Bildung Viertklässler mit deutlichen Schwächen

In Deutsch wie in Mathematik tun sich viele Viertklässler schwer, zumindest die jeweiligen Mindeststandards zu erreichen.
In Deutsch wie in Mathematik tun sich viele Viertklässler schwer, zumindest die jeweiligen Mindeststandards zu erreichen.

Die Viertklässler rutschen bei den Leistungen in den Fächern Deutsch und Mathematik einer Studie zufolge deutschlandweit weiter ab.

Der negative Trend habe sich seit dem Jahr 2016 noch verstärkt, teilte die Kultusministerkonferenz (KMK) am Montag in Berlin mit. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hatte im vergangenen Jahr die Bildungskompetenzen von Viertklässlern in Deutsch und Mathematik unter die Lupe genommen. An der Studie beteiligten sich mehr als 26.000 Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus rund 1400 Schulen.

In beiden Fächern sank laut Studie die Anzahl der Schüler, die den Mindeststandard erreichten. Zugleich verfehlten mehr Schüler diesen Standard. Dabei verstärkte sich der Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg der Schüler. Zunehmend schwerer haben es demnach Kinder mit Zuwanderungshintergrund.

Folgen der Corona-Pandemie spürbar

Eine regionale Betrachtung zeigt, dass in Rheinland-Pfalz im Fach Deutsch im vergangenen Jahr 16 Prozent der Viertklässler den Mindeststandard im Kompetenzbereich Lesen nicht erreichten – 2,4 Prozentpunkte mehr als noch 2016, aber besser als bundesweit (18,8 Prozent). Spürbar verschlechtert hat sich das Niveau, wenn es ums Zuhören ging: Hier erreichten landesweit 18,2 Prozent der Schüler nicht den Mindeststandard, 5,6 Prozentpunkte mehr als fünf Jahre zuvor. Dies entspricht fast exakt dem Bundeswert. In Sachen Orthografie blieb über ein Viertel (27,8 Prozent) unter dem Mindeststandard – 4,4 Prozentpunkte mehr als 2016. Bundesweit erreichten 30,4 Prozent nicht den Standard.

Auch in Mathematik fiel das Ergebnis in Rheinland-Pfalz schlechter aus als noch 2016. Hier blieben 17,7 Prozent der Viertklässler unter dem Mindeststandard; 2016 betrug dieser Anteil noch 15,8 Prozent. Bundesweit lag dieser nun sogar bei 21,8 Prozent.

Als wichtigen Grund für die Verschlechterung nannte die Studie die Schulschließungen während der Corona-Pandemie. Wie stark ein Schüler in der Schule sei, hänge stark mit der heimischen Lernumgebung während der Pandemie zusammen. Eine mangelhafte Ausstattung habe den Lernerfolg beeinträchtigen können.

Lehrermangel als Herausforderung

„Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends sind besorgniserregend“, schreiben die Autoren. Einigkeit bestehe darüber, „dass solche Zahlen nicht hinnehmbar sind.“ Besonders Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund seien von den negativen Werten betroffen. Verschlechterte Werte bei den Kompetenzen im Lesen, Zuhören, in der Mathematik und der Orthografie seien aber „auch bei Kindern ohne Zuwanderungshintergrund und bei Kindern aus sozial besser gestellten Familien zu verzeichnen“, so die Studie.

Es gebe zwar Unterschiede zwischen den Ländern, aber insgesamt zeigten die Ergebnisse einen bundesweiten Trend. Es sei zu beobachten, „wie sehr Kinder auf ein verlässlich funktionierendes Schulsystem angewiesen sind“, schreiben die Autoren des Bildungstrends. Der Lehrermangel sei eine bleibende Herausforderung, betont die Studie. Es sei deshalb schwierig, die schlechten Werte zu verbessern und erreichte Verbesserungen stabil zu halten.

Geringe Deutschkenntnisse als Problem

Ein Augenmerk müsse vor allem auf die Förderung der Kinder gelegt werden, die aufgrund von geringen Deutschkenntnissen besondere Schwierigkeiten hätten, das Bildungssystem erfolgreich zu durchlaufen, forderten die Autoren der Studie.

Die amtierende KMK-Vorsitzende und schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte die Ergebnisse „ernüchternd“. „Wir investieren in Deutschland zu wenig in den Elementarbereich“, erklärte sie. Bereits in der Kita müsse der Erwerb von Deutsch- und Mathematikfähigkeiten stärker in den Blick genommen werden. „Wir werden uns als KMK überlegen müssen, wie wir wieder mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen können“, erklärte Prien.

Vorwurf: Grundschule wurde vernachlässigt

Die Gewerkschaften reagierten ebenfalls alarmiert. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nannte die Ergebnisse „ernüchternd und skandalös“. Die Grundschule sei seit Jahren vernachlässigt worden.

Der Verband Bildung und Erziehung mahnte, die Bildungsprobleme fingen bereits im Vorschulalter an. Personalmangel und Überlastung in Kitas hätten ein gefährliches Ausmaß erreicht.

Beunruhigt über die wirtschaftlichen Folgen der Bildungslücke zeigte sich das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo). Ifo-Bildungsexperte Ludger Wößmann warnte vor „hohen Folgekosten“ der Rückstände.

x