Meinung
Zeitenwende am Golf
Die Rivalität zwischen der sunnitischen Führungsmacht Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran prägt den Nahen Osten seit Jahrzehnten – jetzt wollen beide Staaten ihre seit sieben Jahren unterbrochenen Beziehungen normalisieren. Innerhalb von zwei Monaten wollen Riad und Teheran Botschafter austauschen. Die Einigung dürfte Auswirkungen auf Konflikte von Syrien bis zum Jemen haben – und demonstriert eine strategische Machtverschiebung zugunsten Chinas. Ausgehandelt wurde der Deal in Peking.
Beide Widersacher hatten ein Interesse an einer Einigung. Saudi-Arabien will den Krieg im Jemen beenden, braucht dafür aber grünes Licht aus Teheran. Zudem ist das Königreich unsicher, ob der langjährige Partner USA im Ernstfall die arabischen Staaten vor dem Iran beschützen würde. Amerika zieht sich langsam aus dem Nahen Osten zurück, um sich auf den Konkurrenten China zu konzentrieren. Der Iran wiederum, der von Protesten erschüttert wird, will seine Isolation durchbrechen und neue Märkte für seine mit westlichen Sanktionen belegte Wirtschaft erreichen.
Nichts mitzureden
Der eigentliche Gewinner der saudisch-iranischen Konfliktbefriedung indes ist zweifellos China. Die USA hatten bei der Annäherungen der beiden Gegenspieler nichts mitzureden. Die Folgen der Einigung dürften im ganzen Nahen Osten zu spüren sein – aber auch die Folgen angesichts des amerikanischen Machtverfalls.