Metallindustrie RHEINPFALZ Plus Artikel Tarifrunde: Ostern als mögliches Zieldatum

Am Freitag fand auch bei John Deere in Zweibrücken ein Warnstreik statt.
Am Freitag fand auch bei John Deere in Zweibrücken ein Warnstreik statt.

In den kommenden Tagen wird in der Metall- und Elektroindustrie wieder verhandelt. Wie lange noch? Es gibt gute Gründe, die Gespräche möglichst bald abzuschließen.

230.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie haben sich in der vergangenen Woche laut IG Metall an den bundesweiten Warnstreiks beteiligt. Eine auf den ersten Blick beeindruckende Zahl, die aber im Vergleich zu früheren Jahren wenig spektakulär ist. Kein Wunder, in zahlreichen Betrieben herrscht immer noch Kurzarbeit; zudem bieten Warnstreiks in Homeoffice-Zeiten eine Herausforderung eigener Art. Roman Zitzelsberger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg, hat noch eine andere Erklärung für den eher ruhigen Beginn in Sachen Arbeitsniederlegungen: „Wir richten uns auf eine längere Warnstreikphase ein“, sagt Zitzelsberger, die Gewerkschaft sei durchaus in der Lage, die Warnstreiks noch sieben, acht Wochen zu verlängern. Sprich: Die IG Metall will ihr Pulver nicht schon gleich in den ersten Tagen verschießen.

Am Freitag Verhandlungen für Rheinland-Pfalz

Es bleibt abzuwarten, ob das Szenario mit Arbeitsniederlegungen bis in den Mai hinein tatsächlich eintreten wird. Diese Woche steht in einigen Regionen die vierte Verhandlungsrunde an; in Baden-Württemberg treffen sich IG Metall und Arbeitgeber an diesem Dienstag, für Rheinland-Pfalz wird am Freitag wieder verhandelt.

Wie in jeder anderen Tarifrunde muss sich auch in den laufenden Verhandlungen jeder, der am Verhandlungstisch sitzt, stets eine Frage stellen: Wem nützt oder schadet es, wenn rasch abgeschlossen beziehungsweise wenn noch Wochen weitergerungen wird – inklusive Warnstreiks? Um hierauf Antworten zu finden, bietet sich ein Blick auf die wirtschaftliche Situation und die Aussichten für die Branche an. Da fällt die Einschätzung, auch das gehört zum Tarifpoker, je nach Blickwinkel und Interessenlage unterschiedlich aus. Die Arbeitgeberseite stapelt naturgemäß tief, verweist eher auf die Probleme, in der viele Betriebe nicht erst seit Corona stecken, und auf die nach wie vor hohe Unsicherheit. Die IG Metall ihrerseits führt an, dass doch wieder Licht am Horizont zu erkennen sei. Es zeichne sich ein „deutliches Bild der Normalisierung“ ab, meint beispielsweise Bezirksleiter Zitzelsberger und verweist auf eine neue Umfrage unter Betriebsräten, wonach sich die Stimmung unter den Arbeitnehmervertretern zuletzt deutlich verbessert habe.

Der Blick auf die kommenden Monate

Tatsächlich spricht, bei allen Unwägbarkeiten, im Moment manches dafür, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Wochen und Monaten erholen wird. So gesehen, müssten die Arbeitgeber Interesse an einer raschen Einigung haben. Denn je positiver sich die Lage entwickelt, umso teurer könnte für sie der Abschluss werden, insbesondere mit Blick auf die prozentuale Lohnsteigerung, wo die IG Metall ein Plus von vier Prozent fordert.

Zumindest kühl kalkulierende Gewerkschafter warnen gleichwohl davor, die Verhandlungen zu verzögern. Denn je länger der Konflikt dauert, je häufiger zu Warnstreiks und sonstigen Aktionen aufgerufen wird, umso höher steigen die Erwartungen der Beschäftigten. Je höher aber die Erwartungen, umso kleiner wird der Verhandlungsspielraum, umso größer ist auch die Gefahr, mit einem Abschluss am Ende vor allem Enttäuschung hervorzurufen.

So gesehen erscheint es zumindest naheliegend, dass beide Seiten in absehbarer Zeit abschließen wollen, gehandelt wird derzeit der Zeitraum bis Ostern.

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