Fragen und Antworten Wie soll das Getreide aus der Ukraine kommen?

So war es bisher: Ein UN-Beamter prüft an der Einfahrt zum Bosporus einen Getreidefrachter aus Odessa.
So war es bisher: Ein UN-Beamter prüft an der Einfahrt zum Bosporus einen Getreidefrachter aus Odessa.

Russland sichert ukrainischen Getreideexporten über das Schwarze Meer kein freies Geleit mehr zu. Das schafft für viele Seiten Probleme.

Wie viel Getreide hat die Ukraine im Krieg exportiert?
Solange das von den Vereinten Nationen und der Türkei vermittelte Abkommen galt, wurden fast 33 Millionen Tonnen Getreide und andere Lebensmittel aus der Ukraine über das Schwarze Meer geliefert. Die Ukraine blieb demnach trotz des russischen Angriffskrieges der größte Weizenlieferant des Welternährungsprogramms unter dem Dach der Vereinten Nationen, das den ärmsten Ländern hilft.

Zugleich bauten die Ukraine und die EU Handelswege über Flüsse, Schienen und Straßen aus. Über die sogenannten Solidaritätskorridore wurden demnach von Kriegsbeginn im Februar 2024 bis Ende Juni dieses Jahres 41 Millionen Tonnen Getreide und andere Produkte exportiert. Grob gerechnet liefen nach EU-Angaben etwa drei Fünftel der Ausfuhren über diese Korridore, zwei Fünftel über das Schwarze Meer.

Könnten die alternativen Transportwege mehr Fracht aufnehmen?
Vor dem Krieg wurden etwa 70 Prozent des ukrainischen Exports über den Seeweg abgewickelt. Das zeigt, wie schwierig es ist, die Schwarzmeerroute zu ersetzen. Die anderen Verkehrswege haben jeweils ganz unterschiedliche Probleme.

Was ist mit der Bahn?
Die ukrainische Eisenbahn hat 2022 nach eigenen Angaben 28,9 Millionen Tonnen Getreide exportiert, von denen 22,55 Millionen Tonnen in die EU gingen. Behindert wird der Transport durch die unterschiedliche Spurweite der Gleise: europäisch üblicherweise 1435 Millimeter und im postsowjetischen Raum normalerweise 1520 Millimeter. Eine schnelle Abhilfe und damit Kapazitätsausweitung ist hier nicht in Sicht.

Und die Alternative Lkw?
Auch der Straßentransport ist bereits an seiner Kapazitätsgrenze. Trotz Optimierungen an der Grenze müssen Fuhren bei der Ausreise aus der Ukraine aktuell mehrere Tage warten. Der große ukrainisch-polnische Grenzübergang Dorohusk-Jahodin in Richtung Warschau fertigt bereits jetzt nur Lastkraftwagen ab.

Bleibt noch die Donau.
Die drei ukrainischen Binnenhäfen Ismajil, Reni und Ust-Dunajsk an der Donau bleiben als eine Hauptroute für Getreide vom russischen Ausstieg unberührt. In den ersten sechs Monaten 2023 wurden dort mit 14 Millionen Tonnen bereits 85 Prozent des Vorjahreswerts umgeschlagen. Seit vorigem Jahr werden die Kapazitäten ausgebaut. Doch die flachen Donaukanäle taugen nicht für größere Frachtschiffe.

Könnte der Export aus den Seehäfen um Odessa auch ohne Moskaus Einverständnis weitergehen?
Darauf hofft die Ukraine. Denn das kriegsgeplagte Land braucht die Exporteinnahmen, um nicht noch abhängiger von ausländischen Hilfen zu werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Fortsetzung des Exports aus den Schwarzmeerhäfen auch ohne russische Garantien bereits angekündigt.

Zur Versicherung von Schiffen stellte das Parlament in Kiew Anfang Juli umgerechnet gut 500 Millionen Euro bereit. Nach Angaben in Kiew soll es Schiffseigner geben, die unter diesen Bedingungen ukrainische Häfen anlaufen wollen.

Doch es geht nicht nur um Sicherheit auf See, sondern auch in den Häfen selbst. Die russischen Angriffe auf die Hafeninfrastruktur von Odessa und Mykolajiw in der Nacht zum Dienstag vermittelten eine deutliche Botschaft.

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