Astrazeneca Trotz Impfstopp: Viele Impftermine bleiben erhalten
Wegen der plötzlichen Aussetzung der Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca sind am Dienstag in Rheinland-Pfalz 5300 Impftermine ausgefallen. Landesgesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) versicherte, die Betroffenen würden automatisch neue Termine bekommen. Den vorläufigen Impfstopp hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angeordnet. Er folgte damit dem Beispiel einiger anderer EU-Länder und der Empfehlung des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).
Hintergrund sind Fälle von Hirnvenen-Thrombosen, die womöglich im Zusammenhang mit dem Impfstoff stehen. Dies soll nun geprüft werden. „Ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger wollen sich darauf verlassen, dass die Impfstoffe, die wir anbieten, sicher sind und wirksam sind“, erklärte PEI-Präsident Klaus Cichutek in der ARD.
Drei Fälle endeten tödlich
In Deutschland wurden laut PEI bei 1,6 Millionen Impfungen sieben Fälle von Hirnvenen-Thrombosen verzeichnet, drei davon endeten tödlich. Mit Blick auf Großbritannien, wo solche Fälle in dem Maß noch nicht bekannt wurden, obwohl Astrazeneca massenweise verimpft wird, erklärte Cichutek, der Fokus sei bisher nicht speziell darauf gerichtet gewesen. Sowohl Bätzing-Lichtenthäler als auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) äußerten Verständnis für den Impfstopp. Die Gefahr möglicher Nebenwirkungen müsse untersucht werden. Der Kritik verschiedener SPD-Politiker an Spahn schloss sich Dreyer ausdrücklich nicht an.
In Rheinland-Pfalz sind bisher 123.000 Menschen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca geimpft worden. Zweitimpfungen wurden bisher noch keine gespritzt. Sie sind frühestens im April vorgesehen. Was passieren wird, sollte das Vakzin dauerhaft aus dem Verkehr gezogen werden, sei offen, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Vorerst werden keine neuen Termine für Menschen mit Impfpriorität zwei vergeben, da die Vakzine von Biontech und Moderna nun auch für Menschen mit Priorität eins gebraucht werden, die eigentlich Astrazeneca erhalten sollten.
EMA hat keine Bedenken
Bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA hat der Ausschuss für Impfstoff-Sicherheit am Dienstag über das Astrazeneca-Präparat beraten und will bis zu einer Sondersitzung am Donnerstag zu einer Schlussfolgerung kommen. EMA-Chefin Emer Cooke betonte aber schon am Dienstag: „Wir sind immer noch zutiefst überzeugt, dass die Vorteile des Astrazeneca-Impfstoffs bei der Vorbeugung von Covid-19 mit dem damit verbundenen Risiko eines Krankenhausaufenthalts und dem Tod das Risiko dieser Nebenwirkungen überwiegen.“ Dennoch setzten am Dienstag weitere Länder den Impfstoff aus, darunter Schweden, Portugal und Luxemburg.