Ukraine-Krieg RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Russen suchen Zuflucht in der Türkei

Menschen drängen sich in einem Istanbuler Straßenmarkt.
Menschen drängen sich in einem Istanbuler Straßenmarkt.

Russische Oligarchen bringen jetzt ihre Superjachten in türkischen Häfen in Sicherheit. Staatschef Recep Tayyip Erdogan heißt sie willkommen. Aber auch immer mehr russische Kriegsgegner suchen Zuflucht in der Türkei.

Fast 1000 Euro kostet derzeit der einfache Flug in der Economy-Class der Turkish Airlines von Moskau nach Istanbul – wenn man noch einen Platz findet. Das ist mehr, als die türkische Fluggesellschaft für einen Hin- und Rückflug ins fast fünf Mal so weit entfernte New York verlangt.

Die horrenden Ticketpreise sind ein Ergebnis der hohen Nachfrage. Istanbul ist neben Dubai eine der letzten verbliebenen Drehscheiben des Flugverkehrs zwischen Russland und dem Westen, weil die türkische Regierung sich bisher den Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges nicht angeschlossen hat. Überdies brauchen russische Staatsbürger kein Visum für die Einreise in die Türkei. Die Maschinen sind fast immer ausgebucht. Und die meisten Passagiere haben russische Pässe.

Antalya beliebtes Refugium von Exil-Russen

Manche zahlen die hohen Ticketpreise ohne mit der Wimper zu zucken. Reiche Russen zum Beispiel, die in der Türkei nach einem Zweitwohnsitz Ausschau halten, weil es ihnen im eigenen Land wegen der Sanktionen des Westens und den befürchteten wirtschaftlichen Folgen des Krieges gegen die Ukraine zu ungemütlich wird.

Viele fliegen von Istanbul gleich nach Antalya weiter. Die Touristenmetropole ist seit jeher ein beliebtes Refugium für Exil-Russen. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer von Antalya haben sich die Immobilienkäufe von Russen dort im Februar gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Viele junge, gut ausgebildete Russen fliehen

Aber auch immer mehr russische Regimekritiker suchen jetzt in Istanbul Zuflucht vor Verfolgung durch das Putin-Regime. Die Türkei hat bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Russland eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert flohen Hunderttausende Tscherkessen vor den russischen Eroberern aus dem Kaukasus in die Türkei. Nach der Oktoberrevolution suchten etwa 200.000 Russen Zuflucht in der Türkei. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben bereits wiederum rund 200.000 Russinnen und Russen ihre Heimat verlassen. Viele führt der Weg nach Istanbul.

Unter den Flüchtenden sind viele junge, gut ausgebildete Menschen, Künstler und Akademiker, die wegen des zunehmend repressiven Klimas in ihrer Heimat keine Zukunft mehr sehen. In der kosmopolitischen Metropole Istanbul genießen sie ein Gefühl der Freiheit – eine Freiheit, die allerdings viele Türkinnen und Türken nicht haben. Zehntausende Bürgerrechtler sitzen in der Türkei hinter Gittern, viele ohne Urteil, wie der Kulturförderer Osman Kavala.

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