Meinung Tierseuche überschattet Grüne Woche
Die Grüne Woche wird in diesem Jahr vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Brandenburg überschattet. Dies beraubt die Ausstellung einiger ihrer traditionellen Attraktionen. Kühe und Schafe sind dort nun tabu. Die Grüne Woche wendet sich nicht nur an das breite Publikum, sondern ist stets auch ein Kristallisationspunkt für agrarpolitische Diskussionen samt damit verbundener Demonstrationen.
Leider haben sich Hoffnungen auf eine konstruktivere Entwicklung der agrarpolitischen Diskussion in den vergangenen Jahren nicht erfüllt. Solche Hoffnungen nährte eigentlich die Arbeit der sogenannten Strohschneider-Kommission. In diesem 2019 von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einberufenen Gremium war ein breites Spektrum von Organisationen vertreten. Dem Wissenschaftler Peter Strohschneider gelang es, einen weit reichenden Konsens herzustellen. Kern war dabei, dass die Landwirtschaft weniger umweltbelastend werden muss, die Arbeit der Landwirte aber auch besser honoriert werden sollte – insbesondere, wenn ihre Produktion umweltschonender wird.
Von den Empfehlungen der Kommission ist aber in den vergangenen Jahren kaum etwas umgesetzt worden. Das lag nicht zuletzt daran, dass der Inflationsschub, den Russlands Krieg gegen die Ukraine ausgelöst hat, denen in die Hände spielte, die vor allem auf Produktionssteigerungen ohne Rücksicht auf die Umwelt setzen. Das ist aber keine zukunftsträchtige Strategie. Eine nachhaltigere Landwirtschaft ist nötig und sie wird zu etwas höheren Preisen führen. Dämpfen ließe sich dieser Effekt zum Beispiel dadurch, dass Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit werden.