Politik Wieder lernen, wie man zügig Panzer verlegt

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Die Verteidigungsminister der Nato-Mitglieder entscheiden kommende Woche, wo ein neues Logistik-Kommando der Allianz angesiedelt werden soll. Favorit ist Deutschland.

Früher zählte es zum Repertoire der Nato, heute ist es jedes Mal aufs Neue ein Kraftakt: Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges sind die Verbündeten aus der Übung, was das Verlegen von Truppen und Material quer durch Europa angeht. Erst im Januar strandeten sechs amerikanische Panzerhaubitzen auf dem Weg von Polen zum bayerischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr an einer Autobahnraststätte bei Bautzen. Die Polizei zog die Sattelschlepper mit den Panzern aus dem Verkehr, weil sie bis zu 16 Tonnen überladen waren und ihre Fracht zu breit war. Zudem fehlten dem polnischen Spediteur Transportgenehmigungen, einige seiner Fahrer hatten die Ruhezeiten nicht eingehalten. Nach mehreren Tagen ging es weiter. Abhilfe soll ein neues Nato-Kommando schaffen, das voraussichtlich in Deutschland angesiedelt wird. In Nato-Kreisen heißt es, Verteidigungsministerin Ursula von Leyen (CDU) habe schon im vergangenen Jahr die Bereitschaft erklärt, das Kommando in Deutschland aufzubauen. Die abschließende Entscheidung über den Standort wollen die Verteidigungsminister der Militärallianz bei ihrem Treffen in der kommenden Woche in Brüssel fällen. Das Kommando soll die Verlegung von Truppen und Material bereits planen und koordinieren, den Schutz von Soldaten und Waffen sicherstellen und für die Absicherung von Straßen und Häfen sorgen. Es wird nicht nur im Fall von Krisen tätig, sondern auch bei Manövern und Übungen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Verlegung größerer Militärverbände lange kein Thema. Die sehr konkreten Verteidigungsplanungen aus dem Kalten Krieg existieren nicht mehr. Doch durch die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland im Jahr 2014 wurde das Thema wieder aktuell. Seither konzentriert sich die Nato stärker auf die Verteidigung – und seither fällt auf, was die Allianz in der Zwischenzeit verlernt hat. Das neue Kommando soll dabei nicht nur Verlegungen in Richtung Osten koordinieren. Seine Zuständigkeit reicht so weit wie der Verantwortungsbereich des Nato-Oberbefehlshabers in Europa. Es kann alles steuern, was nach Europa kommt, in Europa bewegt oder in ein Einsatzgebiet außerhalb Europas verlegt werden soll. Einer der größten Fürsprecher für Deutschland ist der frühere Kommandeur der US-Landstreitkräfte in Europa, Ben Hodges. „Ich kann mir kein anderes Land denken, das besser dafür geeignet ist als Deutschland“, sagte er im November. Für die USA sei Deutschland ohnehin das Sprungbrett innerhalb Europas. „Die meisten Soldaten, die wir in Europa stationiert haben, leben in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Wir sind da zuhause.“ Der General ist auch derjenige, der am lautesten über die Zustände wetterte und eine Art militärisches Schengen-Abkommen für den freien Grenzverkehr von Truppen und Material forderte. Kein Wunder: Käme es zu einer Krise mit Russland, würden die USA mit ihren Truppen das Rückgrat eines Einsatzes an der Ostflanke der Nato bilden. Ein Großteil der amerikanischen Verbände mit ihren Panzern, Waffen und Material müsste dazu heute über den Atlantik aufs europäische Festland und dann über mehrere Landesgrenzen hinweg nach Osten verlegt werden. Im Kalten Krieg hatten die USA noch 400.000 Soldaten in Europa stationiert, heute sind es gut 60.000. Einen Vorgeschmack auf die Mammutaufgabe bekam Hodges, als die USA als Reaktion auf die Ukraine-Krise Anfang 2017 eine Panzerbrigade mit 4000 Soldaten und 2500 Fahrzeugen zur Abschreckung nach Polen verlegten. Es war die größte Truppenverlegung seit Ende des Kalten Krieges: Das Material füllte 900 Eisenbahnwaggons, die aneinandergehängt eine Gesamtlänge von zehn Kilometern ergeben hätten. Einige der schweren Fahrzeuge der Amerikaner hätten in Bremerhaven festgesessen, berichtete das „Wall Street Journal“ damals. Die Truppe habe zunächst klären müssen, wie sie ihr Gerät nach Polen bekomme. Schon zwei Jahre vorher waren demnach bei einer Übung in Rumänien mehrere gepanzerte Fahrzeuge an Brücken hängengeblieben und beschädigt worden. Die Durchfahrtshöhe habe sich als niedriger als erwartet erwiesen. Dem Militär fehle es an detaillierten Informationen zur Infrastruktur in den östlichen Staaten, die früher zum Warschauer Pakt zählten und heute Teil der Nato sind, sagte Hodges der Zeitung. Die Armee müsse dafür sorgen, diese weißen Flecken zu beseitigen. Die Bundesregierung jedenfalls scheint bereit dafür, der Verteidigungsallianz das neue Kommando zur Verfügung zu stellen. Das bestätigt ein Sprecher der Nato. Zu möglichen Standorten wollte der Sprecher sich nicht äußern. Spekuliert wird indes über Ulm und den Raum Köln-Bonn.

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