Ig-Nobelpreis
Von Bananenschalen bis Wasabi-Alarm: Auszeichnung für schräge Ideen
Wissenschaft kann vieles. Krebszellen bekämpfen. Schwarze Löcher vermessen. Und erklären, warum Bedienungsanleitungen nur selten gelesen werden. Für Letzteres gibt es keinen Nobelpreis. Aber fast: den Ig-Nobelpreis. Seit 1991 zeichnet er Forschung aus, die – so sagen es die Veranstalter aus Boston – erst zum Lachen und dann zum Denken anregen soll. Auf der Bühne regnet es dann Papierflieger, echte Nobelpreisträger überreichen die Trophäen, und ausgezeichnet werden Studien, bei denen man zunächst denkt: Das kann unmöglich ernst gemeint sein. Doch der Ig-Nobelpreis ist keine Prämie für Unsinn, sondern für ungewöhnliche Fragen, die zu echten Erkenntnissen führen.
Ein Beispiel ist der Wasabi-Alarm. Japanische Forscher untersuchten, wie stark Wasabi riechen muss, um schlafende Menschen im Brandfall zu wecken. Die Idee klingt zunächst wie ein sehr experimenteller Sushi-Witz. Tatsächlich ging es aber darum, ein Alarmsystem zu entwickeln, das auch gehörlose Menschen warnen kann. Ein anderes Team prüfte, ob Achterbahnfahrten beim Abgang von Nierensteinen helfen. Die Antwort: manchmal schon. Zu den Klassikern gehört auch eine Studie über die Rutschigkeit von Bananenschalen.
USA nicht mehr sicher
All das wirkt wie akademischer Nonsens. Doch genau darin liegt der Witz des Ig-Nobelpreises: Wissenschaft beginnt oft dort, wo jemand eine scheinbar alberne Frage stellt und sie ernsthaft untersucht.
Nach 35 Jahren in den USA zieht die Gala nun nach Europa um. Die nächsten Ig-Nobelpreise sollen im September schon in Zürich verliehen werden. Der Anlass ist ungewöhnlich ernst: Organisator Marc Abrahams erklärte, für Preisträger und internationale Gäste sei es derzeit nämlich nicht mehr selbstverständlich sicher, in die USA zu reisen. Hintergrund sind politische Spannungen und zunehmender Druck auf Universitäten und internationale Forscher. Dass sich wissenschaftliche Aufmerksamkeit ohnehin etwas von den Vereinigten Staaten nach Europa verschiebt, zeigen auch steigende Bewerbungszahlen aus der ganzen Welt an deutschen Instituten.
So bekommt eine der humorvollsten Veranstaltungen der Wissenschaft plötzlich einen ernsten Unterton. Vielleicht passt das sogar zum Geist des Preises. Große Erkenntnisse beginnen nicht immer mit großen Fragen. Manchmal reicht eine Bananenschale.