Böden. Anpassungsfähig wie sie ist, nimmt sie aber auch andere Standorte an. Nur nasse Füße quittiert sie mit kümmerlichem Wuchs. Ansonsten wächst die Rose als aufrechter Strauch flott und mit bogig überhängenden Trieben. Sie kann bis auf drei Meter Höhe und zwei Meter Breite kommen. Rosa canina bildet Ausläufer und verhindert als Hecke angelegt schnell den Blick zum Nachbarn, wirft allerdings im Winter das Laub ab. Da ihre kräftigen Stacheln nicht von schlechten Eltern sind, schlüpft durch solch eine Hecke so schnell keiner freiwillig, ob nun mit oder ohne Laub.
Vom Gärtner will sie nicht viel wissen, braucht kaum Pflege, verlangt als Wildrose ohnehin keinen regelmäßigen Schnitt. Wer jedoch das Gesamtbild im Garten und die Blühfreudigkeit seiner Hundsrose fördern will, nimmt im zeitigen Frühjahr doch die Schere in die Hand, schneidet vertrocknete und alte Triebe, die kaum noch Wuchs zeigen, ab. Frische Triebe abzuschneiden ist keine gute Idee, an diesen wachsen die neuen Blüten, die würden fehlen, wenn es ab Mai mit der weißrosa Blüte und feinem Duft losgeht.
Hauptblüte nur zwei Wochen lang
Mit rund zwei Wochen dauert die meist üppige Hauptblüte allerdings nicht lange. Die Hundsrose hat aber noch viel mehr als die schmucken, duftenden Blüten zu bieten. Im Herbst, etwa ab September, kommen die scharlachroten Hagebutten zum Vorschein. Diese glänzenden Früchte gehören potenziell zu allen Rosen. Wildrosen geizen nicht mit Hagebutten, die sich in Form, Farbe und Größe von Strauch zu Strauch unterscheiden können. Sterile Zuchtsorten dagegen können meist keine Fruchtkörper mehr ausbilden.
An den kleinen Nüsschen im Inneren des Fruchtfleisches ist gut zu erkennen, dass es sich bei Hagebutten um Sammelnussfrüchte handelt. Sie schmücken über Winter den Strauch oder die Hecke – wenn weder Mensch noch Tier sie erntet – und sehen als leuchtende Farbkleckse im Gartengrau einfach toll aus.
Hagebutten sind Vitamin-C-Bomben
Die Früchte der Wildrose sind essbar und überdauern deshalb nicht an allen Orten den Winter. Es handelt sich hier um wahre Vitamin-C-Bomben, die sich in der Küche zu vielen Leckereien verarbeiten lassen. Dabei sollten sie unbedingt von den Nüsschen befreit werden. Direkt vom Strauch pflücken und verzehren kann man sie auch. Einfach die weiche Frucht drücken und das Fruchtmark ohne die kleinen Nüsschen essen.
Im Herbst sind die Früchte allerdings noch nicht richtig reif, auch wenn sie schon rot und prall aussehen. Das wissen die Vögel, die sich den Hagebutten deshalb in der Regel erst nach dem Frost zuwenden. Das sollten wir Menschen nicht anders angehen. Erst nach einer frostigen Nacht sind die Früchte weich, lassen sich gut verarbeiten und sind nun viel süßer. Der Vitamin-C-Gehalt ist jetzt am höchsten. Dieser wertvolle Inhaltsstoff sinkt im Laufe des Winters. Vitamin C ist aber nicht alles, was die Hagebutte in sich trägt. Sie enthält zahlreiche weitere Vitamine, Mineralstoffe und ungesättigte Fettsäuren. Hagebutten haben eine antientzündliche Wirkung, sind aber kein Wundermittel. Ein Mittel, um Juckreiz auszulösen, haben sie allemal.
Juckende Nüsschen müssen raus
Es sind die Rosensamen, die kleinen Nüsschen, die auf menschlicher Haut jucken können. Sie sitzen mitten im Fruchtfleisch, sind mit feinen Härchen bedeckt und besitzen kleine Widerhaken. Diese will niemand im Saft, in der Marmelade, im Tee oder im Chutney haben, deshalb müssen sie beim Verarbeiten der Hagebutte entfernt werden.
Schon der Nachwuchs unserer Vorfahren kannte die juckende Eigenschaft der Hagebutte. Die aus der Hagebutte ausgelösten und getrockneten Nüsschen bei einem Ahnungslosen in den Kragen geschüttet, galten als lustiger Streich. Nur wurde mitunter aus dem Streich und dem einfachen Juckreiz eine handfeste Allergie. Das muss man auch heute noch bedenken.
Da die Verarbeitung von Hagebutten recht aufwendig ist, ist es eine Alternative, so viele Früchte wie möglich am Strauch der Wildrose lassen und damit den Vögeln, aber auch Säugetieren wie Mardern ein natürliches Winterfutter und einen vitaminreichen Snack zu überlassen. Überhaupt ist die Heckenrose für Tiere ein wahrer Segen. Die Blüte im Frühjahr wird von zahlreichen Wildbienen besucht, und das Gestrüpp einer Hecke ist ein guter Lebensraum für viele Tierarten, die hier geschützt sind.