Meinung
Ukraine-Krieg: Die Grenzen der Solidarität
Wladimir Putin kann sich freuen. Die Einigkeit der EU gegenüber dem russischen Despoten hat ein blamables Ende gefunden. Die Diskussionen um das Öl-Embargo waren verheerend. Europa zaudert, schachert, streitet und zeigt sein hässliches Gesicht. Für den Kremlherrscher ist das eine Einladung, seinen menschenverachtenden Feldzug in der Ukraine fortzusetzen.
Nach nur drei Monaten scheint vergessen, was auf dem Spiel steht. Putins Ziel ist es, das von ihm verabscheute europäische Lebensmodell zu zerstören. Europa muss daher beweisen, dass es gewillt ist, die Freiheit und damit auch die Demokratie und den Wohlstand gegen diesen Angriff von außen zu verteidigen. Das kann allerdings nur mit vereinten Kräften gelingen. Dass die EU dazu in der Lage ist, hat sie nach dem Angriff auf die Ukraine eindrucksvoll bewiesen. Entschlossen, schnell und hart wurden mehrere Sanktionspakete gegen Russland verabschiedet. Die Solidarität währte aber nur so lange, wie die Sanktionen den einzelnen Staaten selbst nicht allzu weh taten.
Der Krieg in der Ukraine ist allenfalls ein Vorbote weiterer fundamentaler Veränderungen im Weltgefüge. Auch auf den zunehmend aggressiven Versuch Chinas, den westlichen Gesellschaftsmodellen einen autokratischen Entwurf entgegenzustellen, muss reagiert werden. In seiner heutigen Form ist Europa diesen Herausforderungen nicht gewachsen.