Politik Viele Tote bei Zusammenstößen an der Grenze zum Gazastreifen
«Gaza.» Die israelische Armee ging eigenen Angaben zufolge mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die mehr als 30.000 Demonstranten vor. An vielen Stellen hätten junge Männer versucht, die Grenzbefestigungen zu Israel zu durchbrechen. Auf sie sei scharf geschossen worden. Alle Opfer – die Zahlen schwankten gestern Abend zwischen zwölf und 15 Toten – seien Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, teilte die Armee mit. Zwei der Toten seien zudem Agenten der radikalislamischen Hamas gewesen, die den Gazastreifen kontrolliert. Allerdings gibt es auch Meldungen, wonach ein sechsjähriges Mädchen unter den Getöteten sein soll. Die israelische Armee beschuldigte im Gegenzug die Hamas, sie habe während des Protests eine Siebenjährige dazu veranlasst, über den Zaun nach Israel zu klettern. Die Armee habe dafür gesorgt, dass das Kind wieder sicher zu den Eltern zurückkomme. Zudem griff israelisches Militär nach eigenen Angaben gestern Stellungen der Hamas mit Panzerfeuer und Luftschlägen an. Der „Marsch der Rückkehr“, der gestern im Gaza-Streifen begann, erinnert an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels am 30. März 1976. Die Proteste sollen noch bis zum 15. Mai dauern, den 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen alljährlich den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700.000 Palästinenser aus ihrer Heimat fliehen mussten oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem ihre Botschaft in Jerusalem eröffnen. In einer Zeltstadt nahe der Grenze verbrannten Demonstranten deshalb Bilder von US-Präsident Donald Trump. Die Palästinenser pochen auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines Palästinenserstaates. Eine US-Botschaft in Jerusalem ist für sie reine Provokation. „Es gibt kein Zugeständnis in Bezug auf Jerusalem, keine Alternative zu Palästina und keine Lösung außer zurückzukehren“, sagte Hamas-Chef Ismail Hanija gestern. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich Diplomaten zufolge noch in der vergangenen Nacht mit der Lage im Gazastreifen befassen. Die Sitzung sei auf Antrag Kuwaits einberufen worden. Seite 3