Politik
Wolfgang Kubicki: Ansichten einer Type

Was ist Wolfgang Kubicki nicht alles schon genannt worden: Querulant des Nordens, Quartalsirrer, Enfant terrible, Paradiesvogel, Knallforsch, Selbstdarsteller, Egomane, Zyniker, Abzocker, Windei, Schuft.
Der FDP-Politiker aus Schleswig-Holstein hat sich das alles gemerkt und aufgeschrieben. Nachzulesen sind die Schimpfworte in seiner Autobiographie, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Sein Buch „Sagen, was Sache ist“, erschienen bei Econ, liefert keine politischen Enthüllungen, aber viel über einen Mann mit Herz und Schnauze.
Ausdauer und Langmut bewiesen
Kubicki ist eine echte Type, eine der wenigen im Bundestag. Wer ihn als Scherzbold abtut, begeht einen Fehler, denn Kubicki hat in seinem Leben Ausdauer und Langmut bewiesen, mit seiner Meinung hat er nie hinterm Berg gehalten, auch wenn ihm das oft genug schadete.
Sieben Mal trat er als Spitzenkandidat der FDP zur Landtagswahl in seinem Heimatland an, 25 Jahre war er Mitglied des Landtags in Kiel. Jetzt ist der 67-Jährige einer der Vizepräsidenten des Bundestages, einem Parlament, dem er nie angehören wollte aus Furcht, in der Hauptstadt „zum Trinker, vielleicht auch zum Hurenbock“ zu werden, wie er 2010 gegenüber der „Zeit“ bekannte. Heute sagt er, nichts davon sei eingetreten, weil er „mittlerweile sittlich und moralisch“ gefestigt sei.
Ein Straßenkind, in allen Gassen unterwegs
Sigmar Gabrielbewundert Kubicki, vor allem dessen unbändigen Willen, sich von niemandem etwas vorschreiben zu lassen. Als Laudator überhäuft der Ex-SPD-Vorsitzende den FDP-Kollegen mit Komplimenten, zeigt Respekt vor dessen Lebensweg, in dem er auch Parallelen zu seiner Biografie sieht: Die Eltern Flüchtlinge aus dem Osten, in der neuen Heimat ausgegrenzt, der Vater einstmals Nationalsozialist und unwillig, über die unselige Zeit zu reden. Kubicki sei ein Rumtreiber gewesen, ein Straßenkind, „in allen Gassen unterwegs, immer neugierig“, wie Gabriel es formuliert.
Mann mit „ruchlosem Humor“
Kubicki nickt, es fällt das Wort von der „Lebenserfahrung“, die heute vielen Politikern fehle. „Lieber nichts sagen als das Falsche“, mit dieser Einstellung könne man keine Politik machen, ereifert sich Kubicki, dies sei die Flucht aus der Verantwortung. Vor der habe er sich nie gedrückt, „auch nicht vor einer ordentlichen Rauferei“.
Altersweise, durchaus dem Luxus zugeneigt und ausgestattet mit einem „ruchlosen Humor“ (Gabriel) scheint der FDP-Mann mit sich im Reinen zu sein.