Hans im Unglück RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Tobias Hans die CDU-Stammwähler nicht erreicht hat

Zurück aufs Land: Tobias Hans wird ab Mai wieder viel Zeit für seine Familie und seine Pferde auf der Münchwies haben, wo er woh
Zurück aufs Land: Tobias Hans wird ab Mai wieder viel Zeit für seine Familie und seine Pferde auf der Münchwies haben, wo er wohnt. Spätestens im Mai wird Anke Rehlinger sein Amt als Ministerpräsident übernehmen, Ende Mai wird Hans auch den CDU-Vorsitz im Saarland abgeben.

Hintergrund: Smart, dynamisch, jung: So einen hatte das Saarland und hatte die Saar-CDU bisher noch nie an ihrer Spitze. Doch es hat nicht funktioniert, weil Tobias Hans und seine Wähler in jeweils anderen Welten leben.

Tobias Hans steht im Unverpackt-Laden in Sankt Wendel. Er hat seinen Einkauf in der mitgebrachten Flechttasche verstaut. Es geht ans Bezahlen. Da zieht er die Armbanduhr aus dem Ärmel. Die hinter ihm denken: Geht’s ihm nicht schnell genug? Doch Hans interessiert sich nicht für die Uhrzeit. Vielmehr begleicht er seine Rechnung mit der Bezahlfunktion seiner smarten Uhr am Handgelenk.

Tobias Hans ist eben ein hipper Mensch, das will er auch im Alltag zeigen. Abends und am Wochenende Landleben mit drei kleinen Kindern, Pferden, Heu und Traktor daheim auf der Münchwies. Unter der Woche als Ministerpräsident von der Staatskanzlei in Saarbrücken aus das Saarland digitalisieren und modernisieren. Das war sein Leben.

Auf dem Münchwieser Sportplatz: „Sein Vater war immer hier“

In den letzten Wochen vor der Wahl hat er gemerkt, dass sich dieses Leben ändern wird, weil er sein Amt als Ministerpräsident verlieren wird. Hans hat nicht verstanden, warum es so kommen wird, warum Anke Rehlinger von der SPD, die er duzt und mit der er einen fast freundschaftlichen Umgang pflegt, beim Saarvolk besser ankommt.

Die Antwort findet man vielleicht am Sportplatz der DJK Münchwies, in dem Dorf, in dem er aufwuchs. Dort am Sportplatz sieht man Tobias Hans nie. Das bedauern die Männer im Sportheim ein wenig. „Sein Vater war immer hier“, erzählen sie. „Der hat von Jugend an hier gespielt bis in die erste Mannschaft.“ Gemeint ist Peter Hans, CDU-Politiker und einst Landtagspräsident im Saarland. Der hatte geholfen, dass auf der Münchwies ein nagelneuer Sportplatz mit Kunstrasen, eine schöne Sporthalle und ein neuer Kindergarten gebaut wurden.

Künstliche Intelligenz statt Bier an der Theke

Peter Hans starb früh an Krebs. Sein Sohn Tobias führte das politische Erbe fort. Aber anders als sein Vater ist der Junior keiner, der sich in der Freizeit ein Fußballspiel anschaut oder sich ins Sportheim an die Theke stellt.

So leutselig, so gemütlich ist er nicht. Künstliche Intelligenz, soziale Medien, sich im Cyberspace bewegen, in eine neue Zeit aufbrechen, das ist eher seine Welt.

Ganz viele junge Leute an die Seite geholt

2018 folgte Hans, gerade 40 Jahre alt geworden, als Ministerpräsident des Saarlandes auf Annegret Kramp-Karrenbauer, die in Berlin Kanzlerin werden wollte. Hans verzichtete damals auf eine Regierungsumbildung, holte aber viele ganz junge Leute in seine Umgebung, baute die Staatskanzlei personell und inhaltlich aus. Er berief einen „Chief Information Officer“ an seine Seite, der sich um Innovation und Strategie kümmert. Über vier Kanäle in den sozialen Medien verbreitet er schnell und professionell seine Ansichten und Taten. Hans ist Stammgast in den Talkshows der Republik.

Rebell im „Tobias-Hans-Land“

Vielleicht hat er dabei das Gefühl für seine Wählerschaft verloren. Im Saarland wird die CDU nicht von hippen, technikbegeisterten, jungen Großstadtmenschen gewählt, sondern hauptsächlich von Rentnern, katholischen Arbeitern und gediegenen Beamten. Die stießen sich daran, dass Hans im Wahlkampf Plakate kleben ließ, auf denen man, wenn man nicht ganz genau hinsah, lesen konnte: „Tobias-Hans-Land“. Die stießen sich auch daran, dass Hans auf einmal nicht mehr als verlässlicher Staatsmann auftrat, sondern als Rebell, der „dem Staat“ vorwarf, sich an den Benzinpreisen zu „bereichern“.

Die Ära Tobias Hans geht in der saarländischen CDU so schnell zu Ende wie sie angefangen hat. Im Mai wird er nicht mehr für den Landesvorsitz kandidieren. Stephan Toscani soll übernehmen. Der wäre bei der nächsten Landtagswahl 60 Jahre alt. Eher das Alter von CDU-Wählern. Aber die CDU wird sich fragen, ob sie damit nicht ins andere Extrem verfällt.

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