Games
New World: Der Neuen Welt fehlt’s an Vielfalt
Musikstreaming, Serien und Filme, digitale Bücher. Der Versandhändler Amazon hat in den vergangenen Jahren sein Geschäftsfeld deutlich geweitet. Die Amerikaner würden nur zu gerne auch im Gamesbereich vorne mitspielen. Doch bislang ist das noch nicht gelungen. „The Grand Tour Game“ (2019) oder „Crucible“ (2020) waren bestenfalls Mittelmaß. Kein Wunder also, dass alle Augen auf das Online-Rollenspiel „New World“ gerichtet sind. Das verkaufte sich im Oktober prächtig – so prächtig, dass die Server in den ersten Wochen dem Ansturm nicht gewachsen waren und in die Knie gegangen sind. Lange Warteschlangen und Verbindungsabbrüche waren die Folge.
Mittlerweile läuft’s flüssiger, und die Spieler können problemlos in ihr Abenteuer in der „Neuen Welt“, Aeternum aufbrechen. Nur dort findet sich die Ressource Azoth, nach der sich drei befeindete Fraktionen die Finger lecken. Soweit die grobe Hintergrundgeschichte, der Spieler steigt nach einem Schiffbruch mit nur ein paar Fetzen Stoff am Leib ein und bekommt am Strand die Grundlagen des Spiels erklärt: Kämpfen, Sammeln, Herstellen. Mit Entdecken sind das die Eckpfeiler von „New World“.
Öde Quests, dafür vieles zum Sammeln
Schon am Strand lassen sich Gegner mit aufgelesenen Waffen bekämpfen, Äste und Feuerstein sammeln und später am Lagerfeuer zu Äxten oder Hacken zusammenbasteln. Die Aufgaben, die Nichtspielercharaktere verteilen, sind allesamt recht langweilig: Töte X Skelette, sammele Y Kartenteile. Auch an der Questvielfalt wird sich im Laufe des Spiels – aktuell von Level 1 bis Level 60 der Spielfigur – nichts ändern. Klingt recht öde. Ist aber gut gemacht: Denn in jedem neuen Gebiet gibt es etwas zu entdecken und zu sammeln: Holz, Erze, Steine, Juwelen. All das lässt sich anschließend in Dörfern für Handwerkstätigkeiten nutzen und in sinnvolle Ausrüstung für den Helden umwandeln. Es fühlt sich gut an, mit vollem Inventar von einem Streifzug zurückzukommen und die Ressourcen dann weiterzuverarbeiten.
Im späteren Verlauf kommt dem Spieler-gegen-Spieler-Modus eine gewichtigere Rolle zu, wenn die drei befeindeten Fraktionen um Gebiete und Dörfer auf der Weltkarte kämpfen. Wer mit anderen Spielern unterwegs ist, hat so auch auf dem höchsten Level noch Spaß. Wer lieber alleine unterwegs ist, muss die öden Quests abarbeiten oder eben viel Spaß am Rohstoffsammeln und Handwerkssystem haben.
Immerhin: Die Kämpfe mit den oft übertrieben großen Waffen fühlen sich schön wuchtig an und machen durch ihre Dynamik mehr Spaß, als in vielen anderen Onlinespielen. Allerdings sind die, etwa „World of Warcraft“ oder „Elder Scrolls Online“, deutlich umfang- und abwechslungsreicher. Die Amazon Game Studios müssen in den kommenden Monaten zeigen, dass sie auf die Spielerwünsche hören und für Gruppen- wie auch für Einzelspieler neue Inhalte liefern. Schließlich ist irgendwann der letzte Waffenskill auf Maximum und die letzte Handwerksfähigkeit hochgelevelt. „New World“ braucht mehr Geschichte(n) und Vielfalt: bei Gegnern, Gebieten und Aufgaben.
Info
Verlag: Amazon Game Studios
Freigegeben: Ab 16 Jahren
Wertung: 7,5 von 10 Punkten