Analyse RHEINPFALZ Plus Artikel Wahl an der Saar: Kandidatin und Partei top

Klar vorn: Anke Rehlinger, die künftige Ministerpräsidentin an der Saar.
Klar vorn: Anke Rehlinger, die künftige Ministerpräsidentin an der Saar.

Regierungschefs verfügen bei Wahlen häufig über einen Amtsbonus. Davon aber kann im Fall von Tobias Hans (CDU) keine Rede sein.

Nur 31 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer wünschten sich den Noch-Ministerpräsidenten auch in Zukunft als Regierungschef, wie eine Analyse der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zur Landtagswahl im Saarland ergab. Für SPD-Herausforderin Anke Rehlinger sprachen sich hingegen 57 Prozent der Befragten aus – nach Einschätzung der Meinungsforscher ein „seltenes Phänomen“. Nicht erstaunlich, dass Rehlingers Ansehen mit plus 2,4 auf einer Skala von minus bis plus 5 auch deutlich höher lag als das von Hans (1,1).

Neben der Person der Spitzenkandidatin war es auch der Auftritt als Juniorpartner im Regierungsbündnis mit der CDU, der der Saar-SPD zu ihrem deutlichen Sieg verhalf. Denn ihre Arbeit in der großen Saar-Koalition wurde mit 1,9 deutlich besser bewertet als die des größeren Partners CDU (1,1) – für die Mannheimer Forscher ein „atypisches Leistungsgefälle“. Vor allem beim im Saarland wichtigsten Thema, Arbeitsmarkt und Jobs, habe die SPD ihren Koalitionspartner „klar deklassiert“, resümieren die Wahlforscher.

Linke verliert massiv an Ansehen

Solche Faktoren waren umso wichtiger, als die Wahl laut Analyse „regional geprägt“ gewesen sei. Demnach sei trotz der Präsenz des Krieges in der Ukraine für zwei Drittel der Saarländer die Politik im Land wichtiger gewesen.

Neben der CDU gehört vor allem die Linke zu den Verlierern der Landtagswahl. Rückzug und dann Parteiaustritt ihrer Galionsfigur Oskar Lafontaine wenige Tage vor der Wahl haben der Saar-Linken offensichtlich massiv geschadet. So meinten 78 Prozent der Befragten, dass die Linke an der Saar „nur wegen Oskar Lafontaine“ in der Vergangenheit so stark gewesen sei. Das schlechte Abschneiden spiegelt sich auch im geringen Ansehen der Partei wieder: Lag dieses bei der vorausgegangenen Landtagswahl 2017 noch bei minus 0,1, so sackte es dieses Mal auf minus 1,8 ab.

Die SPD als klarer Wahlsieger konnte sich in fast allen Bevölkerungsgruppen ganz vorne platzieren. Besonders deutlich legte sie bei den über 60-Jährigen zu: um 21 Punkte auf 50 Prozent. Sie löste damit die CDU als stärkste Partei in dieser Altersgruppe ab, die 17 Punkte auf 33 Prozent verlor. Auch bei den unter 30-Jährigen ließ die SPD (35 Prozent) die CDU (19 Prozent) weit hinter sich.

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