Coronavirus
Tücken der Impfreihenfolge
Jetzt sind die Lehrer dran: Seit Ende vergangener Woche können sich in Rheinland-Pfalz die Lehrkräfte an weiterführenden Schulen für eine Impfung registrieren. Das gilt zwar auch für weitere Bevölkerungsgruppen, die ebenfalls zur Prioritätsgruppe 3 gehören, doch soll das pädagogische Personal vorgezogen werden. Das erscheint sinnvoll angesichts der Tatsache, dass die Lehrenden sich ständig in Innenräumen aufhalten, zusammen mit Schülern, die aus vielen verschiedenen Haushalten kommen. In einigen Bundesländern wurden die Lehrkräfte schon längst bei der Impfung vorgezogen.
Doch könnte die Entscheidung auch dazu führen, dass ausgerechnet Lehrerinnen und Lehrer mit Vorerkrankungen erst nach ihren gesunden Kollegen die Spritze erhalten. Das treibt beispielsweise einen Rheinland-Pfälzer um, der als Fachpraxislehrer Unterricht in der Werkstatt hält, wo es „fast unmöglich ist, Abstand zu halten“, wie er berichtet. Wegen einer Krebserkrankung musste sich der Mann nach eigenen Angaben bis Dezember einer Chemotherapie unterziehen. Wegen seiner Vorerkrankung fällt er in die Prioritätsgruppe 2, doch musste er sich die Vorerkrankung anerkennen lassen. Das habe Wochen gedauert, erzählt er. Als es so weit war, Mitte April, habe er sich direkt registriert. Einen Termin hatte er bis Mittwochmittag jedoch noch nicht.
Warteschlange ist länger geworden
Die Öffnung der Registrierung für die Prioritätsgruppe 3 hat bei ihm große Sorgen ausgelöst: „Rutsche ich jetzt nach hinten?“, habe er sich gefragt. Nachträglich anzugeben, dass er auch Lehrer ist, geht nämlich nicht. Er fühle sich wie im Supermarkt, „wenn die Kassiererin vor Ihnen die Kasse zumacht und den Platz wechselt“.
Ganz so ist es wohl nicht, doch sind die Sorgen des Fachpraxislehrers nicht aus der Luft gegriffen. Alle registrierten Lehrkräfte und alle Impfberechtigten aus der Prioritätsgruppe 2 sollen nach Auskunft des Gesundheitsministeriums in Mainz „ihre Impftermine in den nächsten Tagen erhalten“. Innerhalb der Gruppen würden aber keine Priorisierungen mehr vorgenommen. Am Dienstag war bekannt geworden, dass im Land noch nicht einmal die Hälfte der 70- bis 79-Jährigen, die zu Gruppe 2 gehören, eine Erstimpfung erhalten habe. Die „Kasse“ aus dem Vergleich der Lehrers hat also zwar nicht zugemacht, aber die Warteschlange ist durch seine Kollegen schon länger geworden.