Faktencheck Wenn Wahlhelfer-Fotos in die Irre führen
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gibt es verschiedene „Nachrichten“ im Netz, die Zweifel an der Korrektheit des Urnengangs streuen. Anlass: Die CDU lag nach Auszählung der Stimmen deutlicher vor der zweitplatzierten AfD, als Umfragen vor der Wahl erwarten ließen. Die Demoskopen hielten sogar für möglich, dass die AfD am Ende vor der CDU liegen könnte.
In einem Facebookpost eines Nutzers aus dem Salzlandkreis zum Beispiel ist der Screenshot eines Tweets abgebildet, in dem der vermeintliche Wahlhelfer @Buttergott_1 schreibt: „Heute als Wahlhelfer in #Sachsen-Anhalt. Macht euch keine Sorge, unser ganzes Team ist darauf vorbereitet der #fckafd keine Chance zu lassen und gegebenenfalls die Stimme zu entwerten“. Dazu ist ein Foto zu sehen, das Wahlhelfer bei der Stimmauszählung zeigt. Ihre Gesichter wurden unkenntlich gemacht.
Aus Nevada, nicht aus Ostdeutschland
Eine Überprüfung des Fotos mit speziellen Suchmaschinen-Tools enthüllt: Das Foto ist gar nicht aus Sachsen-Anhalt, sondern entstand bereits 2020 in den USA. Es ist also kein Beleg dafür, dass die Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt manipuliert wurde.
Das Foto aus dem Tweet zeigt vielmehr Wahlhelfer aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Nevada nach der Präsidentschaftswahl 2020. Der abgebildete Raum für die Zählung der Stimmzettel ist in einem Youtube-Video zu sehen, das eine Stimmauszählung in Washoe County in Nevada zeigt. Darin ist auch das Logo des Countys zu sehen, was auf einer Säule prangt, die in dem Facebook-Beitrag ebenfalls teils erkennbar ist.
Das gleiche Foto wie im Tweet mit einer Frau im pfirsichfarbenen T-Shirt wurde auf einer deutschsprachigen Webseite im November 2020 benutzt – dies lässt sich mit dem Suchtool der Fotorückwärtssuche herausfinden. Auf der Webseite wird über eine Auszählung im Bundesstaat Maine berichtet, es fehlt beim Foto allerdings jegliche genaue Ortsangabe.
Faktenchecks
Die Deutsche Presse-Agentur, kurz dpa, hat in den vergangenen Jahren ein Team aufgebaut, das gezielt Informationen überprüft, die sich im Internet stark verbreiten, zum Beispiel bei Twitter oder Facebook. Oft sind dies Halbwahrheiten oder sogar reine Falschmeldungen. Zudem hat die dpa seit Januar 2021 ein Faktencheck-Netzwerk aufgebaut, zu dem auch die RHEINPFALZ gehört. Das heißt, RHEINPFALZ-Redakteure wurden geschult, mit speziellen Computer-Programmen im Netz Fakten zu überprüfen.