Ernährung
Wie der Hunger in der Welt beendet werden kann
Von einer Friedensdividende, die nach dem Ende des Kalten Kriegs erhofft wurde, ist schon lange keine Rede mehr. Stattdessen hat sich die Welt daran gewöhnt, dass die globalen Ausgaben fürs Militär jedes Jahr neue Höchststände erreichen. Auch hierzulande hat der Verteidigungsminister alle Hemmungen abgelegt und redet davon, dass Deutschland kriegstüchtig werden müsse – und keine ernstzunehmende politische Stimme widerspricht ihm oder kritisiert zumindest seine martialische Wortwahl.
Zwei Dinge darf man dabei nicht verwechseln: Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ist ein unentschuldbares Verbrechen, für das die Verantwortlichen eines Tages hoffentlich zur Rechenschaft gezogen werden. Die Überfallenen haben jedes Recht der Welt, sich zu verteidigen. Und kluge Politik gebietet es auch in Deutschland, sich gegen Aggressoren zu wappnen. Einerseits.
17 Nachhaltigkeitsziele
Andererseits ist die fortschreitende Militarisierung sämtlicher Lebensbereiche nicht akzeptabel. Doch das ist, was weltweit geschieht. Dabei wird vergessen, dass nicht nur das Versprechen einer Friedensdividende verfehlt wurde. Auch den Kampf für eine gerechtere Welt scheint die Menschheit aufgegeben zu haben. Dabei gehört zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, denen sich auch Deutschland verpflichtet fühlt, dass ab 2030 kein Mensch mehr in extremer Armut leben oder unter Hunger leiden sollte. Aktuell gelten aber 735 Millionen Menschen – neun Prozent der Weltbevölkerung – als unterernährt. 93 Prozent der betroffenen Menschen leben in Asien und Afrika.
Es ist beschämend, wie leicht die Vorgaben der UN mit einer marginalen Kürzung der Rüstungsausgaben erreicht werden könnten. Nur 2,9 Prozent dessen, was die bedeutendsten Industriestaaten der westlichen Welt jedes Jahr für ihre Armeen auf den Tisch legen, etwa 33 Milliarden Euro, wären laut Oxfam nötig, um den Hunger in der Welt beenden. Zudem müssten die G7-Länder, die sich ab Donnerstag zu ihrem jährlichen Gipfel in Italien treffen, den ärmsten Ländern Schulden in Höhe von knapp vier Milliarden Euro erlassen, um diese zu entlasten, fordert die Hilfsorganisation.
Die Regierungen der Staatengruppe schafften es, massiv in die Rüstung zu investieren, aber wenn es darum gehe, den Hunger zu stoppen, seien sie plötzlich pleite, kritisiert ein Oxfam-Sprecher. Und taub stellen sie sich wohl auch.