Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Warntag oder Wenn das Handy plötzlich schrillt

Mobilfunk spielt künftig eine noch wichtigere Rolle bei Warnungen vor Katastrophen und ähnlichem.
Mobilfunk spielt künftig eine noch wichtigere Rolle bei Warnungen vor Katastrophen und ähnlichem.

Zweiter Versuch: Am Donnerstag ist bundesweiter Warntag. Auf verschiedensten Wegen sollen die Bürger dann testweise eine Alarmmeldung erhalten – falls dieses Mal alles klappt.

Was passiert am Donnerstag, dem 8. Dezember?
Ab 11 Uhr aktivieren beteiligte Behörden und Einsatzkräfte unterschiedliche Warnmittel. Es gibt zum Beispiel Durchsagen im Radio und Fernsehen; Hinweise auf digitalen Stadtanzeigetafeln, in Apps (unter anderem „Nina“ und „Katwarn“) oder erstmals sogar direkt auf dem Smartphone. Ein Text geht via Satellit an alle am Modularen Warnsystem (Mowas) des Bundes angeschlossenen sogenannten Warnmultiplikatoren – das sind Unternehmen und Institutionen wie Rundfunksender und App-Betreiber. Sie reichen die Mitteilung dann letztlich an ihre Kunden, also die Bürger, weiter. Auf möglichst vielen Wegen sollen so die Menschen deutschlandweit erreicht werden. Parallel können auf Ebene der Länder, in den freiwillig teilnehmenden Kreisen und Kommunen, zusätzlich Lautsprecherwagen eingesetzt oder Sirenen ausgelöst werden.

Wozu ist der Warntag gut?
Ein Ziel ist es nach Angaben des Bundesinnenministeriums, die Menschen in Deutschland über die unterschiedlichen Warnmittel in Gefahrensituationen zu informieren und damit auch stärker auf den Bevölkerungsschutz insgesamt aufmerksam zu machen. „Wir müssen uns für die Zukunft besser für Krisenlagen wie Wetterextreme, Waldbrände oder Hochwasser wappnen. Dazu gehören vor allem moderne Systeme, um die Bevölkerung bei Gefahren schnell und zielgerichtet zu warnen“, sagte Ministerin Nancy Faeser bei der Ankündigung der Aktion im Herbst. Durch den Tag sollen aber auch die technischen Abläufe sowie die Funktion der Warnmittel überprüft, eventuelle Schwachstellen identifiziert und im Nachgang verbessert werden.

Gab es schon einmal eine solche Aktion?
Ja. 2019 beschlossen Bund und Länder, dass jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September ein bundesweiter Warntag stattfindet. Die Premiere 2020 geriet allerdings zum Fiasko: Warnungen erfolgten teils unkoordiniert und wurden nur verzögert übermittelt. Der damalige Chef des auf Bundesebene zuständigen Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger, musste gehen. Im darauffolgenden Jahr wurde der Warntag ausgesetzt, weil zunächst die erforderliche Infrastruktur umfassend ausgebaut werden sollte. So gab es in den Kommunen mittlerweile kaum noch Sirenen, die nach dem Warndebakel aber als doch nicht mehr so überflüssig erachtet wurden. Nun geht die zweite Auflage mit leichter Verspätung über die Bühne, weil mehr Vorbereitungszeit für die Einführung des neuen Systems Cell Broadcast erforderlich war.

Was hat es mit Cell Broadcast auf sich?
Mit dieser Technik sollen künftig Warnungen auch direkt und automatisch auf dem Handy angezeigt werden – ganz ohne App. Ausgenutzt wird dabei, dass jedes Mobilfunkgerät sich in einer Funkzelle registriert, über die ein Netzempfang hergestellt wird. In umgekehrter Richtung lassen sich auch Textnachrichten mit maximal 500 Zeichen an alle Geräte in einem bestimmten Gebiet versenden. Bei Unwetter, Hochwasser, Brand oder ähnlichem kann so schnell über eine aktuelle Gefahr informiert und können kurze Handlungsempfehlungen gegeben werden. Das sei zielgenau und datensparsam, erklären die Bevölkerungsschützer. Nach der Flutkatastrophe an der Ahr vom Juli 2021 sah man die Notwendigkeit eines solchen zusätzlichen Warnmittels, die Mobilfunkbetreiber mussten ihre Netze entsprechend ausrüsten.

Kann jedes Handy die Nachrichten empfangen?
Nach Schätzungen des BBK werden am bundesweiten Warntag bereits bis zu 50 Prozent der Mobilfunkendgeräte – sowohl Handys als auch Smartphones – erreicht werden können. Sie müssen eingeschaltet und empfangsbereit sein. Weil eine Warnung der höchsten Kategorie erfolgt, ertönt ein schriller Alarmton sogar, wenn das Mobiltelefon im lautlosen Modus ist. Es soll außerdem vibrieren, das Display blinken. Um 11.45 Uhr soll es eine Entwarnung geben.

Müssen die Nutzer im Vorfeld etwas tun?
Insbesondere bei Geräten mit veraltetem Betriebssystem funktioniert Cell Broadcast möglicherweise nicht. Voraussetzung ist nach Angaben der Mobilfunkbetreiber das jeweils aktuelle iOS für Apple-Geräte beziehungsweise Android 11. BBK-Präsident Ralph Tiesler appellierte am Montag an alle Handynutzer, vor dem 8. Dezember die notwendigen Updates durchzuführen. Der Tag soll Erkenntnisse dazu liefern, wie gut die Bevölkerung mit dem Cell Broadcast schon erreichbar ist. Der richtige Betrieb ist ab Ende Februar 2023 geplant. Generell sollten Bürger seiner Behörde online melden, ob und auf welchen Weg sie eine Warnung erhalten haben, bat Tiesler.

Noch Fragen?

Ausführliche Infos unter warnung-der-bevoelkerung.de. Dort sollen Bürger auch Rückmeldung über den Warntag geben. Unter bbk.bund.de gibt es eine Liste mit den für Cell Broadcast empfangsfähigen Geräten.

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