USA
Trump-Imperium auf der Anklagebank
Kaum war die Klageschrift gegen den Finanzchef seines Unternehmens verlesen, schaltete Donald Trump auch schon in den Angriffsmodus. Was man gerade erlebe, sei eine Hexenjagd, angezettelt von linksradikalen Demokraten, wetterte er. „Das spaltet unser Land wie nie zuvor.“ Ob den Leuten eigentlich klar sei, was diese linksradikalen Staatsanwälte 75 Millionen Wählern und Patrioten antun wollten?
Unschwer erkennen lässt sich das bewährte Verteidigungsmuster des Ex-Präsidenten, ein Muster, das er selber schon oft beschrieben hat. Greift man ihn an, schlägt er umso härter zurück, lautet seine Maxime. Den Juristen, die sein Unternehmen unter die Lupe nehmen – beide sind dem Parteibuch nach Demokraten – unterstellt er rein politische Motive. Der eine ist Cyrus Vance jr., Sohn eines früheren Außenministers, der noch bis Dezember die Staatsanwaltschaft Manhattans leitet. Die andere ist Letitia James, Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, die erste Afroamerikanerin in diesem Amt.
Was beide bisher an Material sammelten, führte am Donnerstag zu einer ersten Anklage. Dem Finanzchef der Trump-Organisation, Allen Weisselberg, wird zur Last gelegt, von 2005 bis Juni 2021 mehrere hunderttausend Dollar an Steuern hinterzogen zu haben. In dieser Zeit soll er geldwerte Vorteile in Höhe von 1,76 Millionen Dollar (1,49 Millionen Euro) erhalten haben, die er dem Finanzamt verschwieg. Die Miete für ein Apartment in Manhattan, Privatschulgebühren für zwei seiner Enkel, die Raten für zwei geleaste Mercedes-Limousinen, Betten, Fernseher und Teppiche, um eine Zweitwohnung in Florida auszustatten – das alles zahlte sein Arbeitgeber. Offenbar war es kein Einzelfall, sondern Teil eines ausgeklügelten Modells. Auch eine mit den Behörden kooperierende Ex-Schwiegertochter Weisselbergs, mittlerweile geschieden von dessen jüngstem Sohn, wohnte mit ihrem Mann mietfrei am Central Park, ohne dass der Vorteil versteuert wurde.
Bis zu 15 Jahre Gefängnis drohen
Im Raum steht die Frage, ob der Strafantrag gegen Weisselberg nur das erste Glied einer Kette ist, an deren Ende juristische Schritte gegen den Altpräsidenten stehen. Weder Donald Trump noch seine drei bei ihm beschäftigten Kinder, Donald jr., Eric und Ivanka, werden in dem 24-Seiten-Papier als Tatverdächtige genannt. Allerdings betont Vance, sein Büro untersuche weiter, es folge den Fakten, „wohin auch immer sie uns führen“. Dass der Mann an der Spitze nicht eingeweiht war, halten Insider für unwahrscheinlich. Der Anwalt Michael Cohen, der einer Porno-Darstellerin im Auftrag seines Chefs Schweigegeld zahlte, um eine Sexaffäre zu vertuschen, hat es bei einer Anhörung im US-Kongress ohne Schnörkel beschrieben: „In dieser Firma geschieht nichts, ohne dass Donald Trump davon weiß und damit einverstanden ist. Punkt. Ende.“
Auf einem anderen Blatt steht freilich, ob sich potenzielle Straftaten auch nachweisen lassen. Folgt man Eingeweihten wie Cohen, operiert Trump lieber mit mündlichen Anweisungen als mit schriftlichen. Finden die Ermittler keine Belege dafür, dass er Weisselbergs Steuerhinterziehungsmodell absegnete, könnte er sich darauf hinausreden, dass sein CFO auf eigene Faust handelte. Und ob der, etwa in der Hoffnung auf richterliche Milde, gegen Trump aussagt, ist völlig ungewiss. Weisselberg, heißt es, bewundere den Milliardär. 1973 noch von dessen Vater Fred eingestellt, sei er ihm treu ergeben. Nur: Auf schweren Diebstahl, den zentralen Vorwurf gegen ihn, stehen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Allen Weisselberg werde seine goldenen Jahre sicher nicht hinter Gittern verbringen wollen, hatte Cohen bereits vor Monaten orakelt.